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Ziertheim

11.08.2020

Das Fahrstuhlteam von der Landesgrenze

Gemeinsam mit zahlreichen jugendlichen Fans feierte die Mannschaft des SV Ziertheim-Dattenhausen nach dem 4:0-Sieg beim FSV Finningen im Juni 2002 die Meisterschaft in der A-Klasse Donau I.
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Gemeinsam mit zahlreichen jugendlichen Fans feierte die Mannschaft des SV Ziertheim-Dattenhausen nach dem 4:0-Sieg beim FSV Finningen im Juni 2002 die Meisterschaft in der A-Klasse Donau I.
Bild: svzd

Plus Fußball-Rückblick: Der SV Ziertheim-Dattenhausen ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten öfter auf- und abgestiegen. 2001/02 bringt ein souveränes 4:0 in Finningen den Titelgewinn – mit einem Dreh- und Angelpunkt im Team.

Wer Fußballspiele des SV Ziertheim-Dattenhausen besucht, der sieht auf dem Parkplatz vor dem schmucken Sportgelände immer wieder auch Fahrzeuge mit dem Kennzeichen HDH parken. Kein Wunder, denn in den benachbarten Landkreis Heidenheim in Baden-Württemberg sind es gerade einmal drei Kilometer. Genauer gesagt nach Ballmertshofen. Aus dem Ortsteil der Gemeinde Dischingen rekrutiert der SVZ/D schon seit Jahrzehnten viele seine Spieler. Die meisten kommen freilich aus Ziertheim selbst sowie aus den Ortsteilen Dattenhausen und Reistingen. „Ein größeres Einzugsgebiet brauchen wir zum Glück nicht“, klärt der langjährige Vereinsfunktionär Johann Greiner auf. Die Philosophie des SVZD laute sei jeher, auf lokale Kicker und den eigenen Nachwuchs zu setzten.

Hohes Durchschnittsalter

In der Saison 2001/02 hatte der SV Ziertheim in der C-Klasse Donau I allerdings ein Team mit einem Durchschnittsalter von über 30 Jahren, verrät Greiner. Er selbst wirkte damals als Abteilungsleiter und wurde von seiner erfahrenen Mannschaft am Sonntag, 2. Juni 2002, so richtig glücklich gemacht. Der 4:0-Auswärtssieg beim SSV Finningen machte einen Spieltag vor Saisonschluss der Deckel auf die Meisterschaft. Was eine Woche zuvor beim Heim-4:4 gegen den TSV Unterringingen noch nicht gelungen war – bei einem Sieg wäre da schon Platz eins sicher gewesen – wurde in Finningen eindrucksvoll nachgeholt. 150 Ziertheimer Fans begleiteten ihre Mannschaft zu diesem Auswärtsspiel, bei dem die Gastgeber eine Halbzeit allerdings große Gegenwehr leisteten. Die 1:0-Pausenführung der Egautaler durch ein Tor von Norbert Scheble war hart umkämpft. Als der wuchtige Torjäger aus Ballmertshofen in der 51. und 73. Minute zwei weitere Treffer nachlegte und seinen persönlichen Dreierpack perfekt machte, war die Vorentscheidung gefallen. Das 0:4 durch Wolfgang Urban neun Minuten vor Schluss war nur noch reine Formsache, zumal sich die Hausherren Mitte der zweiten Halbzeit durch eine Hinausstellung auch unnötigerweise selbst geschwächt hatten.

Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Ziertheimer war in der Meistersaison Spielertrainer Jürgen Schendzielorz. „Er hat uns gezeigt, wie es geht“, schwärmt Torwart Norbert Groll auch 18 Jahre nach dem Titelgewinn noch immer von den Tricks und Toren des damals bereits 41-Jähringen. Groll selbst zählte mit seinen 38 Lenzen ebenfalls zu ganz erfahrenen Kickern im Team.

