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Landkreis Dillingen

21.08.2018

Wenn sich grüner Rasen braun färbt

Ausgetrocknete Fußballplätze in der Region sind in diesen Tagen keine Seltenheit.
Bild: Karl Aumiller

Nicht alle Vereine bewässern während der andauernden Sommerhitze ihre Sportanlagen ausreichend. Ein saftig-sattes Spielfeld wird da schnell hart und unansehnlich. Es gibt auch einen kleinen Vorteil, der aber wenig tröstet.

Gar manche Mahd ist ausgefallen, das Futter für das Vieh auf den Bauernhöfen in der Region könnte in den nächsten Wochen knapp werden. Doch nicht nur den Landwirten setzt die andauernde Trockenheit zu. Kopfzerbrechen bereitet die Hitze auch den Platzwarten der Sportvereine. Etliche Fußball-Spielfelder gleichen in diesen Tagen stellenweise eher einer Mondlandschaft denn einem satten Grün. Was tun, um nicht noch weiter in diese Misere zu geraten? Wer auf den erlösenden Regen setzt, der könnte Glück haben. Die Meteorologen sagen für das Wochenende Niederschläge voraus.

Seit vielen Jahren ist Karl Reitenauer Platzwart beim SV Villenbach. So oft wie in diesen Tagen ist er noch nie zum Sportgelände gefahren, um dort Schläuche auszurollen oder den fahrbaren Rasensprenger wieder in eine andere Position zu bringen. „Der Zeitaufwand ist ein Wahnsinn“, klagt der passionierte Greenkeeper des SVV. Um die gesamte Fläche des Hauptspielfeldes zu bewässern, muss Reitenauer den Rasensprenger insgesamt dreimal versetzten. Für eine „Fahrt“ mit dem Seilzug benötigt der Rasensprenger an die sieben Stunden. Meistens startet die Bewässrung in den Abendstunden, früh am Morgen werden dann der Seilzug und der Schlauch um 30 Meter nach links oder rechts versetzt. Trotz all dieser Maßnahmen haben die Villenbacher einige braune Flächen auf ihrem Platz. „Hauptsächlich in den Bereichen der Eckfahnen“, berichtet Reitenauer. Das Wasser entnimmt der Villenbacher Platzwart aus einem eigens gebohrten Brunnen im Norden des Sportgeländes. Eine Wasser-Entnahme aus dem Leitungsnetz der Gemeinde kommt nicht in Frage. „Das wäre viel zu teuer“, rechnet Reitenauer vor. Außerdem liegt es ihm an Herzen, mit der Ressource Wasser sparsam umzugehen. Und dennoch soll sich nach seiner Meinung die Vorstandschaft des Vereins ernsthaft Gedanken machen, ob es nicht sinnvoll wäre, eine feste Beregnungsanlage zu installieren. Die Zeiten, in denen bei anhaltender Trockenheit die örtlichen Bauern mit ihren Güllefässern das Wasser aus der Zusam gepumpt und dann zum Sportplatz zum Bewässern gefahren haben, sind in Villenbach längst vorbei.

Eigenleistung und 30000 Euro beim TSV Binswangen

Mit sehr viel Eigenleistung und einer Investition von circa 30000 Euro hat der TSV Binswangen im vergangenen Jahr zunächst den Trainingsplatz und in diesem Sommer das Hauptspielfeld mit einer integrierten Beregnungsanlage samt Erdtank und Pumptechnik ausgestattet. Bürgermeister und TSV-Vorsitzender in Personalunion, Anton Winkler, sowie dessen Sohn Benedikt, der Abteilungsleiter bei den Fußballern ist, freuen sich über das relativ satte Grün in diesen Zeiten der Trockenheit. Beim letzten Auswärtsspiel in Lauingen gegen Türk Gücü habe man auf dem Nebenspielfeld im Auwaldstadion Platzverhältnisse vorgefunden, die alles andere als gut waren, erinnert sich Benedikt Winkler. Das Wasser für die Beregnung auf der eigenen Anlage kommt in Binswangen aus einem 30 Kubikmeter großen Erdtank. Gefüllt wird dieser mit Quellwasser einer alten Wasserversorgung, die bereits 1899 in Betrieb gegangen sei, wie Anton Winkler berichtet. Dabei müsse man gewisse Auflagen gegenüber dem Wasserwirtschaftsamt dokumentieren.

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Eine fest installierte Anlage mit Versenkregnern wie der TSV Binswangen hätte Platzwart Uwe Aninger beim BC Schretzheim allzu gerne. Seit dem vergangenen Frühjahr ist der 52-Jährige beim Verein im Dillinger Stadtteil für die Pflege der insgesamt vier Spielfelder zuständig. In Schretzheim läuft die Bewässerung ähnlich ab wie in Villenbach: durch eine Beregnungseinrichtung an einem Rollwagen mit 100 Meter Schlauch dazu sowie durch Standberegner. Und trotzdem gibt es auf den Schretzheimer Spielflächen Teilbereiche, die derzeit total abgestorben sind. „Dort wo besonders viel Dränagen sind, läuft das Wasser viel zu schnell durch“, weiß Uwe Aninger. Helfen könne jetzt nur noch ein Dauerregen über mehrere Tage. Sollte dieser aber nicht kommen, muss Aninger wie seine Platzwart-Kollegen bei den anderen Vereinen weiter den Bewässerungs-Rollwagen und die Standberegner betätigen, damit keine Spielfläche entsteht wie auf dem Sportplatz des TSV Ellerbach. Weil dort seit einigen Jahren kein Fußball-Spielbetrieb mehr stattfindet, wird auch nicht bewässert. Warum auch? Dem Spielfeld sieht man dies beim Vorbeifahren aus dem Auto an: Gelbe und braune Flächen von einem Tor zum anderen und vor der linken zur rechten Seitenauslinie.

Das andere Extrembeispiel im Landkreis ist das Schwabenstadtion in Gundelfingen. Wer dort ein Landesligaspiel besucht, der findet trotz der andauernden Trockenheit einen Rasen vor, der es in sich hat. Sehr zur Freude des langjährigen Abteilungsleiters Hand Anderl. Die fest installierte Beregnungsanlage habe sich längst bezahlt gemacht“, sagt der 79-Jährige, der in früheren Jahren selbst als Platzwart auf der Anlage in Gundelfingen tätig war. Nicht nur auf dem Hauptspielfeld fahren die sogenannten Getrieberegner automatisch aus dem Boden und bewässern bei Bedarf den Rasen – auch der Neben- und Trainingsplatz werden mit der gleichen Vorgehensweise in Schuss gehalten. Vereinen, die noch keine feste Beregnungsanlage haben, empfiehlt Anderl über eine solche Investition ernsthaft nachzudenken. Aus langjähriger Erfahrung kann er all den Klubs, die über ausgetrocknete Plätze klagen, ein wenig Trost aussprechen: „Bei ein paar Tagen Dauerregen werden sich die Spielfelder auch wieder erholen.“

Satter Rasen motiviert FC Osterbuch

Was aber sagen die aktiven Fußballer zu den augenblicklichen Bedingungen? Für Achim Kraus, Spielertrainer beim A-Klassisten FC Osterbuch, ist ein satter, grüner Rasen noch eine zusätzliche Motivation, stets sein Bestes zu geben. Bei schlechten Platzverhältnissen mache es halt weniger Spaß, seinem Hobby nachzugehen. In Osterbuch wurden durch den Einbau einer Beregnungsanlage vor wenigen Jahren auf allen drei Plätzen optimale Bedingungen geschaffen. Beim Auswärtsspiel in Lutzingen vor zweieinhalb Wochen habe man auf einem Untergrund gespielt, der durch die andauernde Hitze sehr hart gewesen sei. Da habe man schon ein wenig gemerkt, dass der Ball nicht so laufe wie bei normalen Bedingungen.

Ein Vorteil hat die Trockenheit für Platzwarte wie Karl Reitenauer oder Uwe Aninger dennoch: Da das Gras weniger schnell wächst, muss derzeit weniger gemäht werden. Was für die beiden freilich kein richtiger Trost ist. Wesentlich lieber wären sie mit dem Rasenmäher als mit all den Schläuchen und Rollwagen unterwegs, um für ihre Vereine Top-Bedingungen zu schaffen.

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