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Fußball

19.02.2021

Petrovics bekommt Gänsehaut bei jedem Stadionbesuch

Immer wenn Lörinc Petrovics im Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden ist, bekommt der Lauinger Fußball-Fan eine Gänsehaut.
Bild: Petrovics

Plus Fans: Warum der Lauinger Lörinc Petrovics ein ganz großer Fan von Drittligist Dynamo Dresden ist.

Wie verrückt muss man denn sein, um einer Fußballmannschaft die Daumen zu drücken, die 470 Kilometer entfernt von eigenen Wohnort ihre Heimspiele austrägt und zur Zeit nur in der dritten Liga kickt? Für Lörinc Petrovics aus Lauingen hat sich diese Frage noch nie gestellt. Er ist nämlich leidenschaftlicher Anhänger von Dynamo Dresden und würde Spiele des achtmaligen Meisters der DDR-Oberliga auch dann besuchen, wenn die Anreise doppelt so lang wäre. Seit 46 Jahren ist Lörinc Petrovics mit dem Dynamo-Virus infiziert. Und darüber ist der gelernte Bergwerkschlosser dankbar. Der in einem Vorort von Budapest geborene Ungar kam 1974 nach Dresden und verliebte sich sofort in die Stadt an der Elbe. Als er in jungen Jahren zum ersten Mal ein Spiel im altehrwürdigen Rudolf-Harbig-Stadion verfolgte, hatte er sein Herz sehr schnell auch an Dynamo verloren.

Unbeschreiblich sei die Stimmung bei jedem Heimspiel, der Akustikpegel sei mit keinem anderen Stadion in Deutschland zu vergleichen. Dabei hat Petrovics schon viele Spiele in den beiden obersten Ligen in Deutschland gesehen. Ob in München, Stuttgart, Nürnberg oder Augsburg – „mit den Dresdner Fans kann niemand mithalten“, ist der 65-Jährige begeistert. „Dynamo ist in Dresden eine Legende“, schwärmt er baldige Rentner, der 1989 von der Elbe an die Donau gezogen ist und zunächst in Dillingen eine Bleibe fand. Seit 2001 lebt Lörinc Petrovic mit seiner inzwischen dritten Frau im benachbarten Lauingen. Auch sie ist längst begeisterte Dynamo-Anhängerin und bekomme bei jedem Stadion-Besuch in Elb-Florenz, wie Dresden auch genannt wird, eine Gänsehaut. Unvergesslich bleibt für das Ehepaar Petrovics ein Spiel aus der Saison 2016/2017. Nach dem 2:1-Sieg gegen die SG Sonnenhof-Großaspach stand der Aufstieg von der dritten in die Zweite Liga fest. Stundenlang habe das gesamte Stadion gesungen, „auch meine Frau wollte nicht mehr aufhören“, lacht Lörinc Petrovics. Nicht nur ein Stadionbesuch in Dresden sei immer wieder ein Erlebnis, die sächsische Landeshauptstadt mit ihren Prachtbauten wie Zwinger, Schloss und Frauenkirche biete auch kulturell zahlreiche Highlights, schwärmt der Fußball-Fan aus Lauingen.

Innerdeutsche Duelle gegen den FC Bayern

Die größten sportlichen Erfolge feierte Dynamo in den 1970er Jahren im Europapokal. Unvergessen bleiben die beiden innerdeutschen Duelle 1973 gegen den FC Bayern München, bei denen der DDR-Meister mit 3:3 und 3:4 äußerst knapp die Segel streichen musste. Nach der Wende verlor Dynamo seine besten Spieler an Westvereine. Darunter Matthias Sammer und Ulf Kirsten. Dennoch konnte sich Dresden nach Eingliederung in die Bundesliga insgesamt fünf Jahre lang in der Beletage des deutschen Fußballs halten. In den Jahren danach entwickelte sich der Klub aus dem Osten zu einer Fahrstuhlmannschaft, pendelte zwischen Regionalliga, Dritter und Zweiter Liga hin und her. „Finanziell lief nicht alles rund“, weiß Lörinc Petrovics von oft hausgemachten Problemen. Aktuell führt Dynamo als Tabellenerster das Feld der 3. Bundesliga an. „Trainer Markus Kauczinski macht einen guten Job“, lobt Petrovics die Arbeit des Fußball-Lehrers. Überzeugt ist der Dynamo-Anhänger, dass sein Lieblingsklub den sofortigen Wiederaufstieg in Liga zwei schaffen wird. Doch dies soll noch lange nicht das Ende der sportlichen Fahnenstange sein. Spätestens wenn Lörinc Petrovics seinen 70. Geburtstag feiert, möchte er wieder bei einem Erstligaspiel im Dresdner Stadion sitzen und dort die einmalige Atmosphäre abermals genießen. „Ich bin überzeugt, dass Dynamo wieder Bundesligist wird“, zeigt sich Petrovics optimistisch.

Betreuer bei der SSV Dillingen

Bis es so weit ist, muss sich der Betreuer des Kreisklassisten SSV Dillingen zunächst noch mit Dritt- und Zweitligafußball zufrieden geben und sich zu Corona-Zeiten obendrein mit Übertragungen im Fernsehen begnügen. So wie am vergangenen Wochenende. Den 3:1-Erfolg seiner Lieblingstruppe gegen den VfB Lübeck hat er natürlich mit besonderem Interesse verfolgt. „Oft“, so der Petrovics, „schaue ich mir an einem Wochenende bis zu zehn Spiele im Fernsehen an“. Schließlich habe er Abos bei mehreren TV-Bezahlsendern. Langeweile kommt deshalb im Hause Petrovics kaum einmal auf.

Fan-Tipp: Am Samstag muss Dynamo Dresden zum Sachsen-Derby ins benachbarte Zwickau. „Keine leichte Aufgabe“, wie Lörinc Petrovics glaubt. Dennoch tippt er auf einen 3:1-Erfolg des Tabellenführers der Dritten Liga.

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