Startseite
Icon Pfeil nach unten
Dillingen
Icon Pfeil nach unten
Dillingen
Icon Pfeil nach unten

Härtsfeldbahn: Streit um Endpunkt in Dillingen prägte Bahngeschichte

Dillingen/Aalen

Der Endpunkt der Härtsfeldbahn war heftig umstritten

  • |
  • |
  • |
  • |
    In Dillingen ist dieses Bild des Personenzugs mit der Dampflok Nr. 12 des Vereins Härtsfeld-Museumsbahn Neresheim entstanden.
    In Dillingen ist dieses Bild des Personenzugs mit der Dampflok Nr. 12 des Vereins Härtsfeld-Museumsbahn Neresheim entstanden. Foto: Härtsfeld-Museumsbahnverein

    Vor 125 Jahren ist die Härtsfeldbahn in Aalen in Betrieb gegangen. Während am 26. Mai 1901 mit dem Bau des vorerst letzten Abschnitts zwischen Neresheim und der Landesgrenze zu Bayern bei Ballmertshofen auf württembergischer Seite begonnen wurde, waren die Städte Lauingen und Dillingen schon längst in einen erbitterten Streit um die Frage verwickelt, wo der Endpunkt in Bayern sein sollte – eben in Dillingen oder in Lauingen. Bis die Züge auf der Schmalspurbahn weiterfahren konnten, sollte es noch weitere fast fünf Jahre dauern.

    Endgültig beendet war der Streit mit der Einweihung am 4. April 1906. Lauingen musste sich damit abfinden, dass sein Bahnhof außerhalb der Stadt war, eineinhalb Kilometer vom Zentrum entfernt. Dillingen war der Endpunkt. In Lauingen wurde damals sogar gemutmaßt, der Stadt solle der Lebensfaden entzogen werden, um auf ihre Kosten Dillingen einen wirtschaftlichen Aufschwung zu ermöglichen.

    Am Bahnhof in Wittislingen wurde dieser sogenannte Fuchstriebwagen T 31 fotografiert.
    Am Bahnhof in Wittislingen wurde dieser sogenannte Fuchstriebwagen T 31 fotografiert. Foto: Härtsfeld-Museumsbahnverein

    Aus dem Jahr 1887 datiert die erste Idee zum Bau der Härtsfeldbahn, im Volksmund liebevoll „Schättere“ genannt. Denn damals entstanden rings um das Härtsfeld Eisenbahnen, in der Folge siedelten sich Industriebetriebe und Gewerbe an und es entstanden gut bezahlte Arbeitsplätze. Das Härtsfeld aber verarmte zusehends. Das Königreich Württemberg, finanziell ebenfalls nicht auf Rosen gebettet, fand schließlich nicht zuletzt wegen Drucks aus der Bevölkerung, eine Lösung: eine kostengünstige Schmalspurbahn, gebaut von der Westdeutschen Eisenbahn-Gesellschaft aus Köln. In Betrieb ging sie von Aalen über Neresheim bis Ballmertshofen an der Landesgrenze mit der feierlichen Einweihung am 30. Oktober 1901. Die benachbarten Gemeinden im Königreich Bayern hatten Berichten zufolge aber großes Interesse an einer Fortführung der Bahn, wie sich aus Unterlagen in den Stadtarchiven Dillingen und Lauingen ergibt.

    Komitee zur Erbauung einer Egautalbahn gebildet

    1891 bereits hatte demnach der damalige Dillinger Bürgermeister Michael Kügle in Neresheim nachgefragt, wie weit die Überlegungen zum Anschluss der Härtsfeldbahn an die Donautalbahn gediehen seien. Gleichzeitig bat er darum, dass Dillingen Anschlusspunkt werden sollte. Fünf Jahre später wurde dort ein Komitee „zur Erbauung einer Egauthalbahn“ gebildet und beschlossen, erneut in Neresheim einen Vorstoß zu unternehmen.

    Keine zwei Jahre nach der Einweihung, am 26. Juli 1908, entgleiste die Härtsfeldbahn von Dillingen kommend zwischen Zöschlingsweiler und Lauingen, weil Steine auf den Schienen lagen. Es gab zum Glück lediglich einige Leichtverletzte.
    Keine zwei Jahre nach der Einweihung, am 26. Juli 1908, entgleiste die Härtsfeldbahn von Dillingen kommend zwischen Zöschlingsweiler und Lauingen, weil Steine auf den Schienen lagen. Es gab zum Glück lediglich einige Leichtverletzte. Foto: Härtsfeld-Museumsbahnverein

