1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. 300 Jahre „Herrgottsruh“

Oberndorf

17.10.2019

300 Jahre „Herrgottsruh“

Vor 300 Jahren wurde die Herrgottsruhkapelle in Oberndorf eingeweiht. Am Sonntag wird dieses Jubiläum mit einem Gottesdienst mit Weihbischof Florian Wörner gefeiert. 
Bild: Foto: Manfred Keller

Im Oktober 1719 wurde die Oberndorfer Wallfahrtskapelle eingeweiht. Am Sonntag wird das Jubiläum festlich zelebriert.

 Wer Oberndorf von Norden aus betritt, dem fällt kurz nach Ortsbeginn auf der linken Seite der Straße ein imposantes Kirchlein auf: die Oberndorfer Herrgottsruhkapelle. Schon beinahe 600 Jahre gibt es in der Lechgemeinde eine Wallfahrtskapelle, die zunächst dem Heiligen Wendelin geweiht war. Im 30-jährigen Krieg und nochmals 1704 im Spanischen Erbfolgekrieg wurde diese Kapelle geplündert und nahezu vollständig zerstört.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Das gotische Bauwerk wird in den alten Pfarrvisitationsberichten immer als schöner, prächtiger Bau bezeichnet, der von den Gläubigen sehr gerne besucht wird. Von der Entstehung berichtet ein Fresko in der heutigen Kapelle, wonach im Jahre 1435 bei einer Prozession durch die Fluren dem im Reiten unerfahrenen Priester das Allerheiligste aus dem Ziborium gefallen war. Wegen des Bewuchses dort habe man es nicht mehr gefunden. Nach anderer Version habe es ein Bauer aufheben wollen, doch sein Arm wurde steif. Jedenfalls wurde die Stelle eingezäunt und wegen der einsetzenden Verehrung hier eine Kapelle erbaut.

Ein Erbe von 4000 Gulden

Der Oberndorfer Pfarrer Johann Nachtrüb vermachte schließlich bei seinem Tod 1701 dem baufälligen Kirchlein ein Erbe von 4000 Gulden. 1718 entstand dann der Bau, wie er sich heute zeigt – die Kosten betrugen 4855 Gulden. Der Eichstätter Baumeister Benedikt Oettl hatte den Plan erstellt und leitete auch anfangs die Arbeiten.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die Kapelle ist ein Zentralbau mit reicher, sorgfältiger Außengliederung. An den querovalen Zentralraum schließt sich der ebenfalls querovale Chor mit halbrundem Schluss an. Rechts des Chors liegt der halbrunde Sakristeianbau, in der südöstlichen Ecke ein dreiviertelrunder Nebenraum und rückwärts, rechts des Eingangs, eine Spindeltreppe zur Empore.

Die Fresken führte Johann Baptist Kuen aus, die Stuckaturen stammen von den Ellinger Künstlern Giuseppe Camone und Benedikt Londermayr. Zum Zeitpunkt der Weihe stand nur der Hauptaltar, der von den beiden Augsburgern Georg Blattner und Christoph Bahmer gefertigt worden war. Am 22. Oktober 1719 wurde die Kapelle schließlich eingeweiht.

Werke des Oberndorfer Bildhauers Johann Georg Bschorer

Beherrscht wird das Raumbild eindeutig von den Altären und den Heiligenfiguren rings um den Innenraum. Der Hochaltar ist der Heiligsten Dreifaltigkeit geweiht; im Zentrum „Christus in der Rast“, flankiert von Engeln und den Heiligen Maria und Johannes. Die beiden Seitenaltäre entstanden etwa zehn Jahre nach Einweihung. Es sind eindeutig Werke des Oberndorfer Bildhauers Johann Georg Bschorer (1692 bis 1763), der zu dieser Zeit in Schwaben ein gefragter Meister war. Seine spätere Werkstatt lag nur etwa 100 Meter von der Herrgottsruhkapelle entfernt.

Der westliche Seitenaltar, gestiftet von Pfarrer Ignaz König, zeigt im Zentrum den Heiligen Johann Nepomuk unter dem Kreuz Christi. Am östlichen Seitenaltar, gestiftet von Johann Georg Wiedemann, sieht man im Zentrum eine Pieta unter einem Kreuz mit dem Herz und den verwundeten Händen und Füßen Jesu. Die 14 Nothelfer an den Kapellenwänden sind um 1750 entstanden, stammen aber nicht vom Oberndorfer Bildhauer.

Die Kapelle steht auf gemeindlichem Grund, deshalb liegt die Baulast auch bei der Gemeinde. Die Lage am nahen Mühlbach ist für den Bau nicht optimal. Im Laufe der Jahrzehnte waren immer wieder größere und kostspielige Renovierungsmaßnahmen notwendig, da das Mauerwerk beständig feucht ist.

Die Wallfahrten aus den Nachbargemeinden sind in den vergangenen Jahrzehnten weniger geworden. Einzig die Pfarrei St. Ulrich Ellgau pflegt noch die Tradition einer Fußwallfahrt zur Herrgottsruhkapelle.

Am Dreifaltigkeitssonntag wird alljährlich das Patrozinium mit Betstunden gefeiert. Sonntags wird von einer kleinen Schar treuer Gläubiger seit über 100 Jahren der Rosenkranz gebetet. In der Karwoche ist das Oberndorfer Heilige Grab aufgebaut und an Weihnachten ist im Altarraum eine große Krippe zu bewundern, deren Figuren in den letzten Jahren Stück für Stück erneuert worden sind.

Schließlich feiern auch die evangelischen Christen Monat für Monat ihren Sonntagsgottesdienst in der Kapelle. Und noch eine weitere Besonderheit: Den Mesnerdienst der Kapelle übt seit 100 Jahren ununterbrochen die Familie Speer aus.

Rechtzeitig zum 300-jährigen Jubiläum konnte die Figur des gegeißelten Heilands über dem Haupteingang renoviert werden, auch die Altartücher und Teppiche wurden für dieses besondere Ereignis erneuert.

Info Am Sonntag, 20. Oktober, wird um 10 Uhr im Rahmen eines Gottesdienstes mit Weihbischof Florian Wörner das 300-jährige Weihejubiläum der Herrgottsruhkapelle gefeiert. Anschließend gibt es einen öffentlichen Empfang in der Aula der Grundschule. Um 12.30 Uhr findet der Rosenkranz statt und um 13.30 Uhr wird eine Führung durch das Jubiläums-Gotteshaus angeboten. Die Herrgottsruhkapelle ist ganzjährig am Sonntagnachmittag zum Gebet und zur Besichtigung geöffnet, während der Weihnachtszeit täglich.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren