Es rumpelt unterm Dach. Mal lauter, mal etwas leiser. Nichts, was Klaus Friegel stören würde. Ganz im Gegenteil. Direkt über dem Sitzungssaal in der Mörslinger Gemeindekanzlei toben Buben und Mädchen. Ein Raum, der zur Kindertagesstätte zählt. Denn den Platz braucht der Bürgermeister für die Kleinsten seiner Gemeinde - obwohl er 2024 die Erweiterung, den gigantischen Millionen-Anbau an die bestehende Einrichtung, offiziell einweihen konnte. „Das war eine Mega-Geschichte. Darauf bin ich am meisten stolz. Es ist einfach toll geworden und alle sind glücklich - Erzieherinnen, Kinder und Eltern“, sagt Friegel. Und Max, eines seiner sechs Enkelkinder.
Er besucht die Kita „Goldbergzwerge“ in Mörslingen ebenfalls, der Opa arbeitet direkt nebenan. Aber: „Wenn er mich sieht, will er mit heim“, sagt der Bürgermeister und lacht. In wenigen Tagen sieht der kleine Max den Opa weniger - zumindest während der Kita-Zeit. Zum 30. April gibt Klaus Friegel sein Amt als Erster Bürgermeister der Gemeinde Finningen nach 18 Jahren ab. Er ist bei der Wahl nicht mehr angetreten, die jetzige Gemeinderätin Kristina Reicherzer übernimmt ab 1. Mai. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es ist an der Zeit, aber ich war sehr, sehr gerne Bürgermeister“, so Friegel.
Klaus Friegel ist persönlich und direkt
18 Jahre hat er nicht nur die Geschicke der Gemeinde Finningen mit dem Ortsteil Mörslingen geleitet. Er hat die Kommune entwickelt. Dabei war ihm eines besonders wichtig: „Ich habe immer die persönlichen Gespräche gesucht. Nicht Briefe oder Mails verschickt. Vor allem heikle Sachen kläre ich von Auge zu Auge“, sagt der 62-Jährige und ergänzt: „Ich denke, ich kann auch jedem in der Gemeinde in die Augen schauen.“ Dabei setzt Friegel bei den allermeisten Menschen auf das „Du“ - ganz unkompliziert und direkt. So kennt man ihn, so schätzt man ihn. Nicht nur in Finningen und Mörslingen. Klaus Friegel verstellt sich nicht, nirgends. „Dann weiß man doch gleich, woran man ist. Man braucht einfach einen gesunden Menschenverstand.“
In seiner Amtszeit hat sich die Gemeinde Finningen verändert. Ein paar Beispiele: 125 Bauplätze und 17 Gewerbeparzellen sind entstanden, die Straße nach Bergheim wurde neu ausgebaut, in Mörslingen wurde eine neue Bauhofhalle gebaut, beide Feuerwehren haben neue Fahrzeuge erhalten, die Bösl-Brücke in Finningen ist für viel Geld hergerichtet worden, die Straßenbeleuchtungen sind komplett auf LED umgerüstet und schnelles Internet haben die Bürger und Bürgerinnen ebenfalls
Es geht weiter: Die Ortseingangstafeln wurden erneuert, beide Schulgebäude saniert und mit PV-Anlagen ausgestattet. Auch an allen drei Friedhöfen hat sich in Friegels Amtszeit so einiges getan. Die Friedhofsmauer mit Treppenaufgang in Unterfinningen, die komplette Umgestaltung in Oberfinningen zu einem Urnenfriedhof oder der Bau des Aussegnungsgebäudes in Unterfinningen waren aufwendige Projekte, die realisiert worden sind.
Bürgermeister in Finningen ist nicht ehrenamtlich
Und: Friegel hat vor sechs Jahren gemeinsam mit seinem Gremium beschlossen, dass ab da an das Bürgermeister-Amt in der Gemeinde Finningen nicht mehr ehrenamtlich ist, sondern hauptberuflich. „Das geht nicht anders, wenn man seiner Gemeinde gerecht werden will“, betont Friegel und weiter: „In welchem anderen Job hat man unter anderem ehrenamtlich die Verantwortung für 47 Mitarbeiter? Eben.“ Hinzu kommen drei gemeindliche Friedhöfe, zwei Feuerwehren, zwei Kitas, 40 Hektar Wald - die Liste ist noch länger. Friegel hat sich nie beklagt, ganz im Gegenteil. „Das gehört alles dazu, aber das muss man auch richtig machen.“
Wie der Kita-Anbau in Mörslingen. Dieses Projekt ist für Friegel in all den vielen Jahren das Highlight, wie er sagt. 90 Kinder lachen, toben, spielen und lernen derzeit in der Einrichtung. Es gibt eine Krippen- und drei Kindergartengruppen. „Da hat sich jeder Cent rentiert“, so Friegel, dem es wichtig ist, dafür auch dem Dillinger Architektenbüro ASCO zu danken. „Es ist einfach toll geworden.“
Die neue Bürgermeisterin bekommt ein Büro in Mörslingen
Apropos Geld: Der Bürgermeister übergibt an seine Nachfolgerin rein rechnerisch eine schuldenfreie Gemeinde - trotz aller Projekte in den vergangenen Jahren. Einzig die Schulden beim Schulverband Höchstädt stehen im Haushalt. „Mein Wunsch ist es, dass die Gemeinde gut weiterentwickelt wird und die Kosten im Rahmen gehalten werden“, sagt Klaus Friegel und richtet seinen Blick zu Kristina Reicherzer, die an diesem Vormittag ebenfalls in der Mörslinger Gemeindekanzlei sitzt - Übergabe. Friegel ist es wichtig, dass er „sauber und gut“ übergibt. Alles, was die neue Rathauschefin wissen muss, hat er geordnet. Digital und analog. Fein säuberlich, auf einen Blick oder einen Mausklick ist alles da. Von uralten Bauanträgen bis hin zum aktuellen Baumkataster. Und nicht nur das. In den nächsten Wochen findet in Mörslingen in der Kanzlei noch ein kleiner Umbau statt. Ein Büro für die Bürgermeisterin wird gebaut. „Ich habe das jetzt daheim immer gemacht, aber so ist das schon richtig“, sagt der 62-Jährige lachend und ergänzt: „Das ist vielleicht das Einzige, was ich in all den Jahren anders machen würde. Ich würde mir mehr Auszeiten nehmen.“
Die nimmt er sich jetzt. Aber erst ab Mai. Sein letzter offizieller Termin als Bürgermeister ist am 30. April, das Maibaumaufstellen im Ort. Dann ist Schluss, langweilig wird es ihm aber sicher nicht. Friegel ist wieder in den Kreistag gewählt worden, ist in vielen Vereinen aktiv und auch Vorsitzender. „Und daheim wartet genug Arbeit. Das ganze Haus muss hergerichtet werden“, so Friegel, und: „Meine sechs Enkelkinder halten mich auf Trab.“ Und der kleine Max freut sich bestimmt auch, wenn der Opa jetzt noch mehr Zeit hat.
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