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Sport-Talente? (6)

05.08.2017

Viel mehr als nur ein bisschen Federball

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Höchste Konzentration: Für Redakteur Berthold Veh war es alles andere als leicht, gegen Elke Cramer den Ball im Spiel zu halten.

Redaktionsleiter Berthold Veh absolviert bei der TVD-Badmintonabteilung ein Probetraining. Wie auf anfänglichen Hochmut zwar kein Fall, aber wahre Demut folgte

Hochmut kommt vor dem Fall, sagt ein altes Sprichwort. Und bei meiner Sporttalente-Erfahrung ist das ein wenig so. Meinen Kollegen jedenfalls teile ich an diesem Spätnachmittag ganz locker mit, dass ich jetzt ein wenig Federballspielen gehe. So habe ich Badminton bisher eingeschätzt. Und weil mir bei Tennis, Tischtennis und eben Federball in der weiter entfernten Vergangenheit der ein oder andere Schlag gelungen ist, war ich vor dem Talente-Test natürlich insgeheim überzeugt, dass ich beim Badminton auch als völlig untrainierter Zeitgenosse eine gute Figur machen würde. Schon beim Betreten der Dillinger Kneipphalle schwant mir, dass es ganz anders kommen könnte.

Die Netze hängen viel tiefer (auf 1,52 Meter), als ich es von Fernsehübertragungen her vermutet habe. Und auf dem Spielfeld gegenüber fetzen sich Michi Teuber und Tobias Güttinger auf eine Weise, dass es mir die Sprache verschlägt. Die beiden spielen beim TV Dillingen in der Zweiten Bundesliga. Als der Stellvertretende Leiter der Badminton-Abteilung Wolfgang Berchtenbreiter sieht, dass ich vor Staunen kaum mehr den Mund schließen kann, erklärt er: „Das ist ein schneller und harter Sport.“ Berchtenbreiter verrät mir, dass ein Federball aus 16 Entenfedern gemacht ist und etwa fünf Gramm wiegt. Nur im Eishockey werde der Puck schneller als der Federball. Na wenn das keine guten Aussichten für den Sporttalente-Test sind.

Meine Lehrerin und spätere Gegnerin ist an diesem Abend Elke Cramer, die in der Altersklasse 40 Vizeeuropameisterin geworden ist und jetzt für die WM in Indien qualifiziert wäre. „Da fliege ich aber nicht hin“, verrät die 49-Jährige. Zu aufwendig, zu teuer. Cramer erklärt den langen Grundschlag – den Clear. „Den Ball immer von oben über dem Kopf nehmen“, rät sie. Das Handgelenk locker halten. Es folgt der Drop aus dem Hinterfeld, ein Stop hinters Netz. Und der Drive, eine Art Geplänkel im Mittelfeld – der Ball soll schnell und flach übers Netz fliegen. Und dann der Smash, der Schmetterschlag. Schon nach den ersten kleinen Übungen bin ich total nassgeschwitzt. „Und jetzt machen wir ein kleines Lauftraining, den Clear von hinten, dann vorne am Netz einen Drop, und das Ganze wieder von vorne“, sagt Elke Cramer. Da komme ich schnell richtig außer Atem – und rette mich in eine Recherchepause.

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„Doch kein Federball?“, fragt Michi Teuber – und ich nicke bestätigend. Er und Tobias Güttinger verraten, was sie an Badminton so fasziniert. „Man braucht Kraft, Ausdauer und Ballgefühl“, sagt Teuber. Und Güttinger ergänzt, dass jeder Badmintonspieler es selbst in der Hand habe, was passiert. „Man ist auf sich alleine gestellt.“ Das passt ja gut, denn nun gibt es zum Abschluss ein Spiel gegen Elke Cramer. Ihr habe ich natürlich nicht erzählt, dass ich im Vorfeld Kollegen gegenüber geprahlt habe, dass ich ihr den ein oder anderen Punkt abnehmen würde.

Die Partie ist einseitig. Ein Hase-und-Igel-Spiel. Elke Cramer lässt mich in dem 13,4 Meter langen und 5,18 Meter breiten Spielfeld laufen, dass mir Hören und Sehen vergeht. Lang, kurz, lang, kurz und wieder lang. Es ist beeindruckend, mit welcher Genauigkeit diese Top-Badmintonspielerin die Bälle platziert. Elke Cramer schaut ernst, nicht weil sie in Verlegenheit käme, sondern weil ich richtig zu pumpen beginne und im zweiten Satz einen hochroten Kopf bekomme. Die mageren Punktgewinne für mich sind hart erkämpft, glücklich – und die meisten, wie ich vermute, geschenkt. Am Ende gibt es ein Lob von der Topspielerin. „Stark gekämpft, gut gemacht“, sagt Elke Cramer. Das geht natürlich runter wie Öl. Und von Sportwart Michael Kürzeder gibt es am Ende noch eine Urkunde für die Trainingsteilnahme und einen kleinen Pokal.

Das Treffen bleibt mir noch einige Tage präsent, denn meine Oberschenkel-Muskulatur und die Achillessehne am rechten Bein erinnern mich an die erste Begegnung mit einer faszinierenden Sportart. Von ein bisschen Federball werde ich jedenfalls nie mehr reden.

des TV Dillingen wird heuer 60 Jahre alt und zählt 135 Mitglieder. Mehr als die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche. Trainiert wird immer dienstags und donnerstags in der Sebastian-Kneipp-Halle. Der TVD hat derzeit sechs Teams, die gemischt sind. Vier Herren und zwei Damen bilden eine Mannschaft. Aushängeschild ist die „Erste“, die in der Zweiten Bundesliga spielt. „Dass wir dort die sechste Saison spielen, ist Wahnsinn“, sagt Wolfgang Berchtenbreiter. Heimspiele finden in der Regel am Samstag um 16 Uhr und am Sonntag um 14 Uhr statt. Ein Spiel geht bis 21 Punkte (es braucht zwei Punkte Abstand) – bei zwei Gewinnsätzen ist das Match gewonnen. Erreichbar ist die Badminton-Abteilung unter Telefon 09071/3849 und im Netz unter www.badminton-dillingen.de.

„Sport-Talente?“ versuchen sich die Redakteurinnen/Redakteure der Donau-Zeitung und Wertinger Zeitung an für sie neuen Sportarten. Und die Leser erfahren, wie wir uns dabei angestellt haben.

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