Maibaumverkauf Wittislingen ersetzt Maibaumklau und schützt Tradition
Wittislingen
Der Maibaumverkauf in Wittislingen – eine Alternative zum Maibaumklau
Bei der Wittislinger Feuerwehr decken sich viele Interessierte mit schönen Birken für die Liebsten ein. Ein Mödinger stellt seiner Frau nach 25 Jahren Ehe erstmals einen Maibaum.
Eine Menge Maibäume gab es für Interessierte bei der Wittislinger Feuerwehr zu kaufen.Foto: Marie Schindler
Wenn man durch die Ortschaften fährt, kann man wieder zahlreiche bunt geschmückte Birken mit einem roten Herz bewundern. Sie gelten als Liebesbeweis und werden immer in der Nacht von dem 30. April auf den 1. Mai von den Verehrern geschmückt, gestellt und bewacht. Am Donnerstag hatten private Maibaumsteller die Möglichkeit, in der Wittislinger Bahnhofstraße solche Birken für die Partnerin oder den Partner zu ergattern. Damit die Liebesmaien pünktlich und mit bunten Bändeln geschmückt vor der Tür stehen, sollten sie ab 18.30 Uhr nach Vorbestellung bei der Freiwilligen Feuerwehr Wittislingen abgeholt werden.
Der Zweite Vorsitzende der Wittislinger Feuerwehr, Ulrich Mayerle, erklärt, dass sein Vater den Birkenverkauf vor circa vier Jahrzehnten ins Leben gerufen habe. Die Familie sei selbst in der Forstwirtschaft tätig, sie habe Zugang zu den Birken, die für Förster eher Unkraut seien, erläutert der 40-jährige Wittislinger. Deswegen werde nach den Vorbestellungen eine Anzahl an unschönen Bäumen gefällt, so müsse keine Birke unnötig umgesägt werden. „Es ist ein Pflegeeingriff“, sagt Mayerle.
Der Maibaumverkauf sei eine gute Alternative zu den illegalen Diebstählen, sagt der Zweite Vorsitzende der Wittislinger Feuerwehr, Ulrich Mayerle.Foto: Marie Schindler
Außerdem sei der Verkauf eine gute Alternative zu den Diebstählen der Birken im Wald, betont der Wittislinger. Es sei zwar illegal, aber trotzdem üblich, dass man einfach in den Wald geht und einen Baum mitnimmt. Kauft man einen, stellen die Helferinnen und Helfer eine Quittung aus, die dann der Polizei vorgezeigt werden kann, falls man mit der Birke auf dem Anhänger des Autos aufgehalten wird. Pro Meter verlangt die Feuerwehr fünf bis acht Euro. Dadurch kann der Verein zusätzliche Einnahmen generieren. Jährlich werden hier 50 bis 100 Liebesmaien verkauft. „In Schaltjahren sind es sogar noch mehr“, erklärt der Zweite Vorsitzende.
„Je jünger der Käufer, desto höher muss der Baum sein“
Unter den Kunden seien viele junge Leute. „Je jünger der Käufer, desto höher muss der Baum sein“, sagt Mayerle mit einem Schmunzeln. Für die Jugendlichen sei die Symbolik sehr wichtig. Aber auch viele ältere Männer möchten ihren Frauen zum 1. Mai eine Freude machen. So stellt der 57-jährige Rene Buchelt aus Mödingen dieses Jahr seiner Frau zum ersten Mal einen Maibaum. Seit 25 Jahren sind sie schon zusammen und seit fünf Jahren verheiratet. „Es steht schon lange auf meiner To-do-Liste“, sagt Buchelt. Der Mödinger wollte schon immer mal einen Baum stellen, habe es aber nie geschafft. Jetzt ist es aber soweit und ihm stehen die Aufregung und Freude ins Gesicht geschrieben.
Rene Buchelt ist zwar schon 25 Jahre mit seiner Frau verheiratet, er hat ihr jetzt aber trotzdem erstmals einen Maibaum gestellt.Foto: Marie Schindler
Buchelt hält den Brauch für wunderschön. „Es ist einfach toll, wenn man durch die Ortschaften fährt, die vielen Bäume sieht und weiß, dass dort jemand wohnt, der geliebt wird“, schwärmt der 57-jährige. Seine Frau ahne zwar schon etwas von seiner Überraschung, trotzdem plane er, gemeinsam mit Freunden den Baum frühmorgens aufzustellen und ein anschließendes Weißwurstfrühstück.
Auch eine Gundelfingerin ist auf der Suche nach dem perfekten Baum für ihren Freund. Obwohl dieses Jahr kein Schaltjahr ist, in dem die Frauen den Männern einen Baum stellen müssen, möchte sie ihrem Freund ein Dankeschön schenken. Er habe sie durch eine schwere Zeit begleitet und verdiene jetzt eine kleine Freude. Da er an diesem Abend selbst als Feuerwehrmann aktiv ist, hat er noch keine Vorahnung über diese Überraschung.
„Es ist eine coole Tradition, man macht das halt so bei uns“
Auch der 16-jährige Jason Czepiczka aus Burghagel möchte gemeinsam mit seinem Opa für seine Freundin einen Maibaum kaufen. „Es ist eine coole Tradition, man macht das halt so bei uns“, sagt er. Besonders wichtig ist bei ihm die Wache in der Nacht. Wenn der Baum steht, bewacht er ihn mit seinen Freunden, da es üblich sei, den Maibaum zu klauen. Das gleiche befürchtet auch Luis Leicher, weshalb er ihn bis 6 Uhr morgens bewacht.
Jason Czepiczka aus Burghagel hat gemeinsam mit seinem Opa für seine Freundin einen Maibaum gekauft.Foto: Marie Schindler
Für Jason Ivory geht es vor allem um die Geste. Der 20-jährige hat sich kurzfristig dazu entschieden, seiner Freundin aus Dischingen dieses Jahr einen Liebesmaie zu schenken. Auch er wird den Baum bewachen müssen, da in Dischingen öfter mal ein Baum geklaut werde.
Info: Die Donau Zeitung und die Wertinger Zeitung veranstalten erneut einen Maibaum-Wettbewerb für Verliebte. Zu gewinnen gibt es bei unserem Online-Voting ein Candle-Light-Dinner im Landgasthof Schlössle in Finningen. Schicken Sie uns ein Foto von Ihrem Baum – das glückliche Paar sollte auf dem Bild natürlich zu sehen sein. Bitte Vor- und Zuname, Adresse und Telefonnummer angeben. Uns interessiert auch, wie lange Sie schon ein Paar sind, ob es der erste Maibaum ist, wer beim Aufstellen hilft und wo der Baum steht. Die Bilder und Texte können Sie uns bis Dienstag, 5. Mai, 12 Uhr, per E-Mail schicken an: redaktion@donau-zeitung.de oder redaktion@wertinger-zeitung.de, Stichwort: Maibaum. Auf unserer Internetseite. kann dann jeder für den seiner Meinung nach schönsten Maibaum abstimmen.
Diskutieren Sie mit
XXX 0 Kommentare
hier kommen komentare rein
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren