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Lauingen

04.01.2019

Zwei Freundinnen feiern 180. Geburtstag

In Kochs Zimmer wurde es am Geburtstag ganz schön voll. Im Bild von links: Pfarrhelfer René Stiefenhofer, Kochs Neffe Franz Fischbacher, Betreuerin Hildegard Höret, stellvertretender Landrat Alfred Schneid, Johanna Koch, Lauingens Zweiter Dietmar Bulling, stellvertretende Pflegedienstleiterin Barbara Hartleitner und der Geschäftsführer der Elisabethenstiftung, Jörg Fröhlich.
Bild: Jakob Stadler

Johanna Koch, die in der Lauinger Elisabethenstiftung wohnt, ist am 4. Januar 100 Jahre alt geworden. Ihre Betreuerin feiert am gleichen Tag Geburtstag.

Aufgeregt war sie schon vor diesem Geburtstag, sagt Johanna Koch. „Wer wäre das nicht?“ In ihrem Zimmer in der Lauinger Elisabethenstiftung wurde Platz geschaffen. Die Mitarbeiter haben das Bett aus dem Raum geschoben und stattdessen einen hübsch gedeckten Tisch vorbereitet. Eng wird es trotzdem, als sich Vertreter von Stadt, Landkreis, Kirche und dem Pflegeheim einfinden, um Koch zu gratulieren.

Johanna Koch ist seit Freitag 100 Jahre alt. Das Alter allein ist eine Seltenheit. Noch ungewöhnlicher ist aber, dass es nicht der einzige runde Geburtstag ist, der in dieser Gruppe gefeiert wird. Hildegard Höret ist Kochs Betreuerin, ihre Familien haben früher im gleichen Haus in Haunsheim gewohnt. Und Höret hat ebenfalls am 4. Januar Geburtstag. Jahrgang 1939, sie wird 80 Jahre alt. Höret erklärt: „Meinen Geburtstag haben wir auf morgen verschoben.“ Der 4. Januar steht dieses Mal ganz im Zeichen der 100.

41 Jahre lebten die beiden Geburtstagskinder Tür an Tür

Dabei hatte noch jemand im Raum gerade Geburtstag. Kochs Neffe Franz Fischbacher ist am Donnerstag 74 Jahre alt geworden. Wegen seinem Vater – einer von Kochs drei mittlerweile verstorbenen Brüdern – ist sie damals in den Landkreis Dillingen gekommen. Aufgewachsen in Schlesien, wo sie ihren Mann Reinhold heiratete, führte sie der Weg zuerst in ein Dorf bei Braunschweig. 1954 folgte der Umzug nach Haunsheim, 1971 zog sie in das Haus, in dem auch Hörets Familie lebte. 41 Jahre haben die beiden Geburtstagskinder Tür an Tür gewohnt, sie sind Freundinnen geworden. Seit 15 Jahren ist Höret Betreuerin von Koch. „Da hat sie mich gefragt, ob ich ein bisschen was übernehmen kann.“ Sie konnte, und das änderte sich auch nicht, als Koch vor sieben Jahren in das Lauinger Pflegeheim ging. Höret fährt Koch etwa zum Arzt, zur Bank oder, wie an diesem Morgen, zum Friseur. Dafür sind die beiden Frauen extra früh aufgestanden, schließlich ist es ein besonderer Tag.

Kochs hatten nie Kinder, Oma und O
Johanna Koch ist am 4. Januar 100 Jahre alt geworden, ihre Betreuerin Hildegard Höret wurde am gleichen Tag 80.
Bild: Jakob Stadler
pa waren sie trotzdem

Kochs Ehemann Reinhold starb 1995. Das Ehepaar war zu Oma und Opa geworden, auch wenn die Kochs selbst nie Kinder hatten. Reinhold Koch hat Hörets Tochter Sonja das Radfahren beigebracht. „Und er musste sie immer anschubsen, auf der Schaukel“, erinnert sich Johanna Koch. Sonja heißt mit Nachnamen inzwischen Merkle und ist auch unter den Gratulanten in der Elisabethenstiftung. Lauingens Zweiter Bürgermeister Dietmar Bulling überreicht einen Geschenkkorb der Stadt, ebenso gratulieren stellvertretender Landrat Alfred Schneid und Pfarrhelfer René Stiefenhofer für die Kirchengemeinde. Barbara Hartleitner ist als stellvertretende Pflegedienstleiterin dabei, und auch der Geschäftsführer der Elisabethenstiftung, Jörg Fröhlich, ist gekommen. Der Gabentisch füllt sich mit Päckchen und Blumen. Im Stehen nimmt Koch die Glückwünsche an, erst nach knapp 15 Minuten setzt sie sich wieder. Kurz darauf rutscht die Hundertjährige von ihrem Sessel auf das Sofa daneben, um dem Leiter der Einrichtung ihren Platz anzubieten.

Unter dem Sofakissen ragt ein Buch hervor, Rätsel-Marathon XXL. Kreuzworträtsel sind ein Hobby der Jubilarin. Außerdem liest sie gerne. „Romane und was halt anfällt in der Welt.“ Von Montag bis Freitag geht Koch täglich zu Petra Seidl, einer Mitarbeiterin der Stiftung. Sie lesen die Zeitung und stricken Pullover, Schals oder Strümpfe. „Da freue ich mich immer, da habe ich eine schöne Arbeit“, erklärt Koch. Und der Trick, mit dem man 100 wird? Ein Patentrezept hat das Geburtstagskind nicht. Aber das Rätseln helfe. „Man muss den Kopf ein bisschen anstrengen, damit man nicht verblödet.“ Und sie hat auf sich geachtet. „Ich habe mir schon Mühe gegeben, dass man gesund bleibt.“ Ihr Lieblingsessen ist Gemüseeintopf.

Aus dem Fenster von Kochs Zimmer ist der Schlosshof der Elisabethenstiftung zu sehen. Im Sommer verbringt Koch viel Zeit auf dem Balkon und genießt den Ausblick. „Jetzt ist’s ja ein bisschen frisch“, sagt sie. „Aber es wird ja wieder Frühling werden.“ Sie muss es wissen. Denn es wird ihr 100. Frühling.

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