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Höchstädt

06.02.2018

Zwei Kandidaten, ein Rennen, auf in den Ring!

Bei der Podiumsdiskussion hatte nicht nur das Publikum Spaß. Im Bild von links der Redaktionsleiter der Donau-Zeitung, Berthold Veh und seine Kollegin Simone Bronnhuber, Alexander Kunz von hitradio rt.1 Nordschwaben sowie die beiden Bürgermeisterkandidaten für Höchstädt, Matthias Letzing (CSU) und Gerrit Maneth (FW). Über 600 Besucher kamen in die Nordschwabenhalle, die die Stadt für den Anlass wunderschön geschmückt hatte.
Bild: Karl Aumiller

Mit einem kleinen Schaukampf begann die Podiumsdiskussion der Donau-Zeitung in der Nordschwabenhalle. Matthias Letzing (CSU) und Gerrit Maneth (FW) hatten die Boxhandschuhe geschnürt. Es gab dennoch kein blaues Auge

Zwei Kandidaten stehen sich, bekleidet mit dicken Boxhandschuhen und Bademänteln, im Ring gegenüber. Es sind Matthias Letzing (CSU) und Gerrit Maneth (Freie Wähler), die beiden Bürgermeisterkandidaten von Höchstädt. Im Lauinger Rayong-Studio haben sie vor der Podiumsdiskussion am Montag einen Film gedreht, stellen sich und ihre Ziele vor. Das Video läutet einen Kampf ein, der in der Nordschwabenhalle genauso fair abläuft wie bei einem Boxkampf. Und keiner bekommt ein blaues Auge.

Doch wer von den Zuschauern dachte, so lässig wie im Film geht der Abend weiter, hatte sich geirrt. Die Punkterichter Simone Bronnhuber und Berthold Veh von der Donau-Zeitung sowie Ringrichter Alexander Kunz von hitradio rt.1 Nordschwaben steigen direkt mit der Frage nach der Höchstädter Umfahrung knallhart in den Abend ein. Beide Kandidaten sind für die Nordumfahrung, beide wollen eine schnelle Umsetzung. Während Letzing dafür klare Worte findet, appelliert Maneth an ein Miteinander. „Dillingen hat es vorgemacht, da hat auch keiner geklagt“ – und wettet eine Kiste Bier, dass auch der 53-jährige Redaktionsleiter der Donau-Zeitung, Berthold Veh, noch zu Lebzeiten über die Nordumfahrung düsen kann (ist auch kein Verlust für den erklärten Weintrinker Maneth).

Wie im Boxring geht es weiter, Schlag auf Schlag: Lösungen für den Verkehr, der aus Wertingen kommend die Höchstädter Innenstadt verstopft, werden gesucht. Es wird auch persönlich. „Hartes oder weiches Wasser“ fragt Veh die Kandidaten und die rund 600 Menschen im Publikum lachen. Doch Runde eins ist noch nicht vorbei: Es folgt die heikle Frage: „Hat das SSV-Projekt Zukunft noch eine Zukunft?“ Der Schlag landet nicht unter der Gürtellinie, beide Bürgermeisterkandidaten gehen souverän auf Distanz: Sie betonen, wie wichtig der Verein ist und dass noch viele Fragen zum neuen Sportheim offen sind. Da taucht ein Querschläger auf, Publikum und Punktrichter halten den Atem an, droht jetzt der Spielabbruch? Jakob Kehrle, Vorsitzender der SSV spricht ins Mikro, bekommt von Ringrichter Kunz aber nur zehn Sekunden Redezeit. Kehrle beschwert sich, die Stadt habe den Verein in der Vergangenheit hängenlassen.

Zwei Kandidaten, ein Rennen, auf in den Ring!

Die beiden Kontrahenten im Ring kontern, dass es um hohe Summen geht. Der Verweis von Matthias Letzing: „Wir brauchen auch eine Haushaltsdisziplin“ führt zum zweiten großen Applaus des Publikums. Ringrichter Alexander Kunz läutet eine erste Verschnaufpause ein und präsentiert Fragen, die die Donau-Zeitung im Vorfeld der Veranstaltung von Lesern bekommen hat. Runde zwei beginnt mit der Frage, wann die Dorfmitte von Deisenhofen saniert wird. Die Kontrahenten wollen Fördermittel abklopfen.

Die Zuschauer richten einige Fragen direkt an den 49-jährigen Letzing. Er ist zwar echter Sonderheimer und saß 17 Jahre lang im Höchstädter Stadtrat, soll aber dennoch erklären, was sein Job beim Bauernverband mit dem Bürgermeisteramt zu tun hat. Letzing ist Profi und verweist auf seine vielen beruflichen Kontakte, die er mit ins Rathaus nehmen will. Maneth wirft im Gegenzug seine Teamplayer-Fähigkeiten in den Ring.

Runde vier wird locker. Gefragt ob Anzug oder Kapuzenpulli, ringt Letzing sichtlich mit sich. Entscheidet sich dann aber für den Anzug, der Kapuzenpulli drücke beim Autofahren. „Dann ist der Gurt nicht richtig angelegt“, meint Ringrichter Kunz helfend. Kein Wunder, dass der CSU-Mann mit dem „Altherrenmotorrad“ noch nicht darauf gekommen ist.

„Horrorfilm oder Schnulze“ wird Gerrit Maneth gefragt – und das ganze Rathaus weiß, was Ehefrau Birgit bestätigt: Am liebsten Rosamunde Pilcher. „Ich bin mit Dirty Dancing aufgewachsen“, kommt es ergänzend aus der Maneth-Ecke.

Runde für Runde wird eingeläutet, doch zeichnet sich kein K.o. ab. Ob Flutpolder, die Unterstützung der Stadtteile, die marode Grund- und Mittelschule oder die Wiederbelebung des Schlosses – die Punkterichter werfen eine Frage nach der anderen in den Ring. Doch die Kandidaten bleiben sich oft einig. Ein weiteres Thema ist die Innenstadt. Beim Aufwärmen für den Boxkampf sind Berthold Veh die Leerstände in der Herzogin-Anna-Straße aufgefallen. Mit einem Leerstandmanagement, Veranstaltungen und Vollsortimentern etwa einem Drogerie- oder Haushaltswarenladen will Gerrit Maneth das Zentrum wiederbeleben und setzt dabei auch auf Ideen aus der Bevölkerung. Ein attraktives Stadtzentrum könnte dringend nötige Ärzte anziehen. Matthias Letzing will die enorme Verkehrsbelastung der Innenstadt eindämmen, Wohnraum schaffen und die Städtebauförderung nutzen. Dass die medizinische Versorgung in Höchstädt verbessert werden muss, auch da sind sich beide einig. So endet auch diese Runde mit einem Unentschieden. Um einen klaren Sieg herbeizuführen, bekommt zum Schluss jeder Kandidat noch mal die Möglichkeit zu sagen, warum er Bürgermeisterkandidat werden will.

Es ist kurz nach 21 Uhr, als der Kampf mit einem Unentschieden endet. Um den Kalorienverlust auszugleichen, gibt es für jeden Kandidaten eine Stange Schokolade. Da fällt dem Ringrichter die Lösung ein: „Wenn der eine (Letzing) mehr nachtaktiv ist, und der andere (Maneth) lieber früh anfängt – dann macht doch Jobsharing!“ "Kommentar Seite 31

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