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Weisingen

13.07.2020

Tausend macht einen entscheidenden Treffer

Die Meistermannschaft des FC Weisingen mit einigen jugendlichen Fans nach dem alles entscheidenden 1:1 gegen den BC Schretzheim in der Saison 1996/97.
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Die Meistermannschaft des FC Weisingen mit einigen jugendlichen Fans nach dem alles entscheidenden 1:1 gegen den BC Schretzheim in der Saison 1996/97.
Bild: Gerhards

Fußball-Rückblick: Der Spielertrainer des FC Weisingen erzielte im wichtigen Duell mit Schretzheim kurz vor Schluss den 1:1-Endstand und stieg mit seinem Team in die damalige A-Klasse auf. Was im Meisterjahr 1996/97 sonst noch los war.

Im ganzen Freudentaumel, der sich am 25. Mai 1997 auf dem Weisinger Sportplatz abspielte, hatten es Spieler und Verantwortliche von damals schlichtweg vergessen, wie viele Akteure des heimischen FCW beim alles entscheidenden Treffer durch Spielertrainer Heinz Tausend eigentlich noch auf dem Platz standen. Ob Wolfgang Steiner seine Rote Karte vor dem 1:1 in der 82. Minute zu sehen bekam und wann Teamkollege Johannes Heidel mit Gelb-Rot vorzeitig zum Duschen geschickt wurde, konnte erst nach intensiven Recherchen in dieser Woche final geklärt werden. Für die Weisinger Protagonisten von damals war und ist dies 23 Jahre nach dem letzten Aufstieg nur eine Randnotiz. Was zählt und fest in Erinnerung bleibt, ist die Tatsache, dass mit dem Remis am drittletzten Spieltag gegen den Tabellenzweiten BC Schretzheim die Meisterschaft in der B-Klasse Donau und der damit verbundene Aufstieg in die damalige A-Klasse Nord (jetzt Kreisliga) eingefahren wurde.

An Dramatik nicht zu toppen

Mit acht Punkten Vorsprung auf den schärfsten Verfolger gingen die Gastgeber in die Partie, die an Dramatik nicht zu überbieten war. Der Verfolger aus Schretzheim vergab durch Peter Aust kurz vor dem Pausenpfiff einen Elfmeter. Aust scheiterte am glänzend reagierenden FCW-Keeper Rene Wuttke. Die Angst des Schützen beim Elfmeter bewies in der zweiten Halbzeit auch Weisingens Martin Brunner. Er jagte den Strafstoß in der 68. Minute über die Querlatte. Im Rückblick kann der Ex-Spieler und damalige Abteilungsleiter in Personalunion über seinen Fauxpas lächeln: „Ich wollte es halt spannend machen“. Dabei muss ihm sieben Minuten nach seinem Fehlschuss das Herz in die Hose gerutscht sein: Die Schretzheimer gingen nämlich durch einen tollen Weitschuss von Steffen Aust in Führung. Die Weisinger sahen die Felle bereits davonschwimmen, zumal dann auch noch Wolfgang Steiner in der 82. Minute die Rote Karte zu sehen bekam. Doch was die Mannschaft in der hektischen Schlussphase in Unterzahl für einen Willen entwickelte, darüber freut sich noch heute der ehemalige Vorsitzende Johann Egger. Und auch der aktuelle Weisinger Vereinsboss Johann Tesar, damals als Spieler auf dem Platz, strahlt über alle Backen, als der damalige Spielertrainer Heinz Tausend schildert, wie er fast auf der Torlinie stehend den Ball nach einer Ecke mit dem Kopf zum 1:1 in die Schretzheimer Maschen drückte. Der Ausgleich war in der 86. Minute geschafft – der Schlusspfiff wurde nur noch herbeigesehnt. Bevor dieser endlich erfolgte, sah Wolfgang Steiner noch die Gelb-Rote-Karte. Diese ging bei den anschließenden Jubelarien der heimischen Spieler und Fans völlig unter.

Wenn ehemalige und aktuelle Spieler und Funktionäre des FC Weisingen an das „Jahrhundertspiel“ gegen den BC Schretzheim vor 23 Jahren denken, dann kommt allenthalben Freude auf. Stehend von links: Pressewart Tobias Duderstadt, Werner Sprengart, Gabriele Tesar (Dritte Vorsitzende), Johann Tesar (Erster Vorsitzender) und Archivar Josef Friegel. Vorne von links: Ex-Abteilungsleiter Martin Brunner und Spieler der Meistermannschaft von 1997, der damalige Spielertrainer Heinz Tausend sowie der ehemalige Vereinsboss Johann Egger.
Bild: Herdin