Einst erfolgreich auf dem grünen Rasen, jetzt zwischendurch am Kicker im Sportheim: Ex-Spieler und Funktionäre des SV Ziertheim-Datenhausen (von links): Wolfgang Urban, Norbert Scheble, Johann Greiner, Marina Weinmann, Rudi Haußmann, Ex-Spielertrainer Jürgen Schendzielorz und Norbert Groll.
Bild: Herdin

Ein Jahr zuvor erlebte der zuverlässige Torhüter eine seiner schwärzesten Stunden mit dem SVZD. In der Relegation trafen er und seine Ziertheimer als Vizemeister in Steinheim auf den SV Grün-Weiß Baiershofen. 1:1 stand es trotz Verlängerung nach 120 Minuten. Ergo musste ein Elfmeterschießen die Entscheidung bringen. Bis zum 10:10 trafen alle Schützen auf beiden Seiten. Dann mussten beide Torhüter ran. Als Groll anlief, spielte bei ihm auch etwas die Angst mit, wie er knapp zwei Jahrzehnte später schmunzelnd eingesteht. Er verschoss, sein Baiershofer Kollege verwandelte sicher und war der gefeierte Held bei diesem Aufstiegskrimi.

Zwei Jahre später spielte Ziertheim in der Relegation erneut auf Baiershofen. Die Schendzielorz-Truppe belegte nach dem Aufstieg in der Kreisklassensaison 2002/2003 am Ende Rang zwölf und hätte den Platz in der Liga mit zwei Siegen gegen die A-Klassen-Vizemeister verteidigen können. Die erste Hürde wurde mit einem 4:1-Sieg gegen den TV Gundelfingen souverän übersprungen, das finale Spiel in Weisingen gegen Baiershofen ging dann allerdings mit 0:6 deutlich verloren. „Natürlich war danach die Stimmung nicht gut“, erzählt der ehemalige Vereinsboss und damalige Spieler Wolfgang Urban. Ganz anders die Situation ein Jahr zuvor. Nach dem 4:0-Erfolg in Finningen ging es zunächst im Autokorso zurück nach Ziertheim zum Sportheim. „Von dort sind wir dann mit dem Bulldog auf einem Wagen durch die umliegenden Orte gefahren und haben uns feiern lassen“, lacht Norbert Groll. Die offizielle Aufstiegsfeier fand dann etwas später in der Halle am Sportgelände statt. Alleinunterhalter Erich Sailler, so erinnern sich Johann Greiner und der langjährige Ehrenamtsbeauftragte Rudi Haußmann unisono, habe für die passende musikalische Stimmung gesorgt. Mit dabei bei diesen Festivitäten war die damals 15-jährige Marina Weinmann. Heute ist die junge Frau seit wenigen Monaten eine von insgesamt fünf gleichberechtigten Vorsitzenden beim SV Ziertheim-Dattenhausen und führt bereits routiniert durch die Sitzungen wie Vorstandskollege Wolfgang Urban bestätigt.

Weitere Aufstiege von Ziertheim

Nicht nur in der Saison 2001/2002 konnte der Klub an der Landesgrenze Bayern - Baden Württemberg einen Aufstieg feiern, danach ging es auch noch 2012/2013 und zuletzt 2015/2016 hoch in die Kreisklasse. Im unterbrochenen Corona-Spieljahr 2019/2002 droht als Tabellenletzter allerdings wieder ein Abstieg. Als Fahrstuhlmannschaft hat der SV Ziertheim-Dattenhausen in den vergangenen zwei Jahrzehnten schon genügend Erfahrung gemacht. Da waren einige Aufs und Abs dabei. Ein absoluter Höhepunkt war allerdings im Festjahr 2009 (der Verein wurde 60 Jahre alt) das Gastspiel der Traditionsmannschaft von Eintracht Frankfurt mit Bundesliga-Rekordspieler Charly Körbel (602 Einsätze). Die Hessen trafen auf die Dillinger „Landkreisbomber“ und gewannen 5:1. Unter den zahlreichen Besuchern waren auch solche, die mit dem Auto und HDH-Kennzeichen angereist waren ...

SSV Finningen – SV Ziertheim 0:4

SV Ziertheim-Dattenhausen: Norbert Groll, Holger Hausmann, Peter Ehnle, Bernd Greiner, Albert Bäurle, Alexander Gschwind, Wolfgang Urban, Peter Burdack, Andreas Wurmstein, Jürgen Schendzielorz, Norbert Scheble (Werner Trögele, Tobias Schreitt, Martin Zacher, Marco Zuther)

Tore: 0:1 (31.) Norbert Scheble, 0:2 (51.) Norbert Scheble, 0:3 (73.) Norbert Scheble, 0:4 (81.) Wolfgang Urban – Zuschauer: 220

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