    Diese Überlegungen kamen in Lauingen aber gar nicht gut an, weil sie als Gefahr für eigene Pläne wahrgenommen wurden, und führten zu einem erbitterten Wettstreit zwischen beiden Städten um den Anschluss an die Härtsfeldbahn. Der landwirtschaftliche Bezirksausschuss wandte sich mit der dringenden Bitte an München, Lauingen zum bayerischen Ausgangspunkt zu machen wegen der außergewöhnlichen Bedeutung der Stadt angesichts ihrer Schranne, der Viehmärkte und des damit zusammenhängenden Verkehrs. Außerdem verwies man auf die Steinbrüche in Steinweiler und den Kalkspat-Transport für die Papierfabrik. Der seinerzeitige Lauinger Bürgermeister Ranzenhofer wurde sogar beim Ministerpräsidenten in München vorstellig und machte unter anderem geltend, in seiner Stadt gebe es ein bedeutendes Warenhaus mit Kundschaft aus dem weiten Umkreis, während es in Dillingen kein einziges Geschäft gebe mit einer solch starken Frequenz. Der Dillinger Bürgermeister Dr. Degen ließ sich aber auch nicht lumpen und zählte aus seiner Sicht die Vorzüge seiner Stadt auf: Sitz der Bezirksstellen, große Lehr- und Studienanstalten, Militär und bedeutende Märkte.

    Eine zeitgenössische Darstellung zeigt den Bahnhof Dillingen aus westlicher Richtung.
    Eine zeitgenössische Darstellung zeigt den Bahnhof Dillingen aus westlicher Richtung. Foto: Stadtarchiv Dillingen

    1897 wandte sich das Dillinger Komitee an die Königlich Bayerische Generaldirektion mit der Bitte, eine Egautalbahn von Neresheim nach Dillingen zu bauen. Verbunden war sie mit einem Protest gegen eine, wie es hieß, künstliche Ablenkung des Verkehrs nach Lauingen. In der Nachbarstadt sah man die Dinge naturgemäß ganz anders. Dort hatte der Eisenbahnausschuss 1896 bereits die Königliche Generaldirektion der Staatsbahn in München um eine Bahnverbindung über Wittislingen über die Landesgrenze nach Dischingen gebeten.

    Die Generaldirektion in München entscheidet für Dillingen

    Der Streit endete im Oktober 1903 mit der Entscheidung der Generaldirektion in München, dass Dillingen Ausgangspunkt wird. Vereinbart wurde, dass die Bahn über Reistingen, Ziertheim, Wittislingen und Zöschingen in einer Schleife von Zöschlingsweiler in südlicher Richtung gegen Lauingen nach Dillingen führt. Der Lauinger Bahnhof musste jedoch 1,5 Kilometer vom Marktplatz entfernt gebaut werden, weil die Stadt Dillingen fürchtete, dass der „Lokalpersonenverkehr von Dillingen gezogen und nach Lauingen verschoben wird“.

    Die Lauinger stimmten zähneknirschend zu, obwohl dies bedeutete, dass Fahrgäste damit einen 30-minütigen Fußmarsch auf sich nehmen mussten, um in die Stadtmitte oder an ihren Arbeitsplatz zu kommen. Außerdem musste Lauingen seinen Protest gegen die Fortsetzung der Bahnlinie Augsburg – Weiden nach Dillingen zurückziehen und stattdessen die Nachbarstadt unterstützen und „für alle Zeiten auf eigene Initiativen für eine Konkurrenzbahn verzichten“. Damit war der Weg frei für den Weiterbau der Härtsfeldbahn. Er begann am 25. Mai 1905. Die feierliche Einweihung der Bahnstrecke zwischen Ballmertshofen und Dillingen wurde am 3. April 1906 begangen.

    Der Bahnhof Dillingen verfügte laut Werner Kuhn, Vorsitzender des Vereins Härtsfeld-Museumsbahn in Neresheim, über die größte Gleisanlage der Härtsfeldbahn. Dort gab es auch zwei Rollbock-Gruben wo die regelspurigen (1435 mm) Wagen auf die meterspurigen (1000 mm) Rollböcke der Härtsfeldbahn zum Weitertransport verladen wurden. Die Härtsfeldbahn war bei den Herstellern von meterspurigen Schienenfahrzeugen, also Diesellokomotiven und Triebwagen, sehr beliebt. Auf den geraden Streckenabschnitten ab Zöschlingsweiler konnten höhere Geschwindigkeiten gefahren werden.

    Die Fahrgastzahlen gingen immer weiter zurück

    Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre gingen die Fahrgastzahlen immer weiter zurück. Ab 1967 zahlten die Landkreise Aalen, Heidenheim und Dillingen sowie die Stadt Dillingen einen jährlichen Zuschuss von 50.000 bis 100.000 D-Mark zum Ausgleich des Defizits. 1971 verweigerte der Landkreis Heidenheim weitere Zuschüsse. Dies führte endgültig dazu, dass die Härtsfeldbahn Ende 1972 stillgelegt wurde.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren