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Konzert

13.11.2014

Zur Serenade „Eine kleine Nachtmusik“

Die Orchestervereinigung Höchstädt verzauberte das Publikum in Wertingen und Höchstädt.
Bild: Kapfer

Orchestervereinigung Höchstädt begeisterte im Festsaal des Schlosses

Im eigentlichen Sinn gilt die Serenade als eine Abendmusik in freier Form mit unterhaltsamem Charakter. Unabhängig vom Aufführungsmodus versteht man seit der Wiener Klassik unter Serenade auch ein suitenartiges Instrumentalstück mit einer größeren Anzahl von Sätzen. Beiden Definitionen wurde die Orchestervereinigung Höch-städt mit den beiden Serenadenkonzerten im Festsaal des Schlosses zu Wertingen und in der Schlosskapelle zu Höchstädt am vergangenen Wochenende voll gerecht. Die zahlreichen Zuhörer erlebten jeweils einen Konzertabend, der den Abendstunden besonderen Glanz verlieh.

Die „Serenade Nr. 2 in F-Dur“ aus der Feder von Benedikt Anton Aufschnaiter gab die Grundrichtung des Konzertprogramms vor. Der ab 1705 in Passau als Hof- und Domkapellmeister wirkende Barockkomponist erhebt in den fünf Sätzen bei den Musikern den Anspruch von Variabilität und Gestaltungsintensität. Mit hohem Engagement und sichtlicher Musizierfreude verliehen die Instrumentalisten den unterschiedlichen Sätzen Farbe und Ausdruck. Werner Bürgle gelang es in seinem engagierten Dirigat vorzüglich, wechselnde Tempi, breite Phrasierungen und dynamische Abstufungen herauszuarbeiten.

Im „Concerto grosso A-Dur op. 6/11“ von Georg Fr. Händel übernahm das Gesamtorchester den Begleitpart für herausragende Solisten. Werner Bürgle (1. Violine), Johannes Link (2. Violine), Gotthard Lienert (Violoncello) und Thea Waschke (Cembalo) gestalteten ihren jeweiligen Part souverän und mit musikalischer Empathie. Vor allem die beiden Violinisten avancierten in ihrem gegenseitigen Zuspiel zu professionellen Gestaltern.

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Die zweite „Freisinger Sinfonie“ von Placidus von Camerloher signalisierte in ihrem Charakter bereits eine Weiterentwicklung der Barockmusik. Die Musik des einstigen Hof- und Domkapellmeisters zu Freising stand ebenso der zeitgenössischen Kunst Italiens als auch der Mannheimer Schule nahe. In der Musikgeschichte wird er als wichtiger Vertreter des „Empfindsamen Stils“ angesehen, der in der Zeit des Übergangs von barocker Üppigkeit zu klassischer Klarheit entstand.

Wie kein zweites Werk verkörpert W. A. Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ den Typus der klassischen Serenade. Dieses Kammermusikwerk lebt vom Glanz spielerischer Leichtigkeit, stellt jedoch an die Akteure höchsten Anspruch. Auch hierbei gelang es Werner Bürgle, die unterschiedlichen Sätze dynamisch, mit passenden Tempi und der nötigen Leichtigkeit zu charakterisieren. Den Abschluss der Abendmusiken bildeten die ersten beiden Sätze der „Serenade für Streichorchester op. 20“ von Edward Elgar, komponiert im Jahr 1892. Der Engländer Edward Elgar gilt als bedeutender Vertreter der musikalischen Spätromantik. Er wurde vielfach allzu eingeschränkt nur als Pomp and Circumstance-Komponist und Vertreter einer vergangenen imperialen Epoche gesehen. Doch zeigen seine besten Werke einen Tonsetzer von bemerkenswertem musikalischen Empfindungsreichtum.

Mit pathetischen Worten („Träumend hinweggleiten …“) suggerierte Werner Bürgle zum endgültigen Abschluss den Besuchern eine nostalgische Zugabe. Glenn Millers Moonlight-Serenade ergänzte den weiten Bogen an dargebotenen Abendmusiken unterschiedlichsten Charakters. Optisch und akustisch setzten die Akteure einen empathischen Schlusspunkt. Dazu trug vor allem der sehr gekonnt und engagiert eingebrachte Gesangspart von Isabella Toso bei. (ak)

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