Landkreis Dillingen

05.10.2019

Ein Joker, den man gerne zieht

„Auf geht‘s Liaze“ – die Anhängerinnen und Anhänger des SC Unterliezheim konnten im bisherigen Saisonverlauf immer ein komplettes eigenes Team anfeuern. Den Joker „Flex-Modell“ hat der Spitzenreiter der B-Klasse West III bisher noch nicht ziehen müssen. Andere Mannschaften aus der Region jedoch schön des Öfteren.
Bild: Karl Aumiller

Fußball: Das neu eingeführte „Flex-Modell“ in den unteren Ligen im Kreis Donau stößt kaum noch auf Kritik. Welche Vereine aus dem Landkreis die Spielart Neun gegen Neun besonders häufig angewandt haben.

Eine gewisse Skepsis konnte man den Vereinsvertretern im vergangenen Frühjahr schon anmerken, als die Einführung des sogenannten „Flex-Modell“ im Fußball-Kreis Donau diskutiert wurde. Doch sie stimmten schließlich mehrheitlich zu, dass zu Beginn der Saison 2019/2020 in den B-Klassen West I, II, III und IV sowie in einigen Reservegruppen im Bedarfsfall die Mannschaftsstärke auf neun Mann reduziert werden kann. Dadurch soll vermieden werden, dass es insgesamt zu weniger Spielabsagen kommt und die Klubs ihre Akteure auch dann auf den Platz schicken können, wenn Personalmangel herrscht. Wie viele Vereine nach einem knappen Drittel der Saison den Joker „Flex-Modell“ bereits gezogen haben und ob es tatsächlich weniger Spielabsagen gegeben hat? Wir haben exemplarisch auf die B-Klassen West III und West IV geschaut.

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Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (acht Spieltage) kam es sogar zu einer Spielabsage mehr. Waren es damals bis Ende September zwei, so sind es heuer deren drei. An der Einführung des „Flex-Modell“ liege dies aber auf keinen Fall, wie Kreis-Spielleiter Franz Bohmann aus Bliensbach glaubt. „Ohne die Möglichkeit, Spiele mit neun Mann gegen neun Mann auszutragen, hätten wir wesentlich mehr Absagen gehabt“, so der Funktionär des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV). Allein in der B-Klasse West IV wurden bis zum achten Spieltag 17 Spiele mit reduzierter Mannschaftsstärke ausgetragen (sechs Begegnungen in der B-Klasse West III). In den meisten Fällen sei dies aus Personalmangel geschehen. Ganz ausschließen, möchte Bohmann nicht, dass manchmal aus taktischen Gründen der Joker „Flex-Modell“ gezogen wird. „Kleine Lumpereien wird es immer mal geben“, kennt der Obmann seine Pappenheimer.

Lob vom FC Lauingen

Beim FC Lauingen, so versichert Sportleiter Joachim Hauff, denke keiner an Schummeleien. Bisher habe man lediglich einmal fristgerecht ein Spiel der zweiten Mannschaft in der B-Klasse West IV mit Neun gegen Neun beantragt und war froh über diese Möglichkeit. „Ansonsten hätten wir wohl absagen müssen“, gesteht Hauff. Im Verein musste man im Frühsommer sogar überlegen, ob aufgrund von Spielermangel die zweite Mannschaft abgemeldet werden muss. Doch dazu ist es zum Glück nicht gekommen. Man habe, so Hauff, einige Spieler reaktivieren können und sei dadurch noch enger zusammengerückt. Das „Flex-Modell“ seitens des BFV im Kreis Donau einzuführen, sei auf jeden Fall eine gute Entscheidung gewesen. Prinzipiell seien Spiele Neun gegen Neun jedoch nicht so interessant. Deshalb werde der FC Lauingen laut Hauff jede Woche versuchen, eine komplette Mannschaft aufzubieten.

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Darum bemüht man sich auch beim SSV Peterswörth, der mit seiner zweiten Mannschaft ebenfalls in der B-Klasse West IV beheimatet ist. Ohne Einführung des „Flex-Modell“ hätte die Reserve des SSV vielleicht schon aus dem Spielbetrieb genommen werden müssen. Aufgrund von Urlaubern und verletzten Spielern konnte das Team am dritten Spieltag nicht antreten, musste man die Punkte freiwillig der SG Mödingen-Bergheim überlassen. Bei insgesamt dreimal Nichtantreten, so Kreisspielleiter Franz Bohmann, werden Mannschaften vom Punktspielbetrieb der laufenden Saison herausgenommen. Das „Flex-Modell“ hat dem SSV Peterswörth jedoch geholfen. Insgesamt viermal musste bisher der Joker schon gezogen werden, um wenigstens mit neun Mann ein Spiel austragen zu können. „Über diese Möglichkeit sind wir mehr als froh“, gesteht SSV-Vorsitzender Erwin Feroudj. Probleme bekomme man oft an Spieltagen, wenn die erste und zweite Mannschaft an getrennten Orten spielen müsse. „Da können wir dann nicht auf den 13. oder 14. Mann aus der Ersten zurückgreifen“, schildert Feroudj.

Dank an Unterliezheim

Noch keine einzige Begegnung hat in der B-Klasse West III der SV Wortelstetten mit seiner zweiten Mannschaft mit neun Mann bestritten. Einerseits, weil die bisherigen Gegner den Joker „Flex-Modell“ noch nicht ziehen mussten, andererseits auch, weil es bisher immer gelungen ist, elf eigene Mann auf den Platz zu schicken. Mit Ausnahme vom vergangenen Wochenende. Da häufte sich durch die Mais-Ernte, Urlauber und verletzte Spieler die Zahl der Ausfälle, dass es selbst mit Akteuren aus der AH-Mannschaft und der A-Jugend nicht einmal für ein Neunerteam gereicht hätte, wie Abteilungsleiter Matthias Buder erklärt. Dem SC Unterliezheim sei man deshalb dankbar, dass er einer Verlegung der Partie auf den 24. November zugestimmt hat.

Ebenso wie für Joachim Hauff und Erwin Feroudj ist für Matthias Buder die Einführung des „Flex-Modell“ der richtige Weg, den man im Fußball-Kreis Donau gegangen sei. „Ein vernünftige Sache“, betont denn auch der Wortelstetter Abteilungsleiter und verweist auf den begonnen Herbst, in dem bei manchen Akteuren in den unteren Ligen das Interesse am Training und an einem Spiel bei miesem Wetter doch etwas nachlassen würden. Gut möglich, dass angesichts dieser Aussichten in allen B-Klassen im Kreis Donau bis zum Saisonende die 100er-Grenze überschritten wird. Bis Ende September waren es bereits 47 Begegnungen, die mit Neun gegen Neun angepfiffen wurden.

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