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Tanzsport

15.11.2017

Mit 51 noch hip-hop

Ute Strobel schafft es bei der WM in Kopenhagen mit ihrer Ü30-Gruppe auf den dritten Platz. Warum auch Akrobatik-Elemente für die Bachtalerin kein Problem sind

Eigentlich stammt sie aus dem württembergischen Giengen, wohnt jetzt aber im bayerischen Oberbechingen. Sie ist 51 Jahre alt und mit Leib und Seele Hip-Hop-Tänzerin. Wie andere darauf reagieren? „Ich bekomme eigentlich immer positive Rückmeldungen“, sagt Ute Strobel, „vor allem, wenn sie mich beim Tanzen gesehen haben.“ Mit ihren beiden Formationen, der sogenannten Smallgroup, bestehend aus sieben Tänzern, und der großen Formation mit 19 Tänzern, war sie im Oktober sogar bei den Hip-Hop-Weltmeisterschaften in Kopenhagen – und holte dort Bronze sowie den vierten Platz.

Der Weg zu diesem Erfolg begann im Jahr 2003. Musik-Videoclips haben Strobel zum Hip-Hop gebracht. „Da dachte ich mir immer: So will ich auch tanzen können“, sagt die 51-Jährige lachend. Gesagt, getan. In der Tanzschule in Giengen hat sie damit begonnen. Nach einem Jahr suchte Strobel aber bereits nach neuen Herausforderungen und konnte dann zum ersten Mal Meisterschaftsluft mit einer Heidenheimer Showtanzgruppe schnuppern. Die nächste Station war ab 2010 die Giengener Showtanzgruppe „Be Twisted“.

Hier war Strobel nicht nur selbst Tänzerin, sondern Trainerin und Choreografin. Nach drei Jahren dann das vermeintliche Aus: „Ich war damals 48 und hatte zwischen den vielen jüngeren Tänzern das Gefühl, zu alt zu sein“, erklärt sie ihren vermeintlichen Abschied.

Letztlich dauerte die Ruhephase nur zwei Wochen. Über Facebook wurde sie von Michaela Majsai vom Hip-Hop-Tanzzentrum beim SV Edelstetten kontaktiert. Ihr fehlten Leute in der Gruppe der Jungsenioren – so werden die Ü30-Tänzer auch genannt. „Eigentlich wollte ich ja aufhören, bin dann aber doch mal ins Training und war sofort Feuer und Flamme“, so die zweifache Mutter, die inzwischen auch ein Enkelkind hat. Die Atmosphäre zwischen Gleichaltrigen sei einfach eine ganz andere. „Das hat sofort gepasst und es macht so viel Spaß“, sagt sie. Außerdem sieht sie sich selbst nicht als Trainerin und möchte lieber nur Tänzerin sein.

Und dabei ist es auch geblieben – bis heute. Wenn keine Meisterschaft ansteht, wird einmal pro Woche in der Tanzschule Michaela Majsai trainiert. Vor den Meisterschaften wird das Pensum dann deutlich erhöht. Fünfmal pro Woche Training, Choreografie verinnerlichen, und das auch am Wochenende.

Gar nicht so leicht für die berufstätige Ute Strobel. Edelstetten liegt nämlich in der Nähe von Krumbach, also knapp 50 Kilometer Fahrtweg. „Da kommt man schon mal nachts um ein Uhr nach Hause und muss morgens wieder zur Arbeit“, so die Bachtalerin, die in Heidenheim im Sekretariat der medizinischen Klinik für Onkologie und Gastroenterologie arbeitet.

Nicht zu vergessen sind die Hausaufgaben, die ihre Trainerin jedem aufgibt. So kann man beispielsweise den richtigen Gesichtsausdruck, der in die Bewertung mit einfließt, zu Hause üben. Wer es dann letztendlich in die Formationen schafft, hängt nämlich nicht nur von Fitness und Können ab. Auch die Optik spielt eine Rolle. „Man muss sich einen Spiegel in der Mitte der Formation vorstellen. Alle müssen gespiegelt, also synchron tanzen“, erklärt Strobel. „Deshalb tragen wir Kappen. Das ist besser für die Synchronität“, weiß sie und erklärt, dass unterschiedliche Haarfarben hier ein Problem darstellen können.

Wenn die Formation steht, muss die erste Hürde gemeistert werden: die süddeutsche Meisterschaft. Hier belegte die Tanzgruppe von Strobel den ersten Platz und qualifizierte sich somit für die deutsche Meisterschaft im Mai in Hamburg, wo sie es auch aufs Siegertreppchen schaffte. Allein mit der Qualifikation für die IDO-Weltmeisterschaft in Hip-Hop, Breakdance und Electric Boogie war es nicht getan. „Das ganze Team muss bereit sein und dahinterstehen“, sagt sie. Schließlich mussten alle bis nach Kopenhagen reisen. Hinzu kommen die Kosten für die Outfits und der große Zeitaufwand für die Vorbereitung. Und dennoch entschied sich das Ü30-Team dafür.

Die Weltmeisterschaft dauerte dann insgesamt fünf Tage. Am ersten Tag war Strobel direkt mit der kleinen Formation „Yummy Red Unit“ dran. Gegen 16 andere Teams musste die Truppe aus Edelstetten antreten. In drei Runden, in denen immer dieselbe Choreo getanzt wurde, hat es das Team auf Platz drei geschafft. Die größte Schwierigkeit: Die Smallgroup muss zu vorgegebener und nicht bekannter Musik tanzen. Die große Formation, die aus 19 Ü30-Tänzern besteht, schaffte es auf Rang vier. Für Strobel ist aber nicht der Erfolg ausschlaggebend, sondern der Spaß. Das Besondere am Hip-Hop ist für sie, dass sich jeder für den anderen freut, mittanzt und feiert, wenn eine gegnerische Gruppe gut ist.

Trotzdem ist so ein Wettkampftag nicht nur Spaß, sondern harte Arbeit. Strobel ist nämlich diejenige, die Akrobatik-Elemente in die Choreografie mit einbringt und sich in die Luft werfen lässt oder mit einem Flickflack die Show beendet. „Wenn man Sportler ist, bewegt man sich einfach gerne“, so Strobel, die schon immer aktiv war. Bereits mit fünf Jahren hat sie mit dem Leistungsturnen begonnen, spielte Volleyball und joggt gerne. „Durch das Turnen habe ich die Kraft und die Körperspannung, die man fürs Hip-Hop-Tanzen braucht. Das kommt mir zugute.“

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