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So hat die Kliniken-Insolvenz denn Landkreis Dillingen beschäftigt

Zur Demonstration in Wertingen nach der Klinik-Insolvenz kamen Ende März etwa 2000 Menschen.
Foto: Berthold Veh
Dillingen/Wertingen

So hat die Kliniken-Insolvenz den Kreis Dillingen beschäftigt

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    Als der damals schon Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Februar 2025 Dillingen besuchte, wollte er zwar die Politik seines Nachfolgers, und inzwischen ebenfalls Ex-Gesundheitsministers, Karl Lauterbach (SPD) nicht kommentieren, ließ sich aber zu einem Satz hinreißen: „Nicht jeder kann künftig alles machen.“ Diese Erkenntnis war zwar weder neu noch innovativ, der Landkreis Dillingen könnte aber als Paradebeispiel dafür herhalten, wie sich die Krankenhauslandschaft in Deutschland verändert. Und das im Eiltempo.

    Gut einen Monat nach dem Spahn-Besuch erlebt der Landkreis Dillingen in Sachen Krankenhäusern eine nie dagewesene Zäsur: Am 14. März werden Kreisräte und die Belegschaft der Kreiskliniken darüber informiert, dass die Kliniken auf eine Zahlungsunfähigkeit zuschlittern. Die Konsequenz: Eine Insolvenz im Schutzschirmverfahren, auch Planinsolvenz genannt. Dabei bleibt der Träger der Kliniken, der Landkreis Dillingen, Herr im eigenen Hause, um die Kliniken selbst umstrukturieren zu können. Landrat Markus Müller bezeichnete die Sitzung als „schwierigste“ seit seinem Amtsantritt im Jahr 2022. „Hätten wir das Verfahren nicht so durchgeführt, wären die Kliniken zerschlagen worden“, sagte Müller im Herbst im Interview mit unserer Redaktion. Um das zu vermeiden und beide Häuser zu halten, begab sich der Landkreis mit Billigung des Insolvenzgerichts und unterstützt von einer Rechtsanwaltskanzlei in die Insolvenz unter Eigenverwaltung.

    Der Dillinger Kreistag musste im März zur Kenntnis nehmen, dass die Kliniken einen Insolvenzantrag stellen müssen.
    Der Dillinger Kreistag musste im März zur Kenntnis nehmen, dass die Kliniken einen Insolvenzantrag stellen müssen. Foto: Christina Brummer (Archivbild)

    Für viele Bürgerinnen und Bürger sowie Beschäftigte war die Nachricht ein Schock. Viele verbanden mit dem Wort Insolvenz eine Schließung. Die Wertinger Betriebsrätin Martina Wölfle sagte damals, man habe sich beim Betriebsrat nicht auf diese Nachricht vorbereiten können. Es habe schließlich geheißen, dass die Kliniken bis Mitte 2026 finanziell abgesichert seien. Doch es kam anders.

    Mit dem Insolvenzverfahren wurde ein weiteres Medizinkonzept beschlossen. Das sah die wohl umfassendste Umstrukturierung der Kreiskliniken vor: Die Dillinger Klinik St. Elisabeth wird damit zum zentralen Grundversorger im Landkreis. Die Wertinger Klinik soll vollständig auf den Bereich der Altersmedizin umgebaut werden. Diese Abteilung war zwar bereits am Krankenhaus vorhanden und ausgebaut worden, doch für das Wertinger Haus folgten im Rahmen der Insolvenz größere Einschnitte. So musste die Notaufnahme schließen. Und auch die orthopädische Abteilung und die OP-Kapazitäten wurden in Dillingen aufgebaut.

    Kurz nachdem die Insolvenz öffentlich geworden war, entbrannte im Landkreis eine Debatte um die Entscheidung, Dillingen zum Hauptkrankenhaus zu machen. Nicht nur Wertingens Bürgermeister Willy Lehmeier (FW) äußerte sich kritisch darüber, dass der bauliche Zustand der beiden Häuser bei der Entscheidung für das Grundversorgerhaus nicht berücksichtigt worden sei. Auch das Unternehmerehepaar Charlotte und Hermann Buhl startete eine Kampagne und warb für Wertingen als Zentralklinik. Sie wandten sich mit einer Petition an den Landtag und mit einer Aufsichtsbeschwerde an die Regierung von Schwaben. Mit beiden Vorstößen scheiterten die Buttenwiesener. „Das war von vornherein klar“, sagt Buhl im Rückblick. „Im Landtag ist es gescheitert, weil es hieß, dass das Konzept schlüssig ist.“

    Wertingen: Proteste gegen Klinik-Umbau im März

    Doch es regte sich auch noch von anderer Seite Widerstand gegen die Umbau-Pläne. Ende März demonstrierten rund 2000 Menschen, angeführt von der Krankenschwester Maria Knab, in Wertingen für den Erhalt der Klinik in ihrer ursprünglichen Form. Die Stimmung war aufgeheizt, eine ähnliche Demo hatte es in Wertingen bereits gegeben, als an der Klinik die Geburtenstation weggefallen war.