Torschütze und Spielertrainer Heinz Tausend gab in der Saison 1996/97 nur ein Intermezzo bei den Weisinger Kickern. In der Winterpause löste er Anton Schneider als FCW-Coach ab. Schneider wiederum wurde im Herbst für drei Spiele als Interimscoach engagiert, nachdem der eigentliche Trainer Robert Fetzer vorzeitig gehen musste. Da stand der FC auf Rang vier. Eine Platzierung, mit der auch Offensivspieler Werner Sprengart nicht ganz einverstanden war. „Wir hatten eine gute Mannschaft, konnten aber nicht alles abrufen“, erinnert sich das Weisinger Urgestein an den Start in die Meistersaison. Erst als der Syrgensteiner Heinz Tausend die Kommandos auf dem Kellerberg übernahm und mit seinen 41 Jahren noch selbst als Stürmer auf dem Platz stand, wurden die Leistungen derart konstant, dass das gesteckte Ziel „Aufstieg“ perfekt gemacht werden konnte.

Triumphfahrt durch Weisingen

Bei all den folgenden Feierlichkeiten im Vereinsheim und im Rathaus beim Empfang durch Bürgermeister Erhard Friegel sowie bei einer grandiosen Triumphfahrt auf mehreren extra hergerichteten Wagen durch Weisingen und das benachbarte Holzheim stand Heinz Tausend natürlich mit im Mittelpunkt. Wohl wissend, dass er in der folgenden Saison nicht mehr Trainer beim FCW sein würde. Wenige Tage vor dem entscheidenden Spiel gegen Schretzheim hatten es ihnen die Weisinger Verantwortlichen endlich „gebeichtet“, dass sie für die Saison 1997/98 mit Meinrad Böhm schon einen Trainer verpflichtet hatten. Die Zusage erfolgte bereits etliche Monate zuvor, als noch nicht abzusehen war, welcher „Trainerverschleiß“ im Aufstiegsjahr noch folgen würde. „Ich wäre schon noch gerne geblieben, bin aber niemanden böse“, betont Heinz Tausend beim freudigen Wiedersehen mit seinen Ex-Spielern.

Zwei Jahre nach der letzten errungenen Meisterschaft erfolgte der Abstieg in die inzwischen eingeführte Kreisklasse. Dort spielt der FC Weisingen nun ununterbrochen seit 21 Jahren. „Wir sind der Dino in der Kreisklasse“, schmunzelt Werner Sprengart, während Vorsitzender Johann Tesar ergänzt: „Es wäre wieder Zeit für einen Aufstieg“. Ob dieser noch bis zum anstehenden 100-jährigen Vereinsjubiläum im Sommer 2021 klappt, ist eher unwahrscheinlich. Aktuell steht der FCW in der wegen Corona unterbrochenen Saison auf Rang sechs mit gehörigem Rückstand auf Spitzenreiter Türk Gücü Lauingen. Die einzige Möglichkeit es doch noch zu packen, wäre über den geplanten Zusatzwettbewerb Ligapokal. „Dann halt so“, grinst Johann Tesar, der es gerne sehen würde, wenn sein 456 Mitglieder starker Klub in der Fußball-Hierarchie der insgesamt vier Vereine vom Aschberg die unterste Stufe bald verlassen würde. So wie vor 23 Jahren, als das unvergessliche Spiel gegen den BC Schretzheim ein wunderbares Happy End genommen hat ...

So haben sie gespielt

FC Weisingen – BC Schretzheim 1:1

FC Weisingen: Rene Wuttke, Armin Wieland, Michael Heidel, Johann Tesar, Johann Spring, Christian Reß, Martin Brunner, Peter Schmid, Dieter Wieland, Johannes Heidel, Wolfgang Steiner (Heinz Tausend, Werner Sprengart)

Tore: 0:1 (75.) Steffen Aust, 1:1 (86.) Heinz Tausend – Zuschauer: 200 – Besondere Vorkommnisse: Peter Aust (Schretzheim scheitert mit Foulelfmeter an Torhüter Rene Wuttke (44.); Martin Brunner (Weisingen) verschießt Foulelfmeter (68.) – Rote Karte für Wolfgang Steiner (Weisingen/82.) Gelb-Rot für Johannes Heidel (Weisingen/90.)

Serie: „Spiele, die man nicht vergisst“ (19). Das Coronavirus hat den Fußballsport in den Amateurklassen lahmgelegt. Was vorerst bleibt für die Fans, sind Erinnerungen an unvergessliche Begegnungen. Nicht nur auf internationaler und nationaler Ebene, sondern auch im lokalen Raum. In dieser Serie blicken wir auf herausragende Partien von regionalen Teams zurück. Heute auf den FC Weisingen.

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