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Landkreis Dillingen
12.01.2022

Wie gut ist der Landkreis Dillingen auf Omikron vorbereitet?

Die Corona-Variante Omikron breitet sich immer weiter aus. Was, wenn reihenweise Mitarbeitende von Behörden, Krankenhäusern, Polizei, Feuerwehr, Entsorgungs- und Versorgungsbetrieben ausfielen?
Foto: Bastian Hörmann (Symbolbild)

Die Corona-Variante Omikron ist auf dem Vormarsch - auch im Landkreis Dillingen. Wie sich systemrelevante Betriebe darauf einstellen.

Die Corona-Variante Omikron übernimmt langsam das Kommando im Land. Wie läuft die Versorgung im Kreis Dillingen weiter, wenn aufgrund des wohl stark erhöhten Ansteckungsgrades der Mutation zu viele Mitarbeitende in Quarantäne oder infiziert sind? Wir haben bei Strom- und Energieversorgung, Ämtern, Behörden, der Sozialstation und der Feuerwehr nachgefragt.

Ingo Butters, Sprecher des Stromversorgers Lechwerke (LEW) sagt, es gebe beim Stromversorger bereits seit Beginn der Pandemie einen Krisenstab. Dieser führe Risikobeurteilungen durch und ordne Präventionsmaßnahmen an. „Oberstes Ziel ist der sichere Betrieb unserer Infrastruktur bei gleichzeitiger Minimierung der Infektionsrisiken für unsere Mitarbeiter und die Gesellschaft allgemein“, erklärt Butters.

Für Mitarbeiter in kritischen Bereichen gelten besondere Vorkehrungen: Bestimmte Systeme stellen sicher, dass die einzelnen Schichten nicht miteinander in Kontakt kommen. Ferner würden zusätzliche Standorte der Leitstellen für Stromnetz und Wasserkraftwerke bereitgehalten, sodass für die Leitstellen jederzeit in einen „Zwei-Standort-Betrieb“ gewechselt werden könnte.

Das Wertinger Seniorenheim wurde besonders hart getroffen

Im Seniorenheim St. Klara in Wertingen wird in drei Schichten gearbeitet. „Wir können niemanden ins Homeoffice schicken“, erläutert Leiterin Pauline Wiesenmayer. 2020 hatte es einen großen Corona-Ausbruch in der Einrichtung gegeben, 2021 trotz der strengen Vorkehrungen noch mal. Und das, obwohl alles getan werde, um dies zu vermeiden. „Es kommt bei uns niemand ins Seniorenheim herein, der nicht vor Ort getestet ist – egal ob geimpft oder nicht geimpft“, betont Wiesenmayer.

Ungeimpfte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssten sich jeden Tag testen, geimpfte jeden zweiten Tag. An Angehörige werde appelliert, Seniorinnen und Senioren nicht mit nach Hause zu nehmen. Das Wertinger Seniorenheim wurde durch die Pandemie in der Region am heftigsten getroffen. Dort starben bisher 35 Menschen an oder mit Corona.

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Wie läuft der Betrieb einer Sozialstation überhaupt jetzt ab?

„Es geht ins Dramatische“, sagt Philip Schaal von der Ökumenischen Sozialstation Dillingen. Knapp 100 Menschen beschäftigt der ambulante Pflegedienst. „Ich bin nur damit beschäftigt, Köpfe zu zählen.“ Für manche Regionen im Kreis gebe es nur eine Vollzeitkraft, wenn die ausfiele, sei die Lage schlimm. „Wir dürften eigentlich gar keine Quarantänefälle haben“, sagt Schaal. Eine verkürzte Quarantänezeit könne helfen, doch die Frage stelle sich auch den Pflegekräften, ob man dann dennoch weiterarbeiten könne, wenn die Angst mitfährt, jemanden anstecken zu können.

Die beschlossene Impfpflicht für Pflegeberufe erhöht laut Schaal den Druck. „Die Zahl derer, die dann kündigen wollen ist geringer als befürchtet, aber derartige Äußerungen hat es durchaus gegeben.“ Im schlimmsten Fall müssten Patienten abgelehnt und Touren gekürzt werden. Die Arbeitsbelastung für die Belegschaft stiege damit weiter. „Die ambulante Versorgung wird leider oft vergessen“, beklagt Schaal.

