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Interview

27.12.2019

Nach Verletzungen: Marina Sauter hat den A-Kader im Visier

Marina Sauter im Dezember vor zwei Jahren beim IBU-Junior-Cup in Ridnaun/Südtirol. Jetzt nimmt die sympathische junge Bächingerin auch bei den Erwachsenen die Qualifikation für den IBU-Cup ins Visier.
Bild: Harald Deubert

Plus 2016 war Marina Sauter Jugend-Weltmeisterin – nach einem von Verletzungspause und Erkrankung geprägten Jahr 2019 peilt die Bächingerin (22) als Nahziel das Startrecht beim IBU-Cup an.

Als sie zehn Jahre alt war, erfolgte die Initialzündung via TV: „ Biathlon – ein cooler Sport!“, befand die junge Dame aus Bächingen und marschierte zum Probetraining nach Ulm. Inzwischen zählt Marina Sauter 22 Lenze und ist von Beruf Zolloberwachtmeisterin. Die Sportgruppe ihres Dienstherren macht’s möglich, dass sie Biathlon als Leistungssport betreiben kann. Talent hat sie, Erfolge stellten sich schnell ein. 2016 wurde Marina Sauter Jugend-Weltmeisterin. Inzwischen hat sie aber auch die Schattenseiten ihrer sportlichen Leidenschaft kennengelernt. Etwa eine Verletzung in der vergangenen Saison. Doch aufgeben gilt nicht: Marinas langfristiges Ziel bleibt der Aufstieg in den deutschen A-Kader. Heuer ist ihr erstes Jahr im Erwachsenen-Bereich. Vor der Wettkampfsaison gab es aber wieder einen kleinen Rückschlag. Wir sprachen mit Marina Sauter über ihre Perspektiven.

Marina Sauter: Schwarzwald statt Bächingen

Weihnachten verbrachten Sie daheim in Bächingen, feiern Sie da auch den Jahreswechsel?

Sauter Nein, gleich nach Weihnachten geht es weiter zum Training an meinen Stützpunkt im Schwarzwald und eventuell nach Lenzerheide in die Schweiz.

Nach Verletzungen: Marina Sauter hat den A-Kader im Visier

Die ersten Wettkämpfe im Dezember liegen schon hinter Ihnen – mit drei vierten und einem dritten Platz beim Alpencup in Obertilliach/Osttirol bzw. Deutschland-Pokal im Martell-Tal/Südtirol. Zufrieden?

Sauter Eigentlich nein. Es ist nicht das, was ich mir erwarte. Es fehlt mir derzeit noch an der nötigen Wettkampfhärte und der Zahl der Rennen. Nach der Oberschenkelverletzung musste ich ja die vergangene Saison vorzeitig beenden. Im August habe ich dann einen grippalen Infekt verschleppt, musste vier Wochen mit dem Training aussetzen und konnte nicht bei der deutschen Meisterschaft im September starten.

… wo es um die Kader-Qualifikation ging?

Sauter Genau. Ich hatte da dann keine Ergebnisse. 20 Damen haben sich für zwölf Plätze im A- und B-Kader beworben. Jetzt muss ich mich über den Deutschland-Pokal hocharbeiten. Ziel ist ab sofort, meine Trainingsleistung im Wettkampf zu bringen und zu stabilisieren. Und mich für den IBU-Cup, die „zweite Liga“ des Biathlon-Sports, zu qualifizieren. Meine nächsten Wettkämpfe finden am 11./12. Januar beim Deutschland-Pokal im Schwarzwald statt. Ein verlorenes Jahr ist nicht so schnell aufzuholen. Aber ich gebe nicht auf.

Im Alter zwischen 18 und 20 ging es bei Ihnen sportlich flott nach oben …

Sauter 2018 habe ich im IBU-Junior-Cup geführt, dann kam die Verletzung. Jetzt, im ersten Jahr bei den Damen, ist es wohl die schwerste Phase meiner bisherigen Karriere.

