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Sport-Nachgefragt

03.08.2019

Wenn der Schiedsrichter nicht mehr „Luft“ ist

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Donau-Obmann Ulrich Reiner aus Bissingen zu den Änderungen der Fußballregeln in der neuen Saison

Einige Mannschaften im Fußball-Kreis Donau haben die ersten Punktspiele bereits absolviert, die meisten steigen an diesem Wochenende in den Spielbetrieb ein. Zum Thema Regeländerungen und Umsetzung fragten wir bei Schiedsrichter-Obmann Ulrich Reiner aus Bissingen nach.

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Hallo Herr Reiner, verraten Sie uns doch, wie werden die Regeländerungen seitens der Schiedsrichter innerhalb der Gruppe kommuniziert?

Die Regeländerungen wurden bei unserer Monatsversammlung präsentiert. Neben Videos zum Verdeutlichen der praktischen Umsetzung wurde vor allem auf die Intention hinter dem Regeltest hingearbeitet. Weiterhin wurden die Regeländerungen schriftlich zusammengefasst und an alle Schiedsrichter versandt.

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Zu den Bundesliga-Vereinen kommen jedes Jahr vor Saisonbeginn die Schiedsrichter, um Spieler und Trainer auf besondere Veränderungen hinzuweisen. Wie läuft dies für die Vereine im Kreis Donau ab?

Die Vereine im Landkreis werden auf den Spielgruppentagungen im ganzen Kreis mit einheitlichen Präsentationen und Videos in gekürzter Form informiert und die markanten Änderungen visuell untermalt. Darüber hinaus bietet die Schirigruppe Donau seit zwei Jahren an, zu den Vereinen zu kommen und dort vor Ort die Regeln zu schulen. Dabei wollen wir versuchen, etwas gegenseitiges Verständnis zu erzeugen. Dies kann im Rahmen der Spielvorbereitung, der Spielersitzung oder nach einem Training erfolgen. Leider wird das Angebot von den Vereinen nur andeutungsweise und sporadisch genutzt. Offenbar ist die Hemmschwelle einer Kontaktaufnahme zu den Schiedsrichter-Organen noch sehr hoch. Hier Vertrauen zu schaffen, wird eine Hauptaufgabe für die Zukunft sein.

Würden Sie als Obmann bestimmte Schiedsrichter-Kollegen zu einem Trainingsabend der Vereine schicken, falls diese sich bei Ihnen melden und dies wünschen?

Unser Lehrteam ist, wie oben beschrieben, stets bereit, Termine bei den Vereinen wahrzunehmen. Natürlich speziell im Hinblick auf Regeländerungen, aber gerne auch unter der Saison, falls ein Austausch erwünscht ist.

Beim Zweitligaspiel VfB Stuttgart gegen Hannover 96 wurde am vergangenen Wochenende in der zweiten Halbzeit versehentlich der Schiedsrichter angeschossen. Er pfiff ab und gab einen Schiedsrichterball. Bisher hieß es, der Schiri ist Luft und es wurde weitergespielt. In Stuttgart haben die Fans bei der Ausführung des Schiedsrichterballs gepfiffen. Haben Sie dafür Verständnis?

Es ist schlichtweg leider Fakt, dass die Regeländerungen wohl nicht überall in Gänze kommuniziert wurden, sondern sich auf Schwerpunkte konzentriert wurde. Daher ist die Novelle des Schiedsrichter-Balles medial untergegangen. Den Schiedsrichter als Luft gibt es nicht mehr. Berührt der Schiri den Ball und ändert sich der Ballbesitz, ergibt sich eine vielversprechende Angriffssituation. Oder fällt gar ein Tor, so ist das Spiel zu unterbrechen und mit Schiedsrichter-Ball fortzusetzen. Dabei darf nur das Team, welches zuletzt in Ballbesitz war, direkt beim Ball stehen, das andere Team muss vier Meter entfernt sein.

Welche weiteren Regeländerungen sollten Spieler, Trainer und Fans wissen, damit diese bei den Entscheidungen auf den Plätzen in der Region die Pfiffe eines Unparteiischen auch einigermaßen nachvollziehen können?

Der Ball muss nach Freistoß oder Abstoß im eigenen Strafraum diesen nicht mehr verlassen, damit das Spiel fortgesetzt werden kann. Ausgewechselte Spieler müssen das Spielfeld nicht mehr an der Mittellinie verlassen, sondern sollen auf schnellstem Wege zur Außenlinie runter vom Platz. Teamoffizielle (Trainer, Mannschaftsverantwortliche, Offizielle) können zur besseren Visualisierung von Ermahnungen oder Innenraumverweis mit der gelben und Roten Karte belegt werden. Es soll hier mit Augenmaß und damit nicht kleinlich agiert werden, öffentlichkeitswirksamem unsportlichem Agieren soll jedoch entgegengearbeitet werden. Bei einer Mauer mit mindestens drei Spielern darf kein Spieler der gegnerischen Mannschaft näher als ein Meter bei der Mauer stehen. Die Handspielregel wurde präzisiert, wobei ein Handspiel subjektiv und damit ein Hauptdiskussionsthema bleiben wird. Ebenfalls soll rigoros gegen Spielverzögerungen wie zum Beispiel nach Freistoßpfiff „den Ball in die Hand nehmen“ vorgegangen werden.

Hand auf‘s Herz: Sind denn alle Schiedsrichter der Gruppe Donau so geschult, dass sie über alle Regeländerungen Bescheid wissen?

Ein Trainer wünscht sich immer noch mehr Spieler im Training. So ist es bei uns Schiedsrichtern auch. Wir schulen alle Kollegen, die in unsere Veranstaltungen kommen. Aufgrund Urlaub, Schichtarbeit, Krankheit etc. werden wir nicht alle bis zum Saisonstart erreichen. Die späte offizielle Veröffentlichung von Regeländerungen hilft uns hier nicht gerade. Deshalb sind alle Vereine und Fans aufgerufen, Geduld und Verständnis für die Schiedsrichter aufzubringen. Auch beim nächsten Neulingskurs sollte das Engagement der Vereine besser sein als zuletzt. Die Personalsituation ist der optimalen Leistung nicht förderlich. Vier bis fünf Spiele am Wochenende zu leiten sind für viele Schiedsrichter keine Seltenheit, darunter leidet dann zwangsläufig die Konzentration.

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