    Das Thema bewegte offensichtlich so viele Menschen im Landkreis Dillingen derart, dass unsere Redaktion Anfang April eine Podiumsdiskussion in der Wertinger Stadthalle organisierte. Bei der DZ/WZ-Sprechstunde zu den Kreiskliniken stellten sich Landrat Markus Müller und Kliniken-Geschäftsführerin Sonja Greschner den Fragen aus dem Publikum. Rund 1450 Menschen sahen vor Ort oder online zu. Ebenfalls auf dem Podium vertreten waren die Wertinger Betriebsrätin Martina Wölfle, die Wertinger Chefärztin Dr. Martina Brielmaier und der Dillinger Klinik-Arzt Dr. Xaver Kapfer. Die Leserinnen und Leser nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen, die sie bewegten. Insolvenzrechtsanwalt und Sanierungsgeschäftsführer Maximilian Pluta erläuterte, dass der eingeschlagene Weg „alternativlos“ sei: „Wenn wir jetzt eine Kehrtwende machen, wird es nur Verlierer geben“, so Pluta bei der Podiumsdiskussion.

    Auf dem Podium zur Sprechstunde der Kreiskliniken sprachen in der Wertinger Stadthalle: (von links) Redaktionsleiter Berthold Veh, Sonja Greschner, Dr. Martina Brielmaier, Dr. Xaver Kapfer, Landrat Markus Müller, Betriebsrätin Martina Wölfle und die stellvertretende Redaktionsleiterin Simone Fritzmeier.
    Auf dem Podium zur Sprechstunde der Kreiskliniken sprachen in der Wertinger Stadthalle: (von links) Redaktionsleiter Berthold Veh, Sonja Greschner, Dr. Martina Brielmaier, Dr. Xaver Kapfer, Landrat Markus Müller, Betriebsrätin Martina Wölfle und die stellvertretende Redaktionsleiterin Simone Fritzmeier. Foto: Karl Aumiller

    Ende Mai war dann klar, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreiskliniken im Zuge des Insolvenzverfahrens ihre Arbeitsplätze verlieren werden. 190 Menschen erhielten eine Kündigung. Auch die Berufsfachschule für Pflege in Dillingen musste bereits früher schließen, weil nicht mehr genügend Lehrkräfte übrig waren, um einen geregelten Unterrichtsbetrieb zu gewährleisten.

    Für die Kreiskliniken, so schien es, war es fast unmöglich, aus der Spirale der Negativnachrichten herauszukommen. Die beiden Häuser wurden im Laufe eines Jahres mit schmerzlichen Einschnitten umstrukturiert. Trotz allem konnte sowohl in Wertingen als auch in Dillingen wieder ärztliches Fachpersonal gewonnen werden. Im Sommer meldeten die Krankenhäuser, dass die Akutgeriatrie mit ihren Betten nicht nur „voll ausgelastet“ sei, sondern auch mehrere Ärzte dabei seien, sich in dem Fachgebiet weiterzubilden – eine wichtige Voraussetzung für die Anerkennung der Leistungsgruppe Akutgeriatrie.

    Dr. Martina Brielmaier, Fachärztin für Chirurgie (links) mit Dr. Hubert Grundner, Unfallchirurg, der sich zum Geriater weiterbilden lässt, und der leitenden Oberärztin in der Akutgeriatrie und der Abteilung Innere Medizin, Kiriaki Panagiotidou. Die Wertinger Akutgeriatrie ist voll ausgelastet.
    Dr. Martina Brielmaier, Fachärztin für Chirurgie (links) mit Dr. Hubert Grundner, Unfallchirurg, der sich zum Geriater weiterbilden lässt, und der leitenden Oberärztin in der Akutgeriatrie und der Abteilung Innere Medizin, Kiriaki Panagiotidou. Die Wertinger Akutgeriatrie ist voll ausgelastet. Foto: Ulrike Hauke

    Von politischer Seite folgte im September ein wichtiger Schritt: Der Kreistag sicherte die Finanzierung der beiden Häuser für weitere zwei Jahre. Eine wichtige Bedingung im Insolvenzverfahren. „Die Krankenhaus- und Notfallversorgung bleiben erhalten“, betonte Landrat Müller im Kreistag. „Die Wege bleiben kurz!“

    Kreiskliniken-Geschäftsführerin Sonja Greschner scheidet aus eigenen Wunsch zum Jahresende aus

    Für die Geschäftsführerin Sonja Greschner endete der Weg mit den Kreiskliniken wenige Monate später. Sie schied auf eigenen Wunsch zum Jahresende aus. Greschner leitete die Kliniken seit 2022. In Rekordzeit suchte und fand der Landkreis einen Ersatz: Mitte November kam dann die Nachricht, dass Dr. Elke Frank die Nachfolge von Greschner antreten werde. Sie soll nun mit den Kliniken nach dem Insolvenzverfahren neu durchstarten.

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