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12.07.2019

AWV: Von Bienenfressern und Gebühren

Ein Schwerpunkt beim AWV bleibt das Thema Plastikvermeidung. Deswegen sollen Haushalte künftig Papiertüten für die Entsorgung des Biomülls erhalten.

Der Abfallwirtschaftsverband Nordschwaben zieht Bilanz. Bedrohte Tierarten werden auf Deponien gesichtet. Weiteres Thema ist ein Grundstücksgeschäft.

Mülldeponien können auch Rückzugsgebiete für bedrohte Tierarten werden. Das hat Gerhard Wiedemann, Werkleiter des Abfallwirtschaftsverbandes Nordschwaben (AWV), bei einer Verbandsversammlung in Dillingen erklärt. Wiedemann nannte einige Beispiele aus den Landkreisen Donau-Ries und Dillingen, für die der AWV zuständig ist. In der Deponie Binsberg bei Donauwörth sei ein Jung-Uhu eingezogen, in Haunsheim (Kreis Dillingen) finde man eine Vogelpopulation Nordafrikanischer Bienenfresser sowie Kreuzkröten und in der Deponie Ronheim (Stadt Harburg) Gelbbauchunken. Das führe inzwischen dazu, dass auch Naturschutzaspekte bei Deponien eine größere Rolle spielten.

Hohe Rückstellungen sind nötig

Ansonsten standen in der Versammlung aber eher die Finanzen und die Gebühren im Mittelpunkt. Alle Sparer stöhnen über die aktuelle Zinssituation. Die niedrigen bis nicht mehr vorhandenen Zinsen wirken sich aber auch auf Unternehmen oder Zweckverbände aus. Beim AWV bedeutet das eine deutlich höhere Zuführung zu Rückstellungen und damit einen wesentlich niedrigeren Jahresüberschuss. Allein für die Deponie Binsberg gingen im Vorjahr 752000 Euro in Rückstellungen, erläuterten Wiedemann und Wirtschaftsprüfer Albrecht Gnann. Der Grund: Der AWV bildet aufgrund gesetzlicher Auflagen für die Nachsorge der Deponien Rückstellungen über 50 Jahre. Diese jährlichen Zuführungen müssen abgezinst werden. Die Folge: Je niedriger der durchschnittliche Zinssatz, desto höher die Zuführungen.

Der Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses Georg Barfuß wertete die Rückstellungen als „Vorsichtsmaßnahme“ und bezeichnete den AWV als ein „grundgesundes Unternehmen“. Man habe im Abschluss nichts gefunden, „was uns Anlass zur Sorge bereiten würde“. Denn trotz Rückstellungen verbleibt 2018 bei einer Bilanzsumme von 33,5 Millionen Euro ein Jahresüberschuss von rund 226000 Euro (2017: 806000 Euro).

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Erlöse für Papier, Altkleider und Holz gehen zurück

Kopfzerbrechen bereitet dem Werkleiter der Rückgang der Vermarktungserlöse zum Beispiel bei Papier, Altkleidern, Altholz auf nunmehr rund drei Millionen Euro (2011: vier Millionen). Mehreinnahmen seien dagegen insbesondere bei Restmüll- und Biotonnen sowie auf Deponiegebühren zurückzuführen. Wiedemann verwies darauf, dass die Gebühren bei Restmüll seit Jahren sinken, während die Gefäßvolumen pro Einwohner stetig stiegen. Von den Einnahmen 2018 über rund 21,5 Millionen Euro stammen 55 Prozent aus Restmüllgebühren.

Weiter im Blick habe man eine bürgernahe Erdaushub-Entsorgung in Maihingen im Ries sowie mit der jüngst „aufgemachten“ Verfüllungsmöglichkeit im Steinbruch in Haunsheim (Kreis Dillingen). Diese brächten Entsorgungssicherheit für alle Bürger, insbesondere die Häuslebauer, betonte Landrat Schrell. Landrat Rößle bezeichnete es als „wichtige Einnahmequelle für die AWV“. Die AWV-Service GmbH betreibt die sechs Photovoltaikanlagen und erlöste 129000 Euro.

Der Abfallwirtschaftsverband Nordschwaben will seine Stellung als öffentlich-rechtlicher Entsorger sichern und für die Bürger weiter erster Ansprechpartner sein. Durch das Abfallwirtschaftskonzept 2020 bis 2025, das einstimmig verabschiedet wurde, soll insbesondere die mittelständische Entsorgungsstruktur in der Region erhalten bleiben. Schwerpunkte seien das Thema Plastikvermeidung. Haushalte sollen dazu künftig Papiertüten für die Entsorgung des Biomülls erhalten. Auch die Aushub-Entsorgung habe Priorität.

Gebühr für unbelasteten Aushub steigt

Die Kosten für unbelasteten Aushub würden von fünf auf sechs Euro pro Kubikmeter steigen, dagegen sänken die Preise beim Kompostverkauf (2,50 Euro für die Füllung einer 65 Liter Wanne, die Wanne kostet sechs Euro). Neu sei die Abnahme von KMF-Abfällen (etwa Steinwolle oder Glaswolle), die bei der Firma Fisel verpresst, verdichtet und verpackt würden. Der Preis pro Tonne liege bei 382 Euro. Auch die geänderte beziehungsweise neue Gebührensatzung wurde einstimmig vom Gremium angenommen.

Firma Varta kann expandieren

Dass Grundstücke, die für Recyclinghöfe vorgesehen sind, für Firmenerweiterungen dienen können, zeigt Nördlingen. Der Batteriehersteller Varta ist von drei Seiten her eingeengt und grenzt direkt an die geplante Erweiterungsfläche des Reyclinghofs, für die der Bauantrag bereits eingereicht war. Varta wuchs in jüngster Zeit von 180 Mitarbeitern auf nunmehr 450 und braucht deshalb dringend Fläche. Das Unternehmen bekam das Grundstück und der AWV erhielt eine Ersatzfläche für den Recyclinghof im Gewerbegebiet „Steinerner Mann“.

Kreisrat Peter Schiele dankte den Vorsitzenden und dem Werkleiter „mit einem weinenden und einem lachenden Auge“ für die Flexibilität und „einer schnellen Entscheidung innerhalb weniger Tage“. Landrat Stefan Rößle wies darauf hin, dass Varta der größte Arbeitgeber in Nördlingen sei. Auch diese Entscheidung segnete das AWV-Gremium einstimmig ab.

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