Die hohen Spritpreise treffen das heimische Transportgewerbe hart. Beim Gundelfinger Transportunternehmen TSB, dessen Fahrzeuge im Extremfall bis zu 100 Liter Sprit pro 100 Kilometer verbrauchen, ist das Tanken zur Belastungsprobe geworden. Auch die Taxiunternehmer haben kein leichtes Spiel. Und für das Bayerische Rote Kreuz, das jeden Tag dutzende Patientenfahrten unternimmt, soll es um Mehrkosten von 100.000 Euro pro Jahr gehen. Wie kommen diese Unternehmen überhaupt zurecht? Und was sagen sie zur angekündigten Steuerentlastung der Bundesregierung? Wir haben nachgefragt.
TSB Gundelfingen hofft auf Spritpreis-Bremse
Edwin Beitinger, der Geschäftsführer von Transport-Service-Beitinger (TSB) in Gundelfingen, berichtet: „Die aktuellen Preiserhöhungen sind brutal.“ Besonders der Tankstopp an der Autobahn sei schmerzhaft, da die Preise dort oft massiv über dem Schnitt lägen. Um sie zu umgehen, setze das Unternehmen auf digitale Helfer, erklärt er. Die Fahrer seien dazu angehalten, via App Preise zu vergleichen und die schweren Lastwagen nach Möglichkeit abseits der Fernstraßen zu betanken.
Um das finanzielle Risiko kalkulierbar zu halten, greife TSB immer häufiger zum sogenannten Dieselfloater. Das ist ein Berechnungsmodell, mit dem man die Transportpreise anpassen kann – je nachdem, wie hoch die Spritkosten sind. Für TSB sei das ein möglicher Weg, aber kein Allheilmittel. Es gebe mehrere Nachteile: Der Dieselfloater sei kompliziert und zum Teil undurchsichtig. Man könne damit in der Praxis nicht gut planen und rasante Sprünge an der Zapfsäule würden ebenso nur zeitversetzt berücksichtigt.
Am Ende der Kette stehe laut Beitinger immer der Endverbraucher. Da große Handelsketten ihre Preise im Vorfeld kalkulieren, müssten sie auf die steigenden Frachtkosten unweigerlich die Preise im Supermarktregal erhöhen. Ein Ausweichen sei für die Logistiker unmöglich, da Routen und Termine feststünden und man schlicht „fahren muss“. Dass die Regierung die Energiesteuer nun senken wolle, wertet der Geschäftsführer als „sehr gute Lösung“. Das sei wirksamer als bürokratische Alternativen.
Galonska Dillingen zweifelt an der Entlastung
Während einzelne Branchen ihre Preise einfach anpassen können, sieht es im Taxigewerbe anders aus. Der Dillinger Verkehrsbetrieb Galonska beklagt, in einer Art Zwickmühle zu sitzen. Weil die Fahrpreise fest vom Landratsamt bestimmt werden, könne der Betrieb bei Dieselpreisen von über 2,30 Euro nicht einfach reagieren, beklagt Inhaber Roman Galonska. „Die Preise werden vorgegeben.“ Eine Anpassung sei langwierig und bürokratisch. Bis eine neue Verordnung greift, sinke die Gewinnspanne sofort, während man versuche, sich mühsam „über Wasser zu halten“, so der Unternehmer.
Was dem Taxiunternehmen nun bleibt, sei das Sparen. Indem wenig Sprit verbraucht wird und die Routen geschickt geplant werden. Von der angekündigten Steuersenkung hält Inhaber Galonska nicht viel. Die Ankündigung sei lediglich ein „Tropfen auf dem heißen Stein“. Die allgemeinen Kosten für den Fuhrpark blieben trotz allem zu hoch.
Massive Mehrkosten drücken das BRK ans Limit
Auch das Bayerische Rote Kreuz (BRK) im Landkreis Dillingen trifft die Kostenwelle mit voller Wucht. Wie BRK-Kreisgeschäftsführer Stephan Härpfer berichtet, bietet das BRK im Jahr rund 12.000 Patientenfahrten an. Die hohen Spritpreise würden nun Mehrkosten von „weit über 100.000 Euro jährlich“ ausmachen.
Großen Spielraum für Sparpläne gebe es nicht, da das BRK laufende Verträge erfüllen müsse. Dennoch versuche man, mit Verhandlungen auf die Lage zu reagieren. Härpfer warnt: Sollte sich die Kostensituation nicht entspannen, könnten die Krankenkassenbeiträge langfristig steigen. Wie auch die Gundelfinger Logistik-Firma und das Dillinger Taxiunternehmen will sich auch der scheidende BRK-Chef nicht zu früh freuen. Die Steuersenkung sei für ihn „in Ordnung“, doch er habe die Befürchtung, dass das Geld am Ende gar nicht bei den Bürgern und Betrieben ankommt, sondern sich andere Beteiligte die Beträge wieder „in die eigene Tasche stecken“.
Um den steigenden Preisen zumindest teilweise zu entkommen, setze der BRK-Kreisverband auf Eigenregie: Mit bereits fünf installierten PV-Anlagen versuche man, die Energiekosten zu senken. Künftig möchte man von solchen Krisen „nicht mehr so betroffen sein“ und langfristig auf E-Mobilität umsteigen. „Das würde uns acht Millionen Euro kosten“, sagt Härpfer. Diese Investition ist laut Härpfer angesichts der lückenhaften Ladeinfrastruktur derzeit schlichtweg „gar nicht umsetzbar“. (mit AZ)
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