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Fußball

22.11.2020

Ein Gundelfinger ist immer am Ball

Schwingt mit 78 Jahren immer noch fleißig den Tennisschläger: der ehemalige Spieler und Trainer der Gundelfinger FC-Fußballer Dieter Lang.
Bild: Brugger

Plus Dieter Lang ein außergewöhnlicher Fußballer des FC Gundelfingen, dann sammelte er als Tennisspieler Titel um Titel. Selbst mit 78 Jahren treibt er noch Sport.

Als die Landesliga-Fußballer des FC Gundelfingen an diesem Sommertag im August 1985 ihre Kabine im Keller des Sportheims verließen und die Treppen Richtung Spielfeld beim BC Aichach hinaufstiegen, blickte ein älterer Besucher in Richtung der Gundelfinger Nummer zehn. „Das ist der Lang, der ist gut. Gegen den hab‘ ich früher auch gespielt“, meinte der Aichacher voll Hochachtung zu seinem Begleiter. Die Krux war nur, dass da gar nicht Dieter Lang im FCG-Trikot steckte, sondern ein blutjunger Spieler, der sich gerade erst aufmachte, einen ähnlichen Status bei den Gärtnerstädtern zu erreichen: der 20-jährige Stefan Anderl.

Ehrenspielführer und Rekordspieler

Dieter Lang muss Schmunzeln, wenn er diese Gesichte hört und kann auch gleich die Erklärung für die Verwechslung liefern: „Ich hatte auch schon sehr früh meine Haare verloren, ähnlich wie Stefan. Wir haben auch nie zusammengespielt, da war der Altersunterschied doch zu groß.“ Im Sommer 1977 war Lang als Spielertrainer der Gärtnerstädter abgetreten, in der Saison 1979/80 startete er nochmals für acht Partien ein Comeback auf dem Rasen. „Weil die Mannschaft tief im Abstiegskampf steckte“, wie sich Lang erinnert. Zu dem Zeitpunkt hatte er schon zahlreiche Auszeichnungen bekommen, war beim FCG zum Ehrenspielführer ernannt worden und für 1000 Spiele im grün-weißen Trikot geehrt worden. „Die Zahl ist vielleicht etwas hoch gegriffen, da hat Theo Flemisch eher geschätzt. Aber 800 Spiele waren es sicher“, so Lang, der mit 16 Jahren schon seine ersten Einsätze in der „Ersten“ hatte und als 17-Jähriger Stammkraft war. „Obwohl ich zu der Zeit kaum trainieren konnte, weil ich in Augsburg eine Ausbildung machte und es damals unmöglich war, bei einem anderen Verein ins Training zu gehen“, weiß der mittlerweile 78-Jährige.

Selbst ohne regelmäßiges Training wuchs Lang schnell in die Rolle als Leistungsträger rein, was sein in die Wiege gelegtes Talent mehr als unterstreicht. „Dieter war in der Zeit unser Bester. Er hätte als erster Gundelfinger den Sprung in die Bundesliga schaffen können“, erinnert sich Viktor Merenda, heute Vorsitzender des FCG und zehn Jahre lang Mitspieler von Dieter Lang. Mit der Einschätzung steht Merenda nicht allein da, wie sich im Herbst 1967 zeigen sollte. Da trat der TSV 1860 München zum Ablösespiel für den gerade aus Gundelfingen zu den Löwen gewechselten Wolfgang Lex im Schwabenstadion an. Die Münchner, ein Jahr zuvor deutscher Meister, hatten kurz zuvor – auch durch ein Tor von Lex – den Schweizer Topklub Servette Genf im Uefa-Pokal ausgeschaltet und standen vor dem Duell mit dem FC Liverpool. Kultkeeper Petar Radenkovic sowie die Nationalspieler Peter Grosser und Rudi Brunnenmeier lockten rund 6000 Besucher ins Schwabenstadion, die einen 3:0-Sieg der Löwen sahen. Hinterher meinte 1860-Coach Albert Sing angesichts der Gegenwehr von Lang & Co.: „Warum haben wir den Platterten eigentlich nicht geholt?“

Das damalige Bezirksliga-Team des FC Gundelfingen vor dem Ablösespiel für Wolfgang Lex gegen den Bundesligisten 1860 München am 15. Oktober 1967 (von links): Trainer Pfeiffer, Dieter Lang, Helmut Bahmann, Georg Kränzle, Hans Anderl, Walter Resch, Georg Neumann, Anton Walter, Viktor Merenda, Werner Haas, Xaver Waldmann, Helmut Peter.
Bild: Theo Flemisch