Die Krankenhäuser in Dillingen und Wertingen sehen sich gut aufgestellt

Die Kreiskliniken in Dillingen und Wertingen sind laut Betriebsdirektorin Sonja Greschner für die Omikron-Welle – mit der fest gerechnet wird – gut aufgestellt. Planbare Operationen werden nach wie vor nicht durchgeführt. Mit Pragmatismus habe man einen Stufenplan erstellt und mit dem Pflegepersonal verschiedene Maßnahmen getroffen, die laufend auf die neuen Anordnungen angepasst werden.

Obwohl die Corona-Pandemie für alle Bereiche beider Häuser sehr fordernd sei, gab es bislang deswegen keine Kündigung, sagt Sonja Greschner. „Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen für die Patienten und Patientinnen da sein. Dafür sind wir sehr, sehr dankbar.“ Die Impfquote beim Personal liege bei etwa 85 Prozent. Greschner befürwortet eine allgemeine Impfpflicht. „Aber die Gefahr ist, dass wir damit wertvolle Kräfte verlieren. Deswegen wollen wir weiter über das Thema reden und von der Impfung überzeugen.“

Wird der Müll im Kreis Dillingen weiter pünktlich abgeholt?

Der Abfallwirtschaftsverband Nordschwaben (AWV) hat es, wie Werkleiter Gerhard Wiedemann erläutert, mit der generellen Maskenpflicht auf allen Recyclinghöfen, Deponien und in der Verwaltung geschafft, dass seit Ausbruch der Pandemie „nur Einzelfälle in der Belegschaft auftraten und damit die Entsorgungssicherheit immer gewährleistet werden konnte“. Weitere Maßnahmen im Hinblick auf Omikron ist nun eine tägliche Testpflicht für nicht, oder nicht vollständig geimpfte Mitarbeiter, „wobei die AWV-Belegschaft zu über 90 Prozent vollständig geimpft ist“, wie der Leiter weiter erklärt.

Auch oben im Maßnahmenkatalog steht die Bildung von Personalgruppen, sodass im Quarantänefall nur einzelne Anlagen, aber nicht der gesamte Betrieb geschlossen werden muss sowie die Einrichtung von Homeoffice-Arbeitsplätzen für die Mitarbeitenden der Verwaltung. Es gebe auch Absprachen mit den privaten Entsorgern, dass im Quarantänefall die Leerung der Rest- und Biotonne Vorrang habe. Zudem habe der AWV für jede Abfallart Entsorgungsverträge mit mehreren Anlagen, sodass bei Ausfall einer Anlage andere einspringen können.

Auch die VG Wertingen rechnet mit der Omikron-Welle

Auch bei der Verwaltungsgemeinschaft Wertingen hat Geschäftsleiter Dieter Nägele die drohende Omikron-Welle im Blick. Wo es möglich ist, gebe es einen Zwei-Schicht-Betrieb. Da sei dann etwa in der Bauverwaltung eine Gruppe im Büro, die andere im Homeoffice, so Nägele. „Wir haben jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin in Bereichen, wo es möglich ist, Homeoffice angeboten“, informiert der Geschäftsleiter. Doch im Bauhof, bei den Kindergärten und im Seniorenzentrum sei das nicht möglich – auch nicht bei der Einarbeitung neuer Mitarbeiter.

So läuft es im Dillinger Landratsamt

Zur Sicherstellung des Dienstbetriebs setzt das Dillinger Landratsamt auf das Einhalten der gängigen Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen, die Corona-Schutzimpfung und die Möglichkeit des Homeoffice.

Seit Beginn der Pandemie gelten in der Behörde für Besucherinnen, Besucher und Mitarbeitende Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen. Kontakte wurden durch Parteiverkehr mit vorheriger Terminvereinbarung, Homeoffice und Videokonferenzen reduziert. Außerdem gilt das konsequente Tragen einer FFP2-Maske im Parteiverkehr und beim Verlassen des eigenen Arbeitsplatzes. Zudem gilt seit geraumer Zeit für den Besuch des Landratsamtes die „3G-Regel“. Diese Maßnahmen werden laut Landratsamt wöchentlich hinsichtlich der aktuellen Lage bewertet und bei Bedarf entsprechend angepasst, um Besuchern und Mitarbeitenden den bestmöglichen Schutz zu bieten.

