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Dart

27.12.2020

Aktuell ist auch die Kegelbahn kein „Ally Pally“

Wegen Corona verwaist: die Dartscheiben auf der Kegelbahn der SSV Glött.
Bild: Wild

Plus Sport-Nachgefragt: Während die Profis beim Saisonhöhepunkt in London wegen Corona vor leeren Zuschauerrängen mit Pfeilen werfen, müssen die Landkreis-Vereine auf ihren Sport und die in auszeichnende Geselligkeit komplett verzichten.

Bei der Weltmeisterschaft in London fliegen noch bis zum Finale am 3. Januar die Pfeile. Aber der sportliche Teil dieses Saisonhöhepunktes ist beim Dart nur die „halbe Wahrheit“. Einen großen Teil des Reizes dieser Sportart machen die Fans aus. Die sind in der Regel glänzend gelaunt und sorgen bunt verkleidet und mit reichlich Getränken versorgt für Partystimmung. Normalerweise. Nicht jedoch zu Corona-Zeiten. Dart-Anhänger, die die Spieler lautstark anfeuern sind diesmal weitgehend nicht zugelassen. Im TV können auch die Sportler der Landkreis-Dartvereine verfolgen. Und dürfen gleichzeitig nur im eigenen Keller mit Pfeilen auf die Scheiben zielen. Nach kurzen Auftakt ruht nämlich der regionale Spielbetrieb wegen der Pandemie. Fraglich ist, ob und wann es wieder losgehen kann.

Als Grinch verkleidet

Eine begeistert tobende, feiernde Menge, die auf engsten Raum zusammensitzt. Als Super Mario oder als Schlümpfe verkleidet – so sehen die Zuschauer bei der Dart-WM schon mal aus. Nicht aber bei der 28. Austragung zu Corona-Zeiten. Seit 15. Dezember fliegen im „Ally Pally“ – dem legendären Alexandra Palace – die Pfeile. Von Bierzeltatmosphäre allerdings ist keine Spur. Nur 1000 der möglichen über 3000 Fans waren am Starttag unter strengen Corona-Auflagen zugelassen. Dann wurden Zuschauer ganz verboten. Und auch die Spieler leiden unter den Auswirkungen der Pandemie. Nach einem ersten Corona-Fall in ihren Reihen müssen sie die Weihnachtsfeiertage in der „Blase“ ihres Spielerhotels verbringen. Immerhin: Titelverteidiger und Weltranglisten-Zweiter „Snakebite“ Peter Wright spielte beim Auftakt als „Grinch“ verkleidet und gewann nach furioser Partie gegen Steve West 3:1.

Peter Schneider, Mannschaftsführer des DC Hackstock Wertingen, macht die Dart-WM im Fernseher trotzdem Spaß: „Das Niveau der Topstars ist ja das Interessante daran. Ich verfolge die Partien, wenn es meine Schichtarbeit zulässt, Dart macht immer Spaß – mit oder ohne Zuschauer.“ Der 35-jährige besitzt privat einen E-Dart-Automaten und eine Dart-Scheibe. Momentan bleibt ihm nur, alleine zu Hause die Pfeile aufs Board zu schmeißen. „Training und Ligaspiele sind wegen Corona nicht möglich, die Saison ist seit Ende Oktober ausgesetzt“, berichtet er: „Und es ist leider kein Ende in Sicht. Ich vermute, dass wir erst an Ostern weiterspielen können.“ Mit der Schließung der Lokale und Vereinsheim wurden gemeinsames Dartspiel im Training und Ligabetrieb unmöglich“, so der Wertinger Mannschaftsführer.

Nur ein Ligaspiel durchgeführt

Sein DC konnte nur ein Ligaspiel durchführen, dann kam schon der zweite Lockdown samt Unterbrechung. Grundsätzliche Sorgen macht sich Peter Schneider aber nicht, dass beim DC Hackstock Spieler abspringen werden.

Richard Imberger, Vorsitzender des DC Steinheim, findet es gut, dass die WM trotz Corona stattfindet. Obwohl die Veranstaltung ganz ohne Zuschauer einen total anderen Charakter bekommen hat. Fast schon steril und emotionslos laufen die Matches ab. Es fehlen die Unterstützung und der Applaus der Fans. „Peter Wright konnte die triste Atmosphäre durch seinen gelungenen Walk-On als Grinch aufhellen und für gute Stimmung sorgen. Er ist ganz klar mein Lieblingsspieler und auch der meiner Frau. Wir haben ihn schon live erlebt und hoffen sehr, dass er seinen Weltmeistertitel verteidigen kann“, sagt Imberger.

Auch beim DC Steinheim hat das Element „Geselligkeit“ schon durch den ersten Lockdown stark gelitten. Es konnte nur noch ein sehr eingeschränktes Training mit Einhalten der Abstandsregeln stattfinden. Die Ligaspiele der Rieser-Dart-Liga mussten ab April allesamt abgesagt werden, die Klubmeisterschaft konnte nicht gespielt werden und auch der Saisonabschluss ist Corona zum Opfer gefallen.