Janina Hettich, Ihre Trainingspartnerin im Schwarzwald, kam gerade zu Weltcup-Einsätzen. Anna Weidel oder Marion Deigentesch, die nur wenig älter sind als Sie, ebenso. Was geht Ihnen da so durch den Kopf?

Sauter Gegen alle bin ich schon gelaufen. Sie waren damals auf einem Niveau mit mir.

Wenn da nur nicht Ihre Verletzung und Krankheit gewesen wäre …

Sauter Es ist schon hart zu akzeptieren. Ich denke aber, dass ich wieder mithalten kann. Momentan fehlt mir jedoch der direkte Vergleich.

Sie stehen im baden-württembergischen Landeskader, im Förderkader des Deutschen Skiverbands und im DSV-Perspektivteam 2026 – dem Jahr der Winterspiele in Italien. Wollen Sie zu Olympia?

Sauter Das Perspektivteam ist, wie der Name ja sagt, daraufhin aufgebaut. Ich bin motiviert, will langfristig bei der Stange bleiben und habe den A-Kader im Fokus.

Da wartet víel Arbeit auf Sie: Wie hoch ist der Trainingsaufwand?

Sauter Beim Trainingslager in Norwegen waren es 25 Stunden pro Woche. Im Herbst 22. Je näher es an den Saisonstart geht, desto geringer wird der Umfang, während die Trainingsintensität steigt.

Im Schießen stärker

Schießen oder Laufen – wo sind Sie besser?

Sauter Im Schießen. Das mit einem guten Laufen ist schwierig. Es braucht Zeit, um hier die Trainingsleistung auch im Wettkampf zu bringen. Mein Aufbau ist dabei auf den Januar hin ausgerichtet.

Bei Ihrem sportlichen Vorbild war es anders herum: Magdalena Neuner war meist schnell in der Loipe und am Schießstand öfter mal etwas wackelig. Können Sie eigentlich nachvollziehen, dass Neuner, so wie jetzt auch Laura Dahlmeier, schon Mitte 20 aufgehört haben?

Sauter Ich kann das schon verstehen. Biathlon ist ein knallhartes Geschäft. Ab 13, 14 betreibt man Leistungssport, ist immer unterwegs. Nicht nur in der Wettkampfsaison. Von Ende April bis Ende November sind harte Trainingsmonate. Da gibt es viele Tage, an denen man leidet, etwa bei sechs Stunden auf Rollerskates und 30 Grad. Wenn man dann nicht zu hundert Prozent für seinen Sport brennt, muss man aufhören.

Sie haben in Mittenwald ja auch schon mal mit Laura Dahlmaier trainiert und dann zusammen ein Fußball-Spiel in der Allianz-Arena besucht …

Sauter Da kann man dann sehen, dass für den Erfolg auch in anderer Hinsicht ein Preis zu zahlen ist. Man kann nirgends hingehen, ohne erkannt und angesprochen zu werden. Laura war damals mit Mütze und dunkler Brille im Stadion.

Apropos Erfolg: Die Liste deutscher Biathlon-Topdamen ist lang. Uschi Disl, Andrea Henkel, Kati Wilhelm, Martina Glagow, um nur noch einige weitere zu nennen. Los ging es in den späten 80er-Jahren. Sagen Ihnen eigentlich die Namen Petra Schaaf, Antje Misersky oder Simone Greiner-Petter-Memm etwas?

Sauter (schmunzelt) Nein, das war vor meiner Zeit.

Aktuell sind die deutschen Damen – vorsichtig formuliert – verhalten in den Winter gestartet. Wird das noch etwas in dieser Saison?

Sauter Ich denke, ja. Es ist eine Umbruchsituation. Seit vergangener Saison gibt es neue Trainer. Und keine Dahlmair mehr, die das dann schon geschaukelt hat, wenn die anderen mal etwas schwächer waren. Eine Siegläuferin wie Neuner also, die das regelt. Die Leistungsdichte im Team ist nicht mehr so hoch, dazu kommt der Konkurrenzdruck durch die jüngeren Athletinnen. Aber mit Blickrichtung auf die Weltmeisterschaft im Februar in Antholz glaube ich, funktioniert das Damen-Team dann wieder besser.

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