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Landkreis Dillingen

24.09.2019

Eine Sportart muss sich hinten anstellen

Versteckt hat sich in den vergangenen Jahren der Basketballsport im Landkreis Dillingen. Derzeit nur noch drei Mannschaften des BSC Wertingen am Punktspielbetrieb teil.
Bild: Julian Leitenstorfer

Basketball: Warum im Landkreis Dillingen mit dem BSC Wertingen nur noch ein einziger Verein am Verbandsspielbetrieb teilnimmt. Auch die Volleyballmannschaften sind in den vergangenen Jahren immer weniger geworden.

Der Herbst hat Einzug gehalten. Und mit der dritten Jahreszeit geht es für zahlreiche Mannschaftssportler in die Halle. Ob Handballer, Tischtennisspieler, Volleyballer oder Basketballer – jetzt wird wieder unter dem geschlossenen Dach um Punkte, Tore, Sätze, und Körbe gekämpft. Wobei eine Sportart im Landkreis Dillingen seit geraumer Zeit nur noch ein Mauerblümchendasein fristet. „Wir sind die Einzigen, die noch übrig geblieben sind“, stellt Rainer Zobl vom BSC Wertingen fest. Der 47-Jährige ist seit dem Jahr 2000 Vorsitzender eines Clubs, der ausschließlich Basketball anbietet und mit lediglich 80 Mitgliedern zu den kleinsten Sportvereinen in der Region zählt. Mit dem Heimspiel gegen Viktoria Augsburg startet die Wertinger Herrenmannschaft am kommenden Sonntag, 14 Uhr, in der Stadthalle in die neue Saison der Bezirksklasse. Ferner nehmen eine männliche U20-Mannschaft sowie ein weibliches U16-Team am Punktspielbetrieb teil.

Persönliches Engagement in Wertingen

Dass in Wertingen Basketball überhaupt noch angeboten werden kann, sei ausschließlich auf das Engagement einiger weniger Leute zurückzuführen, die selbst noch in der ersten Mannschaft spielen und den Spielbetrieb und das Training organisieren. Dazu gehören unter anderem der in Allmannshofen wohnende Johannes Sauler als Abteilungsleiter, Spielertrainer Adam Schaub, der in Augsburg wohnt und Gentrit Rudari. Rainer Zobl selbst kann seit 2003 nur aus der Ferne unterstützend eingreifen. Der Vater von drei Kindern wohnt mit seiner Familie im 270 Kilometer entfernten Aschaffenburg, hat in dieser Zeit aber nie den Kontakt nach Wertingen abbrechen lassen. Der Grund ist nicht nur die gebliebene Liebe zu seiner Heimatstadt, in der er fünf bis sechsmal im Jahr seine dort lebenden Eltern besucht, sondern auch Freundschaften zu ehemaligen Schul- und Basketballfreunden.

An interessierten Korbjägerinnen und Korbjägern mangelt es nach Ansicht von Zobl in der Region nicht, um weitaus mehr Basketballmannschaften in den Spielbetrieb schicken zu können. „Es fehlt halt brutal an Leuten, die das alles organisieren“, lamentiert der BSC-Vorsitzende und erhält dabei volle Zustimmung von Erika Schweizer, der Vorsitzenden beim TV Dillingen. In der Kreisstadt wurde der Basketball-Spielbetrieb vor zehn Jahren eingestellt. „Bei uns gibt es diese Abteilung schon gar nicht mehr“, bedauert Erika Schweizer diese Entwicklung. Der Grund dafür sei fehlendes Personal, das sich um den Basketballsport kümmere. Ohne Übungsleiter und Menschen, die den Spielbetrieb organisieren, funktioniere dies nicht. Erika Schweizer ist jedoch überzeugt, dass es in einer Stadt wie Dillingen mit knapp 20000 Einwohnern möglich wäre, genügend Spielerinnen und Spieler zu finden, die Interesse hätten, in einer Mannschaft Basketball zu spielen. Eine Sportart, in der mit Dirk Nowitzki und Dennis Schröder zwei Deutsche in der amerikanischen Basketballliga NBA für Furore sorgten beziehungsweise weiter sorgen werden.

