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Landkreis Dillingen: Einsatzleiter tauschen sich zum Hochwassereinsatz im Kreis Dillingen aus

Landkreis Dillingen

Einsatzleiter tauschen sich zum Hochwassereinsatz im Kreis Dillingen aus

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    Im Keller des Dillinger Landratsamts liefen während des Hochwassers alle Drähte zusammen. Die Ereignisse wurden nun noch einmal rekapituliert.
    Im Keller des Dillinger Landratsamts liefen während des Hochwassers alle Drähte zusammen. Die Ereignisse wurden nun noch einmal rekapituliert. Foto: Berthold Veh (Archivbild)

    Das Hochwasser im Juni beschäftigt noch immer viele im Landkreis Dillingen. Sei es, weil sie sehen müssen, wie sie ihre Schäden an Haus und Einrichtung reparieren können. Sei es, weil sie im Katastrophenfall die Hilfe organisieren mussten. Um die Erfahrungen aus den Hochwassertagen auszutauschen, trafen sich die gemeindlichen Einsatzleitungen unter Führung der Bürgermeister und die Feuerwehr-Koordinierungsstellen kürzlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Dillinger Landratsamt. Welche Lehren haben sie aus dem Hochwasser gezogen?

    Die Aufarbeitung des Hochwasserereignisses ist im Landkreis Dillingen im vollen Gange. Beim Austausch im Landratsamt gab es einen Überblick über die Arbeit der Führungsgruppe-Katastrophenschutz, so eine Pressemitteilung. Anschließend haben die Bürgermeister und Vertreter der Feuerwehr-Koordinierungsstellen im Landkreis ihre Einsatzschwerpunkte, Probleme und Erfahrungen vorgestellt. Der Einsatzleiter im Bereich Zusamtal und Kreisbrandmeister Thomas Schuhwerk sagt auf Nachfrage unserer Redaktion: „Wir haben darüber gesprochen, wer was in seinem Bereich erlebt hat.“

    Man habe allerdings noch keine „großen Themen gesetzt“, wenn es um Konsequenzen aus dem Hochwasser ging. „Das hätte den Rahmen gesprengt.“ Ein weiterer Termin soll mit den Kräften der Hilfsorganisationen kommen, zudem werde es auf größerer als auch auf kleinerer Ebene eine Aufarbeitung geben.

    Risikokarten zu Überflutungen waren „große Hilfe“

    Sowohl Schuhwerk als auch das Landratsamt betonen, dass die Zusammenarbeit über alle Bereiche hinweg gut funktioniert habe. Bevor THW und Feuerwehr zu Einsätzen ausrückten, war eine gute Vorbereitung nötig. Thomas Strehler, Abteilungsleiter für öffentliche Sicherheit und Ordnung, hat das Lagezentrum am Landratsamt koordiniert. „Die Prognosen des Hochwassernachrichtendienstes, ob nun durch persönlichen Kontakt mit dem Wasserwirtschaftsamt, haben schon immer bei der Ergreifung von Schutzmaßnahmen geholfen, wobei diese Informationen nicht die Beobachtung der Wasserstände vor Ort ersetzen.“ Wichtig seien auch die Risikokarten gewesen, die Strehler als „große Hilfe bei der Einschätzung möglicher Überflutungsflächen“ bezeichnet.

    Wo wird das Wasser fließen und wie hoch wird es stehen? Diese Fragen behalten oftmals ihr Fragezeichen. Zwar gibt es Berechnungen dazu, doch das Hochwasser im Jahr 2024 hielt mancherorts doch ein paar Überraschungen bereit. „Man kann das Wasser nicht lenken“, sagt Einsatzleiter Schuhwerk. Gleichzeitig könne man nicht voraussehen, ob man sich nun die nächsten Jahrzehnte sicher fühlen könne oder sich gedanklich wieder aufs nächste Hochwasser einstellen müsse. Derzeit arbeiten Gemeinden die Hochwasserereignisse auf und schreiben ihre Hochwassereinsatzpläne fort, sagt Strehler und ergänzt: „Solche Einsätze liefern immer wertvolle Erkenntnisse, an welchen ‚Schrauben des Systems‘ nachjustiert werden kann, um noch besser werden zu können.“ Bemängelt wurde bei dem Treffen der „massive Katastrophentourismus“. Betretungsverbote für gewisse Bereiche wie an durchweichten Dämmen oder die Sperrungen von Straßen wegen Überflutung wurden oft ignoriert, heißt es in der Pressemitteilung.

    Alle wurden rechtzeitig vor dem Hochwasser gewarnt

    Eine Herausforderung für Behörden und Einsatzkräfte ist dabei die Warnung der Betroffenen. Laut Thomas Schuhwerk habe man in Wertingen vor allen Dingen auf die Instragram-Seiten von Stadt und Feuerwehren gesetzt und sei zudem mit Lautsprecherwagen durch die Straßen gefahren. Der sogenannte Cell-Broadcast, eine Warnung, die als SMS auf Mobiltelefone geschickt werden kann, sei nicht zum Einsatz gekommen. Bis die Anweisung, diesen auszulösen, an der zuständigen Stelle angekommen wäre, hätte es nach Einschätzung von Schuhwerk zu lang gedauert. Gewarnt waren auch so alle rechtzeitig.

    In Wertingen sei zudem die kritische Infrastruktur so gelegen, dass sie nicht vom Hochwasser betroffen sei. Einzig der Telekom-Funkmast sei ausgefallen. Das habe aber daran gelegen, dass Wasser in einen Revisionsschacht gelangt sei, berichtet Schuhwerk. „Diesen Schacht kannten wir gar nicht.“ Das Ergebnis: Nicht nur das Rathaus, sondern auch einige Haushalte waren ohne Internet. „Sowas kann immer passieren. Sei es, wegen eines Hochwassers oder wegen Sturm“, sagt Schuhwerk. „Da sind die Gemeinden gefragt, Maßnahmen zu treffen, um sich zu schützen.“

    Kabinett spricht über Riedstrom-Entschädigung, hält sich aber bedeckt

    Ein Teil der Aufarbeitung ist die Frage nach der Entschädigung. Nach Informationen unserer Redaktion war die von den Landwirten geforderte Riedstrom-Entschädigung am Dienstag Thema im Kabinett. Es ging dort zunächst erst einmal um eine Bestandserhebung. Dann muss wohl noch geklärt werden, welchen Anteil der Entschädigung der Bund übernimmt und wie viel am Freistaat hängen bleibt. In der Riedstrom-Vereinbarung erhielten die Landwirte 2016 die politische Zusage, auch bei künftigen Hochwasser-Ereignissen entsprechende Entschädigungen „in Aussicht zu stellen“. Wie die Aussichten sind, wollte das bayerische Landwirtschaftsministerium am Mittwoch nicht sagen. Die Inhalte in der Ministerrunde seien grundsätzlich nicht öffentlich. Die Landwirte müssen sich also wohl noch weiter gedulden.

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