Einmal war Lang schon höherklassig gewechselt, zur Saison 1964/65 hatte er sich dem BC Augsburg angeschlossen. Der Vorgänger des FC Augsburg war gerade aus der Regionalliga abgestiegen, der damals zweithöchsten Spielklasse, und stellte ein neues Team zusammen. Ein Kandidat war Gerd Müller, der die Nördlinger in die Landesliga geschossen hatte. „Die meinten damals aber, er soll noch ein Jahr in Nördlingen bleiben“, weiß Lang zu berichten. Ein paar Tage später wechselte der Torjäger in die Regionalliga – zu Bayern München, wo er später Weltruhm erlangen sollte. Und Lang schloss sich dem BCA an. „Es war schon eine gewaltige Umstellung für mich. In Augsburg haben wir viermal trainiert, das war komplett ungewohnt und mir wurde manchmal richtig schwarz vor Augen“, gesteht der Gundelfinger. Erschwerend kam noch hinzu, dass sich Spieler nicht erst über Kurzeinsätze herantasten konnten, denn Auswechslungen waren zu der Zeit noch nicht erlaubt. Entweder stand man in der Startformation oder blieb ohne Einsatz. Sieben Mal durfte Lang im Bayernliga-Team an der Seite von Uli Biesinger ran. Der war eine Ausnahmeerscheinung, schließlich gehörte Biesinger 1954 zum Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft und durfte sich Weltmeister nennen, obwohl er beim „Wunder von Bern“ ohne Einsatz blieb. „Er war ein feiner Kerl, ich habe mich mit ihm gut verstanden“, berichtet Dieter Lang über den ehemaligen Nationalspieler – und schickt hinterher: „Aber das muss man sich in der heutigen Zeit erst einmal vorstellen: Weltmeister Biesinger arbeitete als Amtmann bei der Stadt in Vollzeit, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.“

Auch für Dieter Lang hatte die Ausbildung Vorrang, selbst Profifußballer verdienten im Vergleich zu heute nur ein kleines Handgeld. „Ein bisschen was hat mir der BCA bezahlt und die Hälfte zu einem Auto dazugegeben. Ich hatte einen Lloyd, damit konnte ich mich nach Meinung der Verantwortlichen aber dort nicht sehen lassen“, verrät Dieter Lang schmunzelnd. Als sich der junge Student so langsam an das Niveau gewöhnt hatte und auf mehr Einsätze hoffen durfte, kam aber wieder Theo Flemisch ins Spiel. Der war Vorsitzender beim FCG und überredete den damals 22-Jährigen zur Rückkehr. „Im Nachhinein war es wohl mein größter sportlicher Fehler“, räumt Lang ein, denn der BC Augsburg wurde nach seinem Abschied Bayernliga-Meister und kehrte ins Profilager zurück, in die Regionalliga. Während Lang mit dem FCG in der damals noch eingleisigen schwäbischen Bezirksliga vergeblich um den Aufstieg in die Landesliga, damals die vierthöchste Liga, kämpfte. „Wir waren ein paar Mal knapp dran. Ganz bitter war es 1969. Da hatten wir das alles entscheidende Spiel beim Aufsteiger FC Lauingen. Ich habe gegen Norbert Fischer im FCL-Tor zwei Eckbälle direkt verwandelt, trotzdem haben wir 4:5 verloren und die Lauinger sind Meister geworden“, blickt Lang zurück. Zwei Jahre gelang den Grün-Weißen dann ebenfalls der Sprung in die Landesliga – und im Herbst 1972 übernahm der torgefährliche Spielmacher eine Rolle, die er eigentlich nie übernehmen wollte: die des Spielertrainers.

In einer Doppelfunktion

Ähnlich wie bei Rückkehr aus Augsburg, als ihn Flemisch überredet hatte, konnte er auch diesmal dem Drängen von Abteilungsleiter Hans Anderl nicht widerstehen. Lang übernahm die Doppelfunktion und hatte viereinhalb Jahre lang das Sagen. Länger hat seitdem kein FCG-Coach ununterbrochen als Trainer gearbeitet. Und vielleicht wäre er es sogar noch länger im Amt geblieben, wenn nicht der Tennissport eine immer wichtigere Rolle in Langs Freizeit eingenommen hätte. „Ich habe Hans Anderl gesagt, dass ich beim unwichtigen letzten Saisonspiel wegen eines Tennismachtes fehlen werde. Der meinte, dass er eh schon mit Xaver Waldmann gesprochen hatte, ob der nicht künftig den Trainer macht. Ich habe mir gedacht: Gott sei dank! Und war sofort einverstanden“, so Lang, für den die Trainerkarriere damit abgeschlossen war. Obwohl der Bayernligist FC Memmingen durch die Vereinsikone Kurt Kramer den Gundelfinger noch unbedingt ins Allgäu locken wollte.

