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Bürgerversammlungen

10.03.2016

Zwischen Wunsch und Wut

Eindeutig: Deisenhofen will die Ortsumfahrung für Höchstädt nicht – zumindest definitiv nicht im Norden. Wer aktuell auf der B16 neu von Dillingen in Richtung Höchstädt fährt, kann diesen Schlepper mit dem aussagekräftigen Plakat auf der rechten Seite Höhe Deisenhofen erkennen.
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Eindeutig: Deisenhofen will die Ortsumfahrung für Höchstädt nicht – zumindest definitiv nicht im Norden. Wer aktuell auf der B16 neu von Dillingen in Richtung Höchstädt fährt, kann diesen Schlepper mit dem aussagekräftigen Plakat auf der rechten Seite Höhe Deisenhofen erkennen.
Bild: Simone Bronnhuber

Mörslingen und Deisenhofen wehren sich gegen die B16 im Norden. Die Bürger fühlen sich hintergangen. Die Höchstädter sehnen sich dagegen nach einer Entlastung

Da ist Gerhard Weinmann, der befürchtet, dass der Lärm auf seiner Terrasse so laut sein wird wie eine kleine Motorsäge. Oder Albert Vogt, der sich sicher ist, dass das Ortsbild verschandelt wird. Josef Götz kann dagegen nicht verstehen, warum es in seiner Gemeinde keinen Bürgerentscheid gibt. Alle sind sie am Dienstagabend im Sportheim in Mörslingen. Die Anlieger, die Nachbarn, die Landwirte, die Kommunalpolitiker oder neugierigen Bürger. Für 150 Leute hat Bürgermeister Klaus Friegel aufgestuhlt – in Gängen müssen Bierbänke und weitere Stühle untergebracht werden, es sind weit mehr als 200 Menschen da. Sie wollen wissen, was sie tun können. Denn eines ist klar: Die Mörslinger und Deisenhofener, die da sind, wollen die B16 neu Ortsumfahrung für Höchstädt nicht – zumindest auf keinen Fall die Variante im Norden. Doch genau die ist seit 2009 beschlossen, 2014 wurde der Vorentwurf vom Bundesministerium beschlossen, wie Martin Hatzelmann und Jens Ehmke vom Staatlichen Bauamt bei der Bürgerversammlung betonen.

Bis gestern wurden die Pläne öffentlich im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für alle ausgelegt, bis 23. März können Einwände bei der Regierung von Schwaben eingereicht werden – und nur wer das macht, hat später, wenn es den Planfeststellungsbeschluss gibt, das Recht zu klagen. Finningens Bürgermeister Klaus Friegel macht keinen Hehl daraus, dass die Gemeinde Einwände hat: „Höchstädt will die Umfahrung, und uns setzt man sie vor die Nase. Das ist schon eine Frechheit.“ Er sagt, dass er im Westen von Mörslingen keine Möglichkeiten mehr hätte zu erweitern. „Plötzlich sind wir auch betroffen, und in keinem Satz werden wir erwähnt“, so Friegel.

Das ist es auch, was Gabriele und Josef Götz stört: „Die wollen jetzt Grundstücke von Mörslingen. So war das nicht geplant.“ Dann hätte man auch die Mörslinger und Deisenhofener befragen müssen – „nicht nur die Höchstädter“. Genau das ist es, was Johann Jall als Verfahrensfehler bezeichnet. „Das ist nicht gesagt worden. Das ist rechtswidrig.“ Die Straße sei so geplant, dass sie kostengünstig ist, und das zulasten der Mörslinger und Deisenhofener. „Unsere Lebensqualität wird kaputt gemacht. Der Mensch spielt bei der Planung keine Rolle.“ Das sieht Bernhard Ahle ähnlich: „Den Höchstädtern ist es wurscht, wo die Straße verläuft. Ich sage deutlich: Beschissener hätte man sie nicht planen können.“ Armin Hopfenzitz ärgert sich, dass bei der Planung die beiden Orte um Höchstädt vergessen wurden, und er könne auch die Argumente für die Trasse im Norden nicht nachvollziehen. „Für mich sind die Zahlen stark künstlich geschönt“, so der Stadtrat.

