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Lesung

12.12.2018

„A Christmas Carol“ auf Boarisch

Jürgen Lechner (rechts) übersetzte „A Christmas Carol“ ins Boarische. Die musikalischen Beiträge lieferte er mit Panflöte sowie die Burgheimer Zwoaring-Musi mit (von links) Johannes Hieber, Elfriede Marb, Elisabeth Zach und Irmgard Weigl.
Bild: ma

Jürgen Lechners Erzähltalent begeistert. Und die Zwoaring-Musik rundet das Erlebnis instrumental ab

Zum zehnten Male schon lud Jürgen Lechner zu einer besinnlichen Stunde im Advent in die Dorfkirche von Schweinspoint ein. „Ich bedanke mich bei Ihnen ganz herzlich dafür, dass Sie zusammen mit der Burgheimer Zwoaring-Musi so oft schon einen staden vorweihnachtlichen Abend gestalten“, sagte Pfarrgemeinderatsvorsitzender Andreas Baur bei der Begrüßung.

Amateurschauspieler Jürgen Lechner lässt „Christmas Carol“, die bekannte Erzählung von Charles Dickens, irgendwo in Bayern spielen. Keineswegs wurde da Wort für Wort übersetzt, sondern die wesentlichen Ereignisse in der Geschichte von dem grantigen alten Geizhals Ebenezer Scrooge mit viel Einfühlungsvermögen nacherzählt. Aus dem Warenhausbesitzer Ebenezer Scrooge wurde ein boarischer Privatbankier Xaver Grantler, aus dem Sekretär Bob Cratchit ein hochdeutsch sprechender Emsig und aus Ebenezers verstorbenem Geschäftspartner Jacob Marley ein Jakob Gschaftlhuber.

Der Ort der ersten Szene ist das Büro der Privatbank. Von draußen hört man das Weihnachtslied „Herbei, o ihr Gläubigen“, was der Banker „für an Moment“ so versteht: „Herbei, o ihr Gläubiger“. Er gibt Anweisung, trotz des Festes alle fälligen Mahnschreiben abzusenden. Neffe Paul wünscht ihm „an guadn Rutsch“, doch Grantig ergänzt missmutig „Ja, mir an Buckl nunter“. Dass eine Frau „vom Kinderschutzbund“, die um eine milde Gabe bittet, nix bekommt, dürfte klar sein.

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In der nächsten Szene erscheint dem Bankier „da Goast“ seines verstorbenen Kompagnons, der ihn helfen will, seinem Schicksal zu entgehen. Er kündigt ihm drei Gespenster an. Beim Blick aus dem Fenster sieht Grantler Geister am Nachthimmel, gefesselt mit Eisenketten. Man erfährt: „Dies waren die Minister und Politiker der verschiedensten Regierungen.“ Der Geist der vergangenen Weihnacht erscheint. „Unruhig wälzte sich Grantler auf seiner Couch hin und her, ständig in Erwartung des nächsten Geistes“, erzählt Jürgen Lechner. Dieser Geist erscheint tatsächlich, und er führt ihn in die armselige Wohnung von Herrn Emsig, wo allerdings trotz der Not Zufriedenheit herrscht. „Bei die Tafeln können sich dia arme Leit was zum Essn holn“ erfährt man.

Der Geist der zukünftigen Weihnacht zeigt dem Grantler, wie er auf dem Totenbett liegt: Jetzt ist „Umkehr“ angesagt! Grantler gibt der Frau vom Kinderschutzbund Geld, er besucht Verwandte und speist bei ihnen, und auch Emsigs können dank einer Gehaltsaufbesserung aufatmen. Man erfährt, dass der Grantler eine Stiftung zugunsten von Straßenkindern gründet und dass man ihn lächelnd „hat durch d’Straßn laafa sehn“. Happy End, wie bei Dickens: „Von Goaster hat er oa koan Bsuch nehr kriegt und jeds Jahr hat er Weihnachtn barmherzig und voller Freude gfeiert.“ Jürgen Lechner beschließt die Geschichte mit den Worten: „Schö, wann mer des aa vom Rest der Welt sagen kennt!“

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