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Kicklingen-Fristingen

18.05.2020

Wenn Kicklingens Kicker den richtigen Kick bekommen

Die erste Aufstiegsmannschaft des SV Kicklingen-Fristingen aus dem Jahr 1991.
Bild: svkf

Plus Im Sommer 1991 verließ der Vizemeister der C-Klasse Donau II über die Relegation das Unterhaus und löste damit auch im benachbarten Fristingen große Freude aus.

Von 1978 bis 1995 war Franz Hitzler Erster Vorsitzender beim SV Kicklingen-Fristingen. Zu Beginn seiner Amtszeit hatte sich der heute 73-Jährige drei Ziele gesetzt: Sportheim bauen, Jugendarbeit intensivieren und mindestens einmal mit der ersten Mannschaft einen Aufsteig feiern. Alle drei Wünsche gingen in Erfüllung. In der Bertenau wurde das schmucke Vereinsheim des Fusionsklubs, der Mitte der 1970er-Jahre aus den Vereinen BC Kicklingen und Eintracht Fristingen hervorgegangen ist, durch viel Eigenarbeit errichtet. Auf die Nachwuchsarbeit wurde unter der Ägide von Hitzler von Jahr zu Jahr mehr Wert gelegt, wodurch in der Saison 1990/91 auch die Senioren profitierten. Pünktlich zum 25-jährigen Vereinsjubiläum gelang nämlich der Sprung aus dem Fußball-Unterhaus in die damalige B-Klasse Donau.

Über die Relegation

Die Kicklinger Kicker stiegen nicht als Meister der C-Klasse Donau II auf, sondern als Zweiter über die Relegation. In den Spielen gegen den Vizemeister der C-Klasse Donau I, TSV Unterringingen, und im alles entscheidenden Duell gegen den BC Schretzheim bekamen die Schützlinge von Spielertrainer Herbert Gallenmiller genau den richtigen Kick. Sie ließen keine Zweifel aufkommen, wer das Rennen machen würde. Zunächst wurde Unterringingen souverän mit 4:0 bezwungen. Schretzheim, das als Drittletzter der B-Klasse (heute Kreisklasse) in die Relegation musste, anschließend mit 4:1.

350 Zuschauer sahen an jenem Samstagnachmittag des 22. Juni 1991 in Weisingen ein Duell, bei dem im Kicklinger Trikot zwei Ex-Schretzheimer mit die Akzente setzten: Detlef Linkert und vor allem Manfred Borngärtner: Hatte Letzterer schon beim 4:0 gegen Unterringingen dreimal getroffen, so erzielte er gegen sein Ex-Klub weitere zwei Tore zum 1:0 und 3:0. Noch heute schwärmt Ex-Trainer Herbert Gallenmiller, den die meisten im Verein kurz und knapp nur „Vogte“ nennen, von den Qualitäten Borngärtners: „In unserer Aufstiegssaison hat er insgesamt 34 Tore geschossen“. Die Treffsicherheit des Top-Stürmers hat aber nicht gereicht, den FC Schwenningen von Platz eins zu verdrängen. Mit zwei Punkten Rückstand auf den Meister musste sich das Team aus den beiden Dillinger Stadtteilen mit Rang zwei begnügen. Was Franz Hitzler und Herbert Gallenmiller im Rückblick freilich als „Glücksfall“ bezeichnen: „Zwei Relegationsspiele vor jeweils großer Kulisse bestreiten zu dürfen und dann aufzusteigen, das ist schon etwas Besonderes“, stimmen die beiden auch knapp 29 Jahre nach dem Erfolg gegen Schretzheim überein.

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Großer Jubel, große Transparente

Der Jubel nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Christian Heinisch auf der Sportanlage in Weisingen kannte im Kicklinger und Fristinger Lager keine Grenzen. Mit zwei großen Transparenten gratulierte der treue Anhang, der die Mannschaft am Abend dann in einem großen Autocorso nach Hause begleitete. Als bei den Feierlichkeiten im Sportheim schnell die gesamten Essensvorräte verzehrt waren, musste improvisiert werden. Angesichts der leeren Kühlschränke und Speisekammern ging es zur vorgerückten Stunde in die Wohnung von Co-Trainer Franz Jall. Auch dort dauerte es nicht lange, bis die letzte Dosenwurst nach Mitternacht aufgegessen war.

Fast vier Tage lang feierte die SVK/F-Familie den ersten Aufstieg, als ein schrecklicher Autounfall den gesamten Ort plötzlich lahmgelegt hat: Zwei 19-Jährige aus Kicklingen verloren auf der Fahrt in eine Disco nach Wertingen ihr Leben. Franz Hitzler weiß noch heute genau, was bei der Beerdigung Pfarrer Paul Sinz damals sagte: „In Kicklingen ist es wieder ruhig geworden.“

Die erste Saison in der damaligen B-Klasse verlief für den Aufsteiger unter dem neuem Trainer Franz Veh aus Höchstädt in ruhigen Gewässern. Zur Winterpause stand der SVK/F auf Rang vier. Und dennoch hat man sich danach von Veh getrennt. „Vogte“ Gallenmiller, der als Spieler weitergemacht hatte, musste nun interimsmäßig als spielender Coach einspringen und führte die Mannschaft in der Endtabelle auf Rang fünf.

Auch heute ist der 59-Jährige dem Verein noch sehr eng verbunden. Als Stadionsprecher und Pressewart verfolgt er in der Kreisliga Nord jedes Heimspiel der Kicklinger und Fristinger, auch auswärts ist er meistens mit vor Ort. Ebenso Franz Hitzler, der inzwischen Ehrenvorsitzender des Vereins geworden ist. In der Corona-Pause vermisst der sechsfache Opa und Rentner die sonntäglichen Besuche auf dem Sportplatz sehr. „Ich hoffe, dass es im September endlich wieder weitergeht“, blickt Hitzler erwartungsfroh voraus. Über die allgemeine Entwicklung im Verein freut sie die graue Eminenz sehr: „Alle Verantwortlichen machen einen guten Job“, stellt er seinen Nachfolgern ein prima Zeugnis aus.

So haben sie gespielt

SV Kicklingen-Fristingen: Mörgenthaler, Messerer, H. Schneider, Linkert, Feistle, Gumpp, Egelhofer, Gallenmiller, Borngräber, Brummer, L. Schneider.

BC Schretzheim: Bayer, Jäger, Seiler, Uwe Krumbholz (46. Wolfgang Krumbholz), P. Aust. R. Aust, Manier, Braun, Baur, H. Strehler, Engelniederhammer (70. H. Böhm).

Tore: 1:0 (20.) Borngräber, 2:0 (45.) Gumpp, 3:0 (71.) Borngräber), 4:0 (85.) Brummer, 4:1 (86.) Braun.

Schiedsrichter: Christian Heinisch (TSV Haunstetten)

Zuschauer: 350 in Weisingen

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