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Unterthürheim

28.06.2019

Ohne Fußball geht bei ihr gar nichts

Gemeinsam mit ihrem Ehemann Heinz Demeter, einem ehemaligen Schiedsrichter (Bild links), verfolgt Irmgard Demeter, geborene Mayerhofer, die Frauen-WM in Frankreich intensiv. 
Bild: Herdin

Was Irmgard Demeter, geborene Mayerhofer, zu den Titelkämpfen in Frankreich zu sagen hat und welche Erinnerungen die Unterthürheimerin an ihre erfolgreiche Zeit beim FC Lauingen hat.

Wenn Irmgard Demeter am Samstag den überregionalen Sportteil ihre Heimatzeitung aufschlägt, dann ärgert sie sich vermutlich einmal mehr. „Warum gibt es keine tägliche Grafik mit dem Spielplan der gesamten Frauen-WM?, fragt sie den Reporter vorwurfsvoll und fügt spontan hinzu: „Bei der Männer-WM gibt es das doch auch.“ Ja, die 59-Jährige nimmt kein Blatt vor den Mund und kritisiert die Presse, wenn es um den von ihr so geliebten Fußball geht. Der war und bleibt ihre ungebrochene Leidenschaft. Ehemann Heinz, den sie während ihrer aktiven Zeit als Schiedsrichterin in der Gruppe Donau kennengelernt und vor knapp 25 Jahren geheiratet hat, nickt und ergänzt: „Der Frauenfußball ist in der großen Öffentlichkeit immer noch eine Art Stiefkind.“

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Sie schaut sich das Viertelfinalspiel auf jeden Fall an

Dabei habe sich aus Sicht des sportbegeisterten Ehepaares in den vergangenen Jahren jedoch einiges gebessert. Die Übertragungszeiten im Fernsehen von Großereignissen wie Welt- und Europameisterschaften hätten gefühlsmäßig deutlich zugenommen, stellt das in Unterthürheim wohnenden Paar fest. Bisher haben die Demeters kaum ein Spiel bei der WM in Frankreich verpasst. Klar, dass sie sich heute Abend auch das Viertelfinalspiel der deutschen Mannschaft gegen Schweden anschauen werden und dabei dem Team um Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg die Daumen drücken. Ob dies allerdings zum Erfolg reicht? Irmgard Demeter würde Alexandra Popp, Lena Gößling und Co. den Titel wünschen. Doch Deutschland befinde sich im Umbruch und die anderen Nationen hätten deutlich aufgeholt, gibt Demeter zu bedenken. Sie glaube nicht, dass es am Ende für die junge deutsche Truppe zum großen Coup reicht.

Bevor die Wahl-Unterthürheimerin über ihre eigene Zeit als aktive Spielerin zu sprechen kommt, muss die ehemalige Schiedsrichterin noch einen Satz zum angewandten Videobeweis bei der WM loswerden: Vor allem die lange Unterbrechung nach einem umstrittenen Handspiel im Achtelfinale zwischen den Niederlanden und Japan (2:1) kurz vor Schluss habe sie genervt. Wenn es vier bis fünf Minuten dauert, bis entschieden wird, was Sache ist, gehen einfach zu viele Emotionen verloren, ist Demeter keine Befürworterin des Videobeweises.

Ohne Fußball geht bei ihr gar nichts

Beim FC Lauingen ihren Lehrmeister gefunden

Viele Emotionen legte die in Steinheim unter ihrem Mädchennamen Mayershofer aufgewachsene Sportlerin beim Training und in den Spielen stets an den Tag, wie sich ehemalige Weggefährtinnen erinnern. Bevor sie im Alter von 16 Jahren erstmals in der Mannschaft des FC Lauingen spielte, kickte sie in ihrem Heimatort meistens auf einer abgemähten Wiese mit den Buben und drosch beim Alleintraining den Ball immer wieder ans Stadeltor des bäuerlichen Anwesens ihrer Steinheimer Tante. Den Kontakt zum FC Lauingen stellte damals übrigens ihr beruflicher Lehrmeister, Metzger Hubert Aninger, her. Zum Training wurde Irmgard Mayershofer zweimal pro Woche vom damaligen Lauinger Funktionär Kurt Danter abgeholt und nach Hause gefahren. Die Eltern hatten kein Auto, und Irmgards Bruder Richard lehnte Fahrdienste ab. Zehn Jahre dauerte ihre aktive Zeit beim FCL. Dabei avancierte Irmgard Mayershofer nicht nur zur Torjägerin, im Jahr 1985 wurde sie von den Leserinnen und Lesern unserer Zeitung obendrein zur „Sportlerin des Jahres“ im Landkreis Dillingen gewählt.

Sie hat schon gegen FC Bayern München gekickt

Bei Spitzenspielen wie zum Beispiel gegen den FC Bayern München, mit dem die Lauinger Frauen in der damals höchsten Spielklasse, der Verbandsliga, spielten, kamen bis zu 150 Zuschauer ins Auwaldstadion. Bis 1987 war die „Grand Dame“ des Frauenfußballs im Landkreis beim FC Lauingen aktiv. Als sie sich in einem Punktspiel gegen den FC Bayern an der Säbener Straße auf Kunstrasen einen Kreuzbandriss zuzog, war sie nach zehn Jahren erstmals ausgefallen. Nur zweimal gab es für Irmgard in den Jahren 2000 und 2001 ein Comeback, als sie damals zunächst die Damenmannschaft des TSV Unterthürheim trainierte und sich eine Saison später für einige Spiele ins Tor stellte. Zu dieser Zeit war sie längst schon ein eine erfolgreiche Schiedsrichterin in der Region. Über 30 Jahre lang übte sie dieses Hobby aus und leitete vor allem Spiele im Herrenbereich.

So gut, dass sie dafür im vergangenen Jahr vom DFB bei einem Festakt in Dortmund als einzige Vertreterin aus Schwaben eine Auszeichnung erhielt. Inzwischen hat Irmgard Demeter die Pfeiferei beendet. Die Liebe zum Fußball allgemein und speziell zum Frauenfußball aber ist geblieben.

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