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Gerhard Lindner findet, dass die Nordtrasse keinen Sinn macht – zu viel Flächenverbrauch, zu teuer, zu lang, zu viel Lärm … Lindner: „Man hatte 2009 eine andere Basis zur Entscheidung. Kosten haben sich beispielsweise verdoppelt und der Landverbrauch ist um 300 Prozent gestiegen.“ Walter Hitzler ist das Thema Lärmschutz ein Dorn im Auge. Er zweifelt die Zahlen, die das Staatliche Bauamt vorlegt, an. Er sagt zumindest: „Das sind nur Berechnungen und keine Messungen. Das ist doch nicht realistisch. Wir werden komplett verarscht.“ Außerdem könne er nicht nachvollziehen, warum die B16 teils durch vorläufig gesicherte HQ-100-Flächen geplant werden kann, ein kleiner Stadel aber verboten wird. Mehr als drei Dutzend Wortmeldungen gibt es am Dienstag in Mörslingen, die Befürchtungen, die die Bürger am meisten mit der geplanten Ortsumfahrung im Norden haben, sind schnell klar: hohe Lärmbelästigung, Verschandelung der Natur, Zerstörung guter, landwirtschaftlicher Böden, zu viel Landverbrauch oder eine ungünstige Höhenlage der neuen Straße.

In Höchstädt sind die Befürchtungen überschaubarer – zumindest sind gestern Abend nur knapp 70 Zuhörer zur Versammlung ins Pfarrheim St. Josef gekommen. Die Höchstädter wollen die Straße – so schnell wie möglich, wie Bürgermeister Stefan Lenz sagt. Die Vorstellung der Pläne von Martin Hatzelmann ähnelt der in Mörslingen, die Reaktionen der Bürger nicht. Da ist zum Beispiel Hildegard Nerlinger. Die Höchstädterin wohnt in der Dillinger Straße. Ihr Einwurf deshalb: „Wir wohnen direkt an der B16. Künftig sind alle um die 600 Meter weg.“ Jan Waschke will wissen, ob und wie viel jede zeitliche Verzögerung Mehrkosten verursacht und ob es möglich ist, dass Klagen wegen der Notwendigkeit der Straße erst gar nicht lange behandelt werden.

Stadtrat Günter Ballis sagt: „Der Landverbrauch ist zwar enorm, aber wir brauchen die B16. Außerdem glaube ich, dass man sich Fläche gespart hätte, hätte man die Straße gleich im Zuge von Dillingen gebaut.“ Fläche nein, Geld ja – pflichtet Hatzelmann bei. Der Dillinger Stefan Baur wünscht sich sogar die Möglichkeit, die Straße einmal vierspurig ausbauen zu können. „Der Flächenverbrauch sollte sich rentieren“, sagt er.

Doch auch bei der Versammlung in Höchstädt sind Bürger, die Befürchtungen haben. Einer von ihnen ist Johann Kaltenegger. Er sagt, dass die Planungen unvernünftig und schwachsinnig sind. Laut seinen Berechnungen müssten teils Umwege in Kauf genommen werden. „Das macht doch kein Mensch. Die fahren alle weiter durch Höchstädt. Kann man nicht ein wenig mitdenken?“, wettert er. Gerhard Lindner, der schon in Mörslingen war, befürchtet um die Naherholung an zwei Fischerseen in Deisenhofen. „Da geht die B16 direkt entlang. Gibt es dafür eine Lösung?“. Rudolf Kraus befürchtet dagegen, dass unüberlegte Ausleitungen stattfinden „und wir absaufen. Aber das interessiert euch nicht. Und Entschädigungen auch nicht.“

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