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Genderkingen 

30.09.2019

110 Flüge an nur einem Sonntag

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110 Flüge zählten die Mitarbeiter des genderkinger Towers im Rahmen des Flugplatzfestes – bei etwas windigem, aber ansonsten schönem Herbstwetter. 
Bild: Ulm 

Das Genderkinger Flugplatzfest zog die Besucher in seinen Bann. Ein Donauwörther Original war am Start. 

Thomas putzt die Scheiben, Thilo beklebt das neue Rettungsfahrzeug, Renate und Monika bringen Kuchen, Wolfgang baut die Theken auf, Richard und Phillip kümmern sich um die Technik. Die Atmosphäre am Tag vor dem Genderkinger Flugplatzfest ist gleichermaßen betriebsam und doch entspannt. Etwas genervt ist Matthias, der in der Flugvorbereitung sitzt. Es geht um das Thema Lärmschutz, für das sich Matthias, der erste Vorstand, schon seit Jahren einsetzt. Ein Pilot, der schon öfters von auswärts hergeflogen ist, hatte sich mehrfach nicht an die Routen gehalten. „Der braucht sich hier an den Wochenenden und vor allem in der Mittagszeit gar nicht mehr blicken lassen, und das habe ich ihm auch genau so gesagt. Jetzt kommt er gar nicht mehr, und das soll mir nur recht sein.“

Der Morgen danach: Früh füllt sich der Parkplatz. Der Gottesdienst mit Pfarrer Großmann ist schon ein fester Bestandteil des jährlich stattfindenden Flugplatzfests in Genderkngen. In der Stille beginnt der Tag, der mit Regen und starkem Wind angekündigt war, aber nun ist es überraschend warm und sonnig.

Neue Maschinen neben Oldtimern

Pilotenbriefing. Ralf versammelt alle, die heute vom Flugplatz aus Flüge durchführen um sich, und gibt Anweisungen, die den Tag sicher machen werden: Anflugrouten, -verfahren und Anflugtempo in die Platzrunde werden harmonisiert. Die Papiere aller Piloten, die Schnupperflüge für Besucher durchführen werden, noch einmal ganz genau kontrolliert, und auch gecheckt, ob die für diese Flüge erforderliche, erhöhte Flugerfahrung dokumentiert ist.

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Flugplatzfest in Genderkingen
Bild: Christoph Bruder

Ein Tag voller Gegensätze: Tensor 300x, ein Tragschrauber, steht vor einer „North American AT-6D“. Der Tensor: ein Ultraleicht, eine hochmoderne Entwicklung aus Kohlefaserverbundstoffen mit glatter, aerodynamischer Oberfläche. Die North-American: ein Schwergewicht, ein Oldtimer von Anfang der 40er Jahre, glänzendes Aluminium mit Nieten. Auch sonst unterhaltsame Kontraste: Eröffnet wird der Tag unter anderem mit dem „Fantrainer“, einem imposanten Trainingsflugzeug, der in großen Radien um den Platz herum bei höchstem Tempo einfliegt und tief über die Bahn donnert. Es folgt Modellkunstflug, auf kleinstem Raum mit einer Ultimate und kurz darauf mit einem Doppeldecker. „Damit würde ich schon gerne mal mitfliegen“, meint ein Besucher beim Modellkunstflug einer „Ultimate“. „Das ist ein Modellflugzeug“, meint ein anderer. „Ach so.“ Schulterzucken.

Kurz darauf kommt aus der Ferne ein weiterer Doppeldecker. Dieses Mal ein „Original“: Eine Boeing Stearman donnert über den Platz, während ein anderer Oldtimer, eine Klemm, zum Startpunkt rollt und kurz darauf mit einem tiefen, wuchtigen Sound abhebt. Die neueren Vereinsmaschinen, die wenig später auch nach und nach abheben, hört man im Gegensatz dazu kaum. Fast lautlos sind die spektakulären Segelkunstflugvorführungen und die Tandemsprünge, die sich anschließen. Leuchtende Augen bei denen, die einen Tandemsprung gebucht haben, nach der Landung.

110 Flüge zählten die Mitarbeiter des genderkinger Towers im Rahmen des Flugplatzfestes – bei etwas windigem, aber ansonsten schönem Herbstwetter. 
Bild: Ulm 

Erst, als alle Springer sicher am Boden sind, laufen die Rotoren der Hubschrauber, die von 200 Meter östlich des Towers aus abheben, wieder. Ein alter Bekannter ist zu Gast: Nach drei Jahren Pause ist endlich auch wieder die schöne BO 105 da, die Airbus für Rundflüge am Flugplatzfest mitsamt einem Piloten zur Verfügung gestellt hat. Vor 40 Jahren konzentrierte der Airbus-Vorgänger MBB die Produktion der BO 105 in Donauwörth.

Auch die Oldtimerfahrzeuge sind ein Blickfang für die Besucher. Einer davon, ein Pickup, gehört Landrat Stefan Rößle. Sein anderer Oldtimer, den er früher hatte, ein Porsche, steht nicht mehr hier.

Und immer kommentiert Alfred Rehberger, wie in jedem Jahr, alles so, dass auch Besucher, die nichts mit der Fliegerei zu tun haben, den Tag aus der Pilotensicht sehen und verstehen können.

Dass es etwas weniger Besucher waren, als im Jahr davor, stört am Ende des Tages niemanden. 110 Flüge aller Maschinen zählte der Tower. Auch wenn die letzten Modellflugvorführungen wegen des zunehmenden Windes ausfielen und auch die Ballonfahrten deswegen verschoben werden mussten: Am Ende dieses schönen Spätsommertages sieht man viele fröhliche Gesichter. Der Wunsch von Pfarrer Großmann, nach einem von Schutzengeln begleiteten Tag hat sich auch dieses Jahr wieder bewahrheitet. \u0009Georg Lehmacher

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