Seit vergangenem Freitag hat der Landkreis Dillingen einen vom Kreistag verabschiedeten Haushaltsplan für das laufende Jahr. Nun muss die Aufsichtsbehörde, also die Regierung von Schwaben, den Plan nochmal prüfen. Ein Selbstläufer wird die Genehmigung nicht sein. Schließlich hat der Landkreis mit Ach und Krach seinen Haushalt aufgestellt. Gemeinden müssen mehr abführen, Projekte wurden verschoben, Geld aus den Rücklagen entnommen und das Sondervermögen genutzt. Das Murren der Gemeinden über die höhere Abgabe war deutlich zu hören. Es gebe kein „lex Dillingen“ hatte Landrat Markus Müller den Kreisräten verkündet. Andere Landkreise hätten ähnliche Probleme, hätten die Abgaben der Kommunen sogar deutlicher erhöht. Wie steht der Kreis Dillingen im Vergleich da? Ein Überblick.
Der Günzburger Landrat Hans Reichhart (CSU) sagte bei der Verabschiedung des Haushaltes im März, dass man an die Grenze dessen gegangen sei, was man den Kommunen abverlangen könne. Im Vergleich zum Vorjahr hat der Landkreis die Umlage von 52,9 auf 54,4 Prozent angehoben. Damit ist der Landkreis Spitzenreiter in Schwaben. Im Kreis Dillingen steht man nach der Anhebung nun auf 50,75 Prozent. Große Sprünge kann der Landkreis Günzburg nicht machen. Er investiert einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Im Kreis Günzburg hat man mit Defiziten der Kreiskliniken zu kämpfen. Rund 15 Millionen Euro waren 2025 als Defizit erwartet worden. Inzwischen geht man von einem Minus von 12,8 bis 13 Millionen Euro aus. Rote Zahlen bei der Klinik sind also auch in Günzburg ein Thema. Zudem steuert der Nachbarlandkreis bis Ende 2026 auf einen Schuldenberg von knapp 60 Millionen Euro zu. Im Kreis Dillingen belaufen sich die Schulden 2026 auf 42,54 Millionen Euro.
Besonders in Deutschland: Landkreis Donau-Ries bleibt auch 2026 schuldenfrei
Ganz anders sieht es im Donau-Ries aus. Die Nachbarn aus dem Norden bleiben auch 2026 schuldenfrei. Damit ist der Landkreis mit rund 138.000 Einwohnern eher eine Besonderheit in Deutschland. Der Landkreis profitiert von einem sehr guten Gewerbesteuerjahr 2024, vor allem in Donauwörth. Dort sitzt mit Airbus Helicopters ein Weltkonzern. Im Kreis Donau-Ries stieg die Umlagekraft 2026 um 23,1 Millionen Euro. Die Kreisumlage blieb auch bei 50 Prozent und damit stabil. Zum Vergleich: Im Kreis Dillingen waren es nur rund zwei Millionen Euro.
Eine fast noch größere Aufgabe als im Kreis Dillingen hatte man im Kreis Augsburg zu regeln. Dort betrug das Haushaltsloch, also die nicht durch Einnahmen gedeckten Kosten, beim ersten Entwurf noch schlappe 28 Millionen Euro. Auch dort wurde viel hin- und hergerechnet, ein Einstellungsstopp verhängt. Dadurch könne es auch sein, dass Bürger sich auf längere Wartezeiten einstellen müssten, hatte Landrat Martin Sailer (CSU) angekündigt. Auch die Umlage wurde um 1,5 Prozentpunkte auf 50,5 Prozent erhöht.
Was ist die Kreisumlage und was wird damit gemacht?
Was ist die Kreisumlage? Die ist ein bestimmter Prozentsatz, den die Gemeinden anhand ihrer Umlagekraft entrichten müssen. Die Umlagekraft berechnet sich anhand der Steuereinnahmen, die die Gemeinde zu einem bestimmten Jahr verzeichnen konnte. Weil diese Zahlen nicht tagesaktuell vorliegen, wird für die Berechnung der diesjährigen Umlagekraft das Steueraufkommen von 2024 herangezogen.
Weiterer Indikator für die Umlagekraft ist die Unterstützung für finanzschwache Kommunen, die der Freistaat im Jahr 2025 gezahlt hat (Schlüsselzuweisungen). Wer also 2024 hohe Steuereinnahmen hatte, etwa durch die gute Auftragslage eines Unternehmens, muss damit rechnen, dass 2026 mehr Geld an den Landkreis zu zahlen ist. Mit der beschlossenen Erhöhung der Umlage um einen Prozentpunkt im Kreis Dillingen erhöht sich die Abgabe also nochmal weiter. Ein großer Teil des Geldes fließt weiter an den Bezirk. Der Rest ist dafür da, was über die Aufgabenbereiche der Kommunen hinausgeht. Straßenbau, weiterführende Schulen, der ÖPNV gehören zu den zahlreichen Themenfeldern.
Dillingen zahlt mit 14,6 Millionen Euro am meisten an den Landkreis
Rund 74,9 Millionen Euro zahlen die Gemeinden im Kreis Dillingen in diesem Jahr an den Landkreis. 2025 waren es noch 72,4 Millionen gewesen. Die größten „Zahler“ in diesem Jahr sind naturgemäß die Landkreis-Städte: Auf die Stadt Dillingen entfallen rund 14,6 Millionen, auf Wertingen rund 9,4 Millionen Euro. Doch auch die kleineren Gemeinden müssen einen nicht unerheblichen Teil ihrer Einnahmen abgeben: Bissingen knapp 3,5 und Syrgenstein rund 2,4 Millionen Euro.
Bundesweit kämpfen Kommunen mit steigenden Ausgaben. Wie der Landkreistag berechnet hat, sind die kommunalen Ausgaben beispielsweise für soziale Leistungen zwischen 2021 und 2025 um 40 Prozent angestiegen. Gleichzeitig seien die kommunalen Steuereinnahmen im gleichen Zeitraum „nur“ um 18 Prozent gewachsen.
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