Fußball spielte Lang, der beruflich bei der Telekom im Fernmeldeamt des Landkreises Günzburg beschäftigt war, nach seiner langen FCG-Zeit und zahlreichen Auftritten in der schwäbischen Bezirks- und der damals ebenfalls häufig aktiven Landesliga-Süd-Auswahl fortan nur noch eine Nebenrolle. Wie bei Promispielen mit den Günzburger Landkreis-Stolperern rund um den späteren Bundesfinanzminister Theo Waigel, der das Team schon mal vom Fliegerhorst Leipheim in die damalige Bundeshauptstadt Bonn fliegen ließ, um dort gegen die Bundestags-Auswahl anzutreten. Oder wenn Lang beim FC Schmiere auflief, das von der Reporter-Legende Sammy Drechsel mit Kabarettisten der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, darunter Dieter Hildebrandt, ins Leben gerufene Hobbyteam. Wobei Dieter Lang gar nicht so recht weiß, wie er überhaupt zu der Ehre kam.

Vom Rasen auf den roten Sand

Sportlich stand Lang seit den späten 1970er Jahren aber vornehmlich auf dem roten Sandplatz, weshalb selbst seine beiden Söhne kaum glauben können, dass ihr Vater ein so bekannter Kicker war. Belege dafür hatte Dieter Lang nie gesammelt. Stattdessen ließ er Taten sprechen. Sein Bewegungstalent und Ballgefühl zahlte sich auch im Tennis schnell aus. Wie oft Dieter Lang Dillinger Landkreismeister wurde, kann er gar nicht mehr nachvollziehen. 17 Titel waren es sicher, bei den Senioren triumphierte er zehn Mal in Folge – und 1987 durfte er sich sogar schwäbischer Seniorenmeister nennen. Auch als Tennisspieler verließ Lang zwischendurch mal den FCG – und gewann 2007 mit den „Herren 65“ des TC Giengen die württembergische Mannschaftsmeisterschaft. Selbst heute ist Lang noch immer mit dem Schläger aktiv – und ist bei den „Herren 60“ regelmäßiger Punktelieferant für die Grün-Weißen.

Der Sport hält den Senior weiterhin gesund, was gerade in Corona-Zeiten nicht unwichtig ist. Dazu gehört neben Tennis das tägliche Schwimmen im eigenen Pool, das Radfahren ohne Elektroantrieb, wie Lang ausdrücklich betont – und zwischendurch das Golfen. Wobei der 78-Jährige trotz des zwischenzeitlichen Handicaps von 8,6 mit dem Golfschläger eher selten unterwegs ist. „Meine Frau ist da deutlich aktiver“, gesteht er ein. Die Freizeit nutzt der nach wie vor fitte Senior, um seine Nachfolger auf dem Fußballplatz zu beobachten. Bei den Landesliga-Heimspielen des FCG gehört Dieter Lang regelmäßig zu den Besuchern und würde sich über den Bayernliga-Aufstieg freuen. Selbst wenn er einräumt, „dass mir der Fußball inzwischen zu sehr taktisch geprägt ist, das Tempo eine immer größere Rolle spielt und beispielsweise tolle Dribbler kaum noch zu sehen sind. Das ist aber nicht auf den FCG gemünzt, das ist eine allgemeine Entwicklung.“

Ehrenamtlich engagiert

Über den aktiven Sport hinaus engagiert sich Dieter Lang auch ehrenamtlich. Schon seit den 80er Jahren gehört er dem Vorstand seines FC Gundelfingen in verschiedenen Funktionen an, aktuell kümmert er sich um die Mitgliederverwaltung. Und um die Tennishalle. Da managt er alles, was anfällt, seit der Verein in den 90er Jahren das Gebäude in Eigenregie übernommen hat. Wobei Dieter Lang zurzeit mehr Arbeit damit hat als üblich, was an der Pandemie liegt. „Die Halle war gut ausgebucht, durch die staatlichen Corona-Auflagen mussten wir sie allerdings sperren und hängen total in der Luft. Ich bekomme jeden Tag Anfragen, wie es mit den Tennis-Abos weitergeht – und habe keine Antwort. Dabei braucht der Verein die Einnahmen dringend für den Unterhalt.“ Und Lang würde auch allzu gerne selbst den Tennisschläger schwingen, denn die ohnehin schon bis Mitte November verlängerte Freiluftsaison ist witterungsbedingt beendet.

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