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Kommunalpolitik

31.03.2014

Zwischen Jubel und Frust

Die Freude war grenzenlos: Stefan Lenz (ganz rechts), der am Sonntagabend mit 53,55 Prozent zum neuen Bürgermeister in Höchstädt gewählt wurde, wurde auf dem Höch-städter Marktplatz von über hundert Freunden und Parteimitgliedern mit tosendem Applaus empfangen.
Bild: Bronnhuber

Stefan Lenz ist ab 1. Mai Höchstädts Bürgermeister. Stadtrat gespalten

Von Simone Bronnhuber

Höchstädt Um kurz nach halb neun war Stefan Lenz gestern Morgen auf dem Weg von Blindheim nach Dillingen. Auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle bei der Sparkasse. Wie lange er diesen Weg noch fahren wird? „Nicht mehr lange. Ich habe noch ein paar Tage Urlaub, die ich mit meiner Frau verbringen werde, und dann war es das“, so der FW-Kandidat. Dann, ab 1. Mai, übernimmt er alle wichtigen Aufgaben der Stadt Höchstädt. Am Sonntagabend gewann er mit 53,55 Prozent die Stichwahl gegen die amtierende Rathauschefin Hildegard Wanner. Stefan Lenz wird Höchstädts neuer Bürgermeister. „Ich fühle mich sehr gut und bin erleichtert. Die Arbeit hat sich gelohnt“, so Lenz gestern.

Dass in den kommenden Wochen und Monaten noch viel mehr Arbeit auf ihn warten wird, sei ihm bewusst. „Ich werde mich mit Hildegard Wanner persönlich absprechen, wie wir die Übergabe gestalten. Ich habe aber noch keine Ahnung, wie das ablaufen wird.“ Auch überlege er sich – falls dies in den nächsten vier Wochen angeboten werde – ob er einen Crashkurs für neue Bürgermeister bei der Bayerischen Verwaltung belegen solle. Außerdem sei er sehr gut vernetzt, könne sich vorstellen, von anderen Bürgermeistern Tipps anzunehmen. „Aber generell bin ich davon überzeugt, dass man das Amt des Bürgermeisters nicht abkupfern kann. Das will ich auch nicht. Ich habe genügend eigene Ideen.“

Zwischen Jubel und Frust

Darauf freut sich auch Wolfgang Konle, SPD-/FDP-Fraktionssprecher im aktuellen Stadtrat: „Ich werde, glaube ich, künftig nicht mehr so viel sagen müssen. Ich habe Stefan Lenz auch gesagt, wie ich es mir vorstelle, und bin davon überzeugt, dass es klappt.“ Ob Konle, der am 16. März gegen Lenz und Wanner im ersten Wahlgang ausgeschieden ist, nun Chancen auf das Amt des Zweiten Bürgermeisters hat? „Ich habe zumindest entscheidend an den Rädchen gedreht, dass Lenz Bürgermeister wird und denke, dass ich es verdient hätte, mitzusprechen und mitzugestalten“, so Konle. Hans Mesch, der seit sechs Jahren Höchstädts Dritter Bürgermeister und Fraktionssprecher der Freien Wähler ist, sagte gestern, dass er sich über die mögliche Ämtervergabe noch keine Gedanken gemacht habe. „Man muss sich mit den einzelnen Gruppierungen zusammensetzen und gemeinsam reden. Da möchte ich jetzt auch nicht vorweg greifen“, so Mesch. In erster Linie freue er sich für und mit Stefan Lenz über die gewonnene Wahl und hoffe auf eine gute Zusammenarbeit im Stadtrat. „Wenn sich die ersten Wogen geglättet haben, hoffe ich, dass wir raus aus den schlechten und rein in die guten Schlagzeilen kommen“, sagte Hans Mesch. Diese Freude über den Bürgermeisterwechsel in Höchstädt teilten gestern nicht alle Fraktionen.

Rita Oberfrank, die nach 30 Jahren heuer nicht mehr zur Wahl stand, aber noch CSU-Sprecherin ist, sagte: „Unter Stefan Lenz möchte ich kein Stadtrat sein. Ich hätte mein Mandat abgegeben.“ Dass Hildegard Wanner abgewählt wurde, empfinde sie als klare Retourkutsche der SSV. „So geht man mit einer Frau, die so viel geleistet hat, nicht um. Das war Lug und Trug“, so Oberfrank weiter. Das Wahlergebnis sei eine Beleidigung für die Arbeit des gesamten Stadtrates und aller früheren Bürgermeister. Auch Johann Jall, Umland-Fraktionssprecher, hat eine klare Meinung: „Herr Lenz ist zum Bürgermeister der Stadt gewählt worden. Aber nicht der Stadtteile. Da differenziere ich deutlich.“ Wie berichtet, erhielt Hildegard Wanner in allen vier Stadtteilen mehr Stimmen als Lenz: Deisenhofen 78,33 Prozent, Oberglauheim 67,65 Prozent, Schwennenbach 62,35 Prozent und Sonderheim 62,96 Prozent. „Das heißt für mich, dass er von den Stadtteilen keinen Wählerauftrag bekommen hat“, so Jall. Er bezeichnete den Wahlkampf generell als „niveaulos“, Höchstädt sei „lächerlich“ gemacht worden. „Alles, was in den letzten sechs Jahren gemacht worden ist, wurde in den Dreck getreten“, so Jall.

Landrat Leo Schrell sagte zur Stichwahl: „Ich wünsche dem Stadtrat und dem neuen Bürgermeister eine gute Zusammenarbeit. Das ist wichtig für Höchstädts Zukunft.“ Für die Freien Wähler im Kreis freue er sich. Landtagsabgeordneter Georg Winter (CSU) sagte: „Hildegard Wanner kann nach zwölf Jahren als Bürgermeisterin eine hervorragende Bilanz ziehen. Derzeit laufen allein fünf große, öffentlich finanzierte Baustellen in Höchstädt. Dies unterstreicht die Tatsache, dass sie die kleinste Stadt im Landkreis Dillingen sichtbar nach vorne gebracht hat.“ Stefan Lenz gelte es Glückwunsch auszusprechen, aber: „Seine Kritik im Zusammenhang mit den 60 neuen Arbeitsplätzen für die Finanzaußenstelle wegen zu hoher Investitionen irritiert.“

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