Auch durch diese beiden Aushängeschilder ist Basketball in Bayern allgemein im Aufwind, wie Rainer Zobl weiß. Als einer von insgesamt vier Regionaliga-Schiedsrichtern, welche der TSV Wertingen stellt, kommt der BSC-Vorsitzende viel in süddeutschen Hallen herum und weiß, von was er spricht. Einen zusätzlichen Boom hätte nach seiner Ansicht ein etwas besseres Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der kürzlich in China ausgetragenen Weltmeisterschaft bewirken können. Wobei Zobl einräumt, dass dies für den BSC Wertingen wohl kaum Auswirkungen gehabt hätte. Der Kreis derjenigen, die sich im Verein engagieren, sei einfach zu klein. Derzeit spielt Zobl ernsthaft mit den Gedanken, ob er bei den anstehenden Neuwahlen im kommenden Frühjahr seinen Posten als Vorsitzender zur Verfügung stellen soll. Die Distanz zwischen seinem Wohnort Aschaffenburg und Wertingen sei einfach sehr groß. Im Falle einer Nichtkandidatur ist Zobl aber zuversichtlich, dass es Leute gibt, die den kleinen BSC Wertingen weiter am Leben erhalten. Und sollte sich wider Erwarten eines Tages mal niemand mehr finden, der Verantwortung übernehmen möchte, bliebe als Option die Überlegung, sich als Abteilung beim großen Bruder TSV Wertingen einzugliedern.

Vor vier Jahren hat der TV Lauingen seine Herrenmannschaft vom Punktspielbetrieb abgemeldet, ein Jahr zuvor das Jugendteam. Die mangelnde Bereitschaft, im organisatorischen Bereich Verantwortung zu übernehmen, seien nach Auskunft von Abteilungsleiter Timur Kaya die Gründe dafür gewesen. Selbst eine vorübergehende Zusammenarbeit mit dem TV Dillingen brachte nicht den erhofften Erfolg. Ganz ist Basketball von der Lauinger Bildfläche seitdem aber nicht verschwunden. In lockeren Trainingsgruppen treffen sich Jugendliche und Erwachsene in der Halle des Albertus-Gymnasiums zweimal in der Woche zu Spielchen. Auch deshalb hat Timur Kaja die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es eines Tages vielleicht doch wieder gelingt, in der untersten Liga einen Neubeginn zu starten.

Rückläufig ist im Landkreis auch die Zahl der Volleyballmannschaften geworden. „Es läuft bei uns nur noch schleppend“, gesteht Vorsitzende Erika Schweizer. In dieser Saison nimmt noch eine Herrenmannschaft am Spielbetrieb teil. Schon seit mehr als zehn Jahren schlagen vom TSV Wertingen und vom TSV Lauterbach keine Teams mehr auf. Die Mannschaften wurden abgemeldet. Neben dem TV Dillingen schicken der TV Gundelfingen und der TV Lauingen diese Saison je zwei Teams in die Punktrunde. Die Gundelfinger zwei Frauenteams, die Lauinger eine Herrenmannschaft und den männlichen U13-Nachwuchs.

Regelrecht ins Schwärmen gerät Erika Schweizer, wenn sie über die aktuelle Situation im Tischtennis bei ihrem Verein spricht. „Es läuft gigantisch“, bricht es aus der 59-Jährigen heraus. Dillingen sei dank des Engagements von Abteilungsleiter Martin Lodner sogar Landesstützpunkt geworden. Doch nicht allenthalben im Landkreis läuft es so perfekt, wie Spielgruppenleiter Jürgen Rauskolb aus Mertingen weiß. Ein drastischer Rückgang sei vor allem beim weiblichen Nachwuchs zu spüren. „Da haben wir kaum noch Mannschaften im Spielbetrieb“, bedauert der Tischtennis-Funktionär. Dass die Anzahl der Teams bei den Herren kaum rückläufig geworden ist, führt Rauskolb auf die Tatsache zurück, dass das Spiel mit dem kleinen Zelluloidball eine Sportart sei, die auch im Alter von 60 Jahren und darüber noch ausgeübt werden kann. Und dennoch, so der langjährige Kreis-Jugendwart, sei sie längst nicht so attraktiv wie zum Beispiel der Fußball. Das liege nach seiner Ansicht vor allem an den visuellen Medien, die Hallensportarten wie Tischtennis, Volley- oder Basketball oft sehr stiefmütterlich behandeln.

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