Im Dillinger Gesundheitsamt gelten strengere Regeln

Speziellere Regelungen gelten innerhalb des Gesundheitsamtes. Dort ist zum Beispiel auch ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz am eigenen Arbeitsplatz zu tragen. Zur frühzeitigen Erkennung von Infektionen wird das Personal des Testzentrums sowie Personal, das an Untersuchungen und Beratungen beteiligt ist, zweimal wöchentlich unabhängig vom Impfstatus getestet. Zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit arbeiten im Gesundheitsamt die Mitarbeiter vorwiegend in Einzelbüros und im Homeoffice. Das Personal der Contact Tracing Teams ist in feste Gruppen eingeteilt.

Mehr als 90 Prozent der Mitarbeitenden seien mindestens zweimal geimpft oder genesen. Besonders im Gesundheitsamt wird um einen vollständigen Impfschutz geworben.

Bei der Dillinger Polizei hat sich etwas geändert

Bei einem größeren Ausbruchsgeschehen würde im Bedarfsfall durch die Unterstützung anderer Fachbereiche ein Notbetrieb im betroffenen Bereich sichergestellt werden. Im Gesundheitsamt könnte im Bedarfsfall Personal anderer Staatsbehörden zur Aushilfe angefordert oder die Unterstützung der Bundeswehr beantragt werden.

Bei der Polizei in Dillingen war die Schichteinteilung früher flexibel: Jede Polizistin und jeder Polizist konnte also selbst eintragen, wann er oder sie arbeiten will. Wie die Sprecherin Katharina von Rönn erklärt, geht das nicht mehr. Alle Kolleginnen und Kollegen würden wieder in festen Schichten in festen Gruppen arbeiten, um das Infektionsrisiko zu reduzieren.

Wie bei anderen Arbeitsstellen auch müssen sich Ungeimpfte jeden Tag testen. Das treffe aber ohnehin nur einen kleinen Prozentsatz. Außerdem wird auf die Hygieneregeln geachtet, etwa Maskenpflicht im Einsatzwagen und Kontaktbeschränkungen. Das gilt auch bei Einsätzen. Omikron hat an der Vorgehensweise nicht viel verändert. „Wir können uns nicht zurückziehen und sagen, wir sitzen das aus“, so von Rönn.

Wie hoch ist die Impfquote bei den Feuerwehren im Kreis Dillingen?

Ganz ähnlich geht es den Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis. Kreisbrandrat Frank Schmidt glaubt, dass die Impfquote bei den Feuerwehrleuten relativ hoch ist, immerhin habe es auch relativ früh entsprechende Angebote gegeben.

Zahlen gibt es dazu aber nicht.

Schmidt sieht ein anderes Problem: Wer sich infiziert, muss in Quarantäne, auch wenn er geboostert ist. Und wer in Quarantäne ist, kann nicht zum Einsatz kommen. Dass das die Einsatzbereitschaft im Kreis einschränken könnte, sagt Schmidt aber nicht. Er vergleicht die Situation mit Silvester: Auch dann könne man nicht sicher sein, dass alle Kameradinnen und Kameraden einsatzbereit sind. Im Notfall rückten aber Feuerwehren aus den Nachbargemeinden an.

Um die Auswirkungen der Omikron-Variante auf die kritische Infrastruktur zu reduzieren, hat das Innenministerium laut Schmidt Empfehlungen an die Feuerwehren ausgegeben: Übungen sollen nur noch stattfinden, wenn sie wirklich nötig sind. In größeren Feuerwehren gebe es zudem Schichtpläne, in die sich die Mitglieder einteilen.

Fällt eine Schicht aus, wäre dies kompensierbar. Und es gelte die Regel, anfangs mit möglichst wenig Personal zum Einsatz zu fahren und lieber nach zu alarmieren, um das Infektionsrisiko zu verringern. Diese Empfehlungen gab es schon vor Omikron, sie wurden jetzt aber noch einmal betont. Solange die Welle „nicht riesengroß wird“, geht Schmidt jedenfalls davon aus, dass Omikron die Feuerwehr nicht lahmlegt.

Voraussetzung sei aber, dass alle vernünftig bleiben. Der Kreisbrandrat ist zuversichtlich: „Die meisten Feuerwehrleute haben im Hinterkopf, dass sie Teil des Sicherheitsapparats sind.“

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18.01.2022

Kreisbrandrat Frank Schmidt glaubt also dass die Impfquote bei den Feuerwehrleuten relativ hoch ist. Ich glaube mittlerweile niemandem gar nichts, glaube ich.

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