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Sport-Reportage

01.10.2016

Abräumen in Lichtgeschwindigkeit

Top-Spielerinnen auf ihrer Top-Sportstätte: Die beiden Zweitliga-Damen Christine Rösch (links) und Christine Grau vom BC Schretzheim. Die Hightech-Anlage ist computergesteuert.
Bild: G. Stauch

Bundesligisten und Hightech – warum das Sportkegeln in der Region eine „große Nummer“ ist

„Man muss bei diesem Sport Ausdauer, Geduld und Beobachtungsgabe mitbringen“, betont Josef Frank. Als fünfmaliger Fischerkönig beim Fischereiverein Deisenhofen weiß er, worauf es beim Fangen von Forelle, Hecht, Karpfen und Aal, die im fünf Meter breiten Klosterbach unterwegs sind, ankommt. Da kann man dem erfahrenen Sportangler am Gewässerrand nur ein kräftiges „Petri Heil“ zuschmettern. Oder auch ein „Gut Holz“, denn diesen Ermunterungs-Spruch kennt und beherzigt der 68-Jährige seit Jahrzehnten – vom Sportkegeln.

Wenn einer etwas von dieser Präzisionssportart versteht, dann der Höchstädter. Von den Eigenschaften an den Ufern des Ortsbaches konnte er manches gleich mitnehmen auf die glatten Bahnen, vor allem beim SKK Mörslingen, den er – wie die neun Kegel auf dem Spielfeld – vor bald 40 Jahren mit anderen aufgestellt hatte. Ihn nur noch als Ehrenmitglied des Vereins zu bezeichnen, wäre gewissermaßen zu kurz geworfen. Der umtriebige Mann rollte in seinem sportlichen Leben durch viele Funktionen und Positionen. So machte er als Vorstand und Sportwart, als Trainer und Entscheider im Bezirk ebenso eine gute Figur wie als aktiver Athlet auf der Anlauffläche. Dass Josef Frank sogar als Senior noch in diesem Jahr seine 800 Spiele vollbekommen dürfte, ist ein Hinweis auf die riesige Altersspanne dieses Sports, der vor allem in osteuropäischen Ländern gern ausgeübt wird. Dabei können Junioren mit acht bis neun Jahren genauso antreten wie Ältere mit 75. In kaum einem anderen Bereich gibt es noch deutsche Meisterschaften für Teilnehmer ab 70 Jahren.

Kegeln ist auch Familiensport. So musste Vater Josef Frank einst mit Sohn Fabian – ein Kreis- und Bezirksmeister – beim Wettkampf im thüringischen Ohrdruf auflaufen, weil ein Teammitglied erkrankt war: „Wir haben zwar verloren, aber es war ein tolles Erlebnis, mit meinem Jungen antreten zu können“, erinnert sich der langjährige SKK-Vorsitzende. Das Gesellige hatte ohnehin schon einen hohen Stellenwert, als diese Sparte vor einem halben Jahrhundert noch eher dem „Sofasport“ zugeordnet wurde, bei der man im wahrsten Sinn des Wortes eine ruhige Kugel schob.

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Davon kann schon lange keine Rede mehr sein. Dazu genügt ein kurzer Blick in die rechnergestützte, vollautomatische Kegelanlage des BC Schretzheim mit Hightech vom Feinsten: Überall ragen moderne Displays mit tanzenden Ziffern in dem einladenden Funktionsraum hervor, der außerdem mit einem blitzschnell arbeitenden Auswertungssystem ausgestattet wurde – einmalig in ganz Süddeutschland.

Der Stolz eines der größten Vereine der Stadt Dillingen ist die kleine, aber feine Kegelabteilung mit insgesamt neun Mannschaften, wobei ein Herren- und ein Damenteam in der Zweiten Bundesliga – ebenfalls ohne Beispiel in Südbayern – antreten. Dort drücken sich durchtrainierte Sportler die Türklinke in die Hand. In den Kleeblattstuben kommt die besondere Attraktivität dieser Beschäftigung mit der rund drei Kilo schweren und 16 Zentimeter dicken Kugel voll zur Geltung, der in Deutschland mehr als 80000 Menschen bei Wertungswettkämpfen nachgehen. Obwohl bei über 100 Würfen pro Einsatz wahre Schwerstarbeit gefragt ist und nicht nur zarten Händen den Schweiß abnötigt, sondern auch echten Jungs mit ihren Muckis: Da herrscht immer wieder diese Eleganz beim Anlauf auf der fast 30 Meter langen Bahn und dem Schwingen der Arme vor, dem das unvergleichliche Rollgeräusch der Kugel folgt, die früher mal aus echtem Holz und Hartgummi bestand und mittlerweile aus hochwertigem Kunststoff hergestellt wird. Schließlich erfolgt das erlösende Klappern am anderen Ende, wenn sich die ebenfalls aus Plastik bestehenden, rund 40 Zentimeter langen Kegel, an deren Ende eine Stahlkugel montiert ist, zur Seite neigen. Dann können „Vorderholz“, „Hintere Dame“, „König“ und „Hinterholz“ schon mal am Boden liegen.

Um „viel Holz“ geht es auch bei den Kollegen in Pfaffenhofen oder Bächingen, bei insgesamt acht Organisationen im Landkreis, die ihnen an Dynamik kaum nachstehen. Es hätten mehr sein können, zumal sich Routinier Josef Frank bei mindestens zehn Klubgründungen in der Region als eine Art Geburtshelfer erwiesen hatte. Daher gilt der „Macher“, der künftig kürzertreten möchte, auch als der „Vater des Kegelsports im Landkreis“. Allerdings endeten hoffnungsvolle Spielgemeinschaften wie etwa in Gundelfingen, Wittislingen, Wertingen sowie Blindheim in einem „Pudel“, wie ein Fehlschuss gern bezeichnet wird.

So etwas würde Marion Frey (30) nicht einmal im Traum passieren. Ist die Athletin und Abteilungsleiterin beim BC Schretzheim doch der unangefochtene Star am hart umkämpften Keglerhimmel. Die Frau, die gerne Popstar geworden wäre, weiß, dass zu diesem schönen Sport ein Schuss Idealismus dazugehört. Lächelnd sagt sie: „Wir machen das nicht für Geld, sondern für Ruhm und Ehre.“ Und das noch bis Saisonende im kommenden März.

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