Sozialausgaben in Dillingen steigen: Landkreis warnt vor Finanzierungslücke
Dillingen
Protest für mehr Inklusion und Barrierefreiheit im Landkreis Dillingen
Beim Protesttag für Barrierefreiheit betont der Landrat, wie wichtig Teilhabe ist – und beklagt steigende Sozialausgaben. Ein Vertreter von Regens Wagner wird deutlich.
Eine Aktion in Dillingen fordert Chancengleichheit für Menschen mit Behinderung. Landrat Markus Müller verweist auf drohende Finanzierungslücken im Haushalt.Foto: Niklas Bailer
Ein kleiner Stand in der Kapuzinerstraße in Dillingen machte am Donnerstag auf ein großes Problem aufmerksam: Mängel bei der Barrierefreiheit und Inklusion von Menschen mit Behinderung. Versammelt haben sich zur Aktion Betroffene, Fachkräfte und politische Entscheidungsträger. Darunter ist auch der 40-jährige André Lehmann. Er bestreitet seinen Alltag teilweise selbstständig, arbeitet bei Regens-Wagner in der Essensausgabe und lernt über ein spezielles Programm den Umgang mit dem Computer. Trotzdem fallen Lehmann manche Aufgaben schwerer als anderen. Eine Fachkraft hilft ihm im Haushalt, geht mit ihm einkaufen und unterstützt bei der Selbstorganisation. Dem Wertinger ist es daher wichtig, „Barrieren anzusprechen und abzuschaffen“. Er wolle nicht überfordert werden, aber dennoch sein Potenzial ausschöpfen.
André Lehmann aus Wertingen möchte nicht überfordert werden, aber dennoch sein Potenzial ausschöpfen.Foto: Niklas Bailer
Bahnhöfe Gundelfingen und Lauingen bis 2029 barrierefrei
Landrat Markus Müller meint: „Menschenrechte, wie die Teilhabe an der Gesellschaft, gehören ins Zentrum unserer Gesellschaft, auch im Landkreis Dillingen.“ Für soziale Belange überweise der Landkreis dieses Jahr aber 40 Millionen Euro an den Bezirk, vor zwei Jahren waren es laut Müller noch 29 Millionen. Durch diese Mehrkosten gerate der Landkreis nach Ansicht des Landrats an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Müller spricht beim Thema Barrierefreiheit auch die Bahnhöfe in Lauingen und Gundelfingen an. Diese sollen bis spätestens 2029 barrierefrei werden. Der Dillinger Oberbürgermeister Frank Kunz betont, dass bei neuen Baumaßnahmen auf Barrierefreiheit geachtet wird, und verweist auf eine Arbeitsgruppe, die die Barrierefreiheit in der Stadt verbessern soll.
Kandziora: „Kürzungen setzen bei den Schwächsten in der Gesellschaft an“
Matthias Kandziora ist stellvertretender Leiter von Regens-Wagner Dillingen. Kürzungen bei Sozialausgaben kritisiert er scharf.Foto: Niklas Bailer
Matthias Kandziora, stellvertretender Leiter von Regens-Wagner Dillingen, sagt: „Es tut sich was bei der Barrierefreiheit, nicht nur für Menschen im Rollstuhl.“ Wichtig sei es, Hindernisse im Alltag wahrzunehmen. Die Lebenshilfe und Regens-Wagner hätten die Stadt Dillingen zum Positiven verändert, Betroffene würden hier mehr mitgedacht. Darum wolle man versuchen, auch in ländlicheren Teilen des Kreises mehr Angebote zu machen. Die geplanten Sparpläne der Regierung kritisiert er scharf: „Die Kürzungen setzen bei den Schwächsten in der Gesellschaft an.“ Kandziora befürchtet dadurch eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zwischen Topfitten und Schwachen. Soziale Ausgaben solle man vielmehr als Investition und als Maßnahme zur Prävention betrachten, denn dadurch entstünden neben einer chancengleichen Gesellschaft auch Arbeitsplätze und Kaufkraft.
Diskutieren Sie mit
XXX 0 Kommentare
hier kommen komentare rein
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren