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Steinheim

19.08.2020

„Servus, ich bin der Ritschi“

Bei Richard Mayershofer dreht sich sehr viel um den Fußball. Der langjährige Schiedsrichter ist seit zwei Jahren auch Platzwart beim SSV Steinheim.
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Bei Richard Mayershofer dreht sich sehr viel um den Fußball. Der langjährige Schiedsrichter ist seit zwei Jahren auch Platzwart beim SSV Steinheim.
Bild: Herdin

Plus Fußball: Seit 43 Jahren ist der Steinheimer Richard Mayershofer Schiedsrichter und seit zwei Jahren Platzwart bei seinem Heimatverein. Was der gelernte Maurer mit dem Bezirk Schwaben zu tun hat.

In Fußballerkreisen ist er bekannt wie ein bunter Hund. Immer wenn er in der Region in seiner Funktion als Schiedsrichter auf verschiedensten Sportplätze kommt und dort Menschen trifft, wird er sofort gesprächig. „Servus, ich bin der Ritschi“, stellt er sich denjenigen vor, die ihn vielleicht doch noch nicht kennen. Richard Mayershofer aus Steinheim kann es nicht leiden, wenn man ihn siezt. Dabei hat sich der inzwischen 68-Jährige im Landkreis und darüber hinaus aufgrund seiner Tätigkeiten rund um den Fußball längst eine Menge Respekt und Anerkennung verdient.

Referee aus Leidenschaft

In jungen Jahren jagte er noch selbst beim SSV Steinheim und zwischendurch zwei Jahre beim FC Lauingen in der Bezirksliga dem runden Leder hinterher. Seine große Leidenschaft ist aber seit 1977 die Pfeiferei. Als Schiedsrichter hat er immerhin einige Jahre in der Bayernliga – der damals dritthöchsten Spielklasse in Deutschland – Begegnungen geleitet. Heute begnügt sich „Ritschi“ mit Spielen in der B-, A- oder Kreisklasse. Auch zu Jugendspielen wird Mayershofer hin und wieder eingeteilt. „Ja, ich brauche dieses Hobby“, gesteht der gelernte Maurer. Schiedsrichter zu sein sei für ihn trotz seiner Routine bei jedem Spiel immer wieder eine Herausforderung. Dass der Steinheimer von seinem Naturell her eher ein harmoniebedürftiger Mensch ist, beweist auch ein Blick in die Statistik: Ganze zwölf Rote Karten hat Mayershofer in 43 Jahren bei über 2000 Spielen gezückt. Und die hat er meistens mit kleinem Bauchweh verteilt. „Aber es ging einfach nicht anders“, betont der Regelhüter, der es freilich überhaupt nicht leiden kann, wenn Spieler glauben, man könne seine Gutmütigkeit auf dem Platz ausnutzen. Oft genüge ein einziges ernstes Wort, um wieder Ruhe und Fairness auf dem Spielfeld zu haben. Während der Corona-Krise musste Mayershofer fünf Monate warten, bis er endlich wieder als Referee gebraucht wurde. Zum Testspiel zwischen dem FC Donauried und der SSV Höchsätdt vor knapp zwei Wochen reiste er aufgrund der Hygienevorschriften bereits umgekleidet von Steinheim nach Blindheim.

In seiner Freizeit hat sich der Rentner – mit 60 Jahren trat der zuletzt als Zivilangestellter bei der Bundeswehr in Dillingen tätige Fan des 1. FC Köln in den Ruhestand – auch mit der Platzpflege bei seinem Heimatverein SSV Steinheim beschäftigt. Seit 2018 ist er mit zwei weiteren Kollegen für das Mähen zuständig und hat dabei jede Menge Spaß. „Wo ich helfen kann, dort helfe ich“, lautet sein Motto. Hin und wieder sind auch seine Fähigkeiten als Maurer gefragt. So hat er vor kurzem bei einem Kumpel den Giebel an dessen Haus heruntergeputzt. Wegen Corona hat Mayershofer für solche Dinge wieder etwas mehr Zeit.

Von Steinheim ins Ausland

Wäre die Epidemie nicht gekommen, „Ritschi“ hätte eine B-Jugendauswahl des Bezirks Schwaben für mehrere Tage zu einem Turnier in die Mayenne nach Frankreich begleitet. Seit 2002 ist Mayershofer Betreuer und Zeugwart für die 16-jährigen Kicker, die bei ihren Auslandsfahrten nicht nur Fußball spielen, sondern auch Land und Leute im Rahmen eines Kulturprogramms kennen lernen. Unter dem Motto „Vier Regionen für Europa“, nehmen an dem jährlichen Austausch neben den Auswahlteams aus Schwaben und der Mayenne auch Mannschaften und Delegationen aus der Bukowina teil: Suceava aus Rumänien und Czernowitz in der 60 Kilometer entfernten Stadt in der Ukraine. Gerade die Reisen in die beiden osteuropäischen Länder – gefahren wird immer mit dem Bus – haben es Mayershofer angetan. Geht es nach Czernowitz, werden die schwäbischen Gäste von der rumänisch/ukrainischen-Grenze an mit Begleitfahrzeugen eskortiert. Obwohl die meisten Menschen in der Bukovina kein Auto und keinen Fernseher besitzen, seien diese mit ihrem bescheidenen Leben sehr zufrieden, hat Mayershofer bei seinen jeweils vier Besuchen in Suceava und Czernowitz festgestellt. „Und das bei einem monatlichen Durchschnittseinkommen von knapp 300 Euro“, ergänzt der Steinheimer.

Anfang Juni besuchte Martin Sailer (links) Stefan Mayershofer in dessen Steinheimer Gartenhaus. Dort staunte der schwäbische Bezirkstagspräsident über die zahlreichen, Wimpel, Urkunden, Trikots und Bilder, welche der 68-Jährige gesammelt hat.
Bild: R. Mayershofer

Von seinen Reisen mit der B-Jugendauswahl in die drei anderen europäischen Regionen, die mit dem Bezirk Schwaben seit knapp zwei Jahrzehnten in engem Kontakt stehen, hat Richard Mayershofer Anfang Juni Bezirkstagspräsident Martin Sailer berichtet. Sailer reiste extra nach Steinheim, um sich dort vom langjährigen Betreuer der schwäbischen Auswahl zeigen und erklären zu lassen, was er dort erlebt und mit nach Hause gebracht hat. In einem eigens eingerichteten Raum seines Gartenhauses wimmelt es nur so von Urkunden, Bildern, Wimpeln und Pokalen. Auch die Trikots und die Aufwärm-T-Shirts für die Spieler der Schwabenauswahl sind dort vorzufinden. Bei dem Dialog mit Martin Sailer blieb es nicht lange beim „Sie“. „Auch der Bezirkstagspräsident darf mich seit seinem Besuch Ritschi nennen“, zwinkert Mayershofer mit dem linken Auge.

Nicht nur als Betreuer der schwäbischen B-Jugendauswahl hat sich der 68-Jährige längst einen Namen gemacht, Richard Mayershofer betreute auch 15 Jahre lang die DFB-Auswahlmannschaften der U17, U18 und U21. Mit Spielern wie Robert Ehnke, Nico Frommer, Ingo Hertzsch, Sascha Rösler oder Tobias Willi pflegte er lange Zeit ein enges Verhältnis. Auch ein Thomas Hitzlsperger, der jetzige Vorstandschef des VfB Stuttgart, gehörte dazu. Gar mancher von den Genannten hat ihn in Steinheim besucht und blieb sogar privat über Nacht. Dass Hitzlsperger und Co ihren damaligen Betreuer nicht mit „Herr Mayershofer“ ansprechen mussten, versteht sich wohl wie von selbst.

Faible für lange Radtouren

Dass „Ritschi“ so viel Zeit in sein Hobby investieren kann, habe er einzig und allein seiner Ehefrau Rita zu verdanken. Seit 43 Jahren ist er mit ihr verheiratet, in Sachen Fußball habe sie ihn immer an der langen Leine gelassen. Dafür hilft er ihr oft bei der Gartenarbeit. Ein Faible hat Mayershofer auch für längere Radtouren. Dabei ist er des Öfteren mit seinem Freund Anton Schnelle unterwegs. Mit einem ehemaligen Fußballer des FC Gundelfingen und SV Donaualtheim. Das sind dann Momente, in denen er den Kopf vom Fußball frei bekommt und die schöne Landschaft genießt.

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