Für die neue Spielzeit ab September war ein Hygienekonzept erarbeitet worden. Dennoch konnte nur ein einziger Spieltag stattfinden. Danach wurden die Lokale wieder geschlossen. Somit waren keine Zusammenkunft der Vereinsmitglieder oder gemeinsames Training der Spieler mehr möglich. Die Gefahr, dass die Mannschaftsmitglieder die Lust am Spielen verlieren und das Engagement nachlässt, sieht Imberger nicht, „da viele Aktive schon sehr lange im Verein dabei sind“.

„Die Geselligkeit leidet natürlich sehr unter dem Lockdown, da es ja kaum Möglichkeiten gibt, sich zu treffen. Viele unserer Spieler haben zuhause eine Dartscheibe oder sogar einen Dartautomaten, auf denen sie regelmäßig trainieren“, meint Imberger: „Ich selber spiele fast täglich, entweder alleine oder mit meiner Frau an der Steeldartscheibe und am Tunierautomaten, der bei mir im Wohnzimmer steht. Ich hoffe, dass sobald wie möglich wieder die Gelegenheit zum gemeinsamen Training in unserem Vereinslokal in Steinheim besteht.“

Junger Verein in Glött

Sascha Wild ist Abteilungsleiter bei den Lilien-Darters in Glött und freute sich wie jedes Jahr auf das Londoner Dart-Highlight am Ende des Jahres: „Ich finde es gut, dass die WM trotz Corona stattfindet. Es ist ein kontaktloser Sport, bei dem man den Abstand immer einhalten kann, anders etwa beim Fußball. Für die überragende Atmosphäre im Ally Pally sorgen natürlich die Fans. So etwas ist, glaube ich, in der Sportwelt einzigartig.“ Zu seinem Bedauern sieht das heuer anders aus.

Wie die Imbergers sagt auch Wild: „Mein Lieblingsspieler ist Snakebite Peter Wright. Sein ganzer Typ, optisch und wie er spielt, ist überragend, sein Walk On mit der Tanzeinlage legendär.“ Die Glötter Wild sieht diesmal allerdings keinen klaren Favoriten auf den Weltmeistertitel. Das Feld der Topspieler werde jährlich enger. Sein Tipp geht in Richtung von „MVG“ – dem Niederländer Michael van Gerwen.

Der Weg zum Steel Dart in Glött begann erst im November 2019. „Meine Freunde Michael Spring, Wolfgang Friegel und ich spielten immer im Keller Dart. Allerdings wollten wir mehr – und es in einem Verein versuchen. Bei der SSV Glött fanden wir dann unsere Dart-Heimat, da die SSV uns einen Raum zur Verfügung gestellt hat, den wir benötigten“, beschreibt Sascha Wild die Entstehung des noch jungen Vereins: „Seitdem spielen wir in der Kegelbahn. Das ist am Donnerstag immer unser Ally Pally.“

Alle Altersklassen vertreten

Und die neu gegründete Abteilung schlug vor Corona ein wie eine Bombe. „Die Leute rannten uns förmlich die Bude ein“, so der Spartenleiter. Die Lilien haben in der Kegelbahn drei Bords aufgehängt. Aber jede Woche kamen zwischen 15 und 20 Spieler zum Training, die Dart spielen wollten. Mit drei Scheiben war das fast unmöglich, dass jeder genügend Spielzeit bekommt“, sagt Wild: „Es sind sogar Darter aus dem Landkreis Günzburg zu uns angreist, um ihre Pfeile ins Bord zu werfen, da es dort bis dahin keine Möglichkeit gab, in einem Sportverein Dart zu spielen.“ Der Jüngste in der Glötter Sparte Dart ist 17 und der Älteste 75 Jahre alt. Wild: „Solche Altersunterschiede zusammen in einem Sport zu verbinden – das schafft fast nur Dart.“

Doch dann kam im März Corona und es musste auch bei den Glöttern nach gerade mal knapp vier Monaten der Trainingsbetrieb eingestellt werden. Das war sehr bitter für die Pfeilewerfer. Auch deshalb: Als nämlich die Einschränkungen des Sportbetriebs gelockert wurden und der Indoorsport wieder erlaubt war, kamen nur noch fünf bis zehn Spieler, um zu trainieren.

„Von den älteren Dartern erschien leider gar keiner mehr, was absolut verständlich ist“, stellt Wild fest: „Aber dennoch bin ich nicht der Meinung, dass wir nach der erneuten Spielunterbrechung weniger Spieler sein werden. Die jüngeren Darter werden alle wieder in uns Ally Pally kommen, da Dart für viele wie eine Sucht ist. Dart kann man nicht erklären, darum ist es so spannend – man kann immer eine 180 treffen.“

Sascha Wild hofft, dass die Fallzahlen sinken und der erneute Lockdown möglichst bald wieder gelockert wird, „damit wir wieder unserem Sport nachgehen können. Wir alle wollen einfach nur wieder Pfeile werfen.“

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