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Donauwörth

06.02.2019

Ärger im Wohnpark Riedlingen: Nachbarn machen mobil

Dieses Haus in Riedlingen ist als Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung genehmigt. Es sind seit März bereits drei Parteien eingezogen.
Bild: Barbara Wild

Plus Ein Bauherr möchte seit vielen Jahren die Genehmigung, aus seinem Einfamilienhaus ein Mehrparteienhaus zu machen. Die Stadträte sagen Nein. Jetzt ist das Thema zum dritten Mal auf der Agenda - und die Nachbarn beschweren sich.

Auf den ersten Blick ist es ein unspektakulärer Bauantrag, doch hinter dem Tagesordnungspunkt 2 der öffentlichen Sitzung des Bauausschusses der Stadt Donauwörth am Donnerstag steckt einige Brisanz. Denn es gibt eine bereits lange Vorgeschichte.

Im Neubaugebiet in Riedlingen, genauer gesagt im Orchideenweg, sollten eigentlich laut Bebauungsplan nur Einfamilien- oder Doppelhäuser stehen. Doch in der Nummer 16 wohnen mittlerweile drei Parteien. Der Bauherr hatte sich ursprünglich ein Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung genehmigen lassen. Laut Aussage der Nachbarn existieren mittlerweile sogar vier Wohnungen in dem Haus.

Warum ist das Thema wieder auf der Tagesordnung?

Während der Bauphase wollte der Bauherr von der Stadt Donauwörth mit Antrag vom März 2014 versuchen, sich stattdessen ein Haus mit drei Wohnungen genehmigen zu lassen. Der Bauausschuss lehnte dies ab. Der Bau ruhte dann einige Zeit, bis 2017 das Haus fertig gebaut wurde. Allerdings wurden wohl doch mindestens drei Wohnungen fertiggestellt, denn im März 18 zog die dritte Partei ein. Das ist auch von außen sichtbar. Im Kellergeschoß, im Erdgeschoss und auch im Dachgeschoss wohnt jeweils eine Partei. Das wollte sich der Bauherr nachträglich im Herbst 2018 genehmigen lassen – und scheiterte erneut.
Nun aber ist das Thema wieder auf der Tagesordnung und nicht nur die Nachbarn, sondern auch die Stadträte fragen sich: warum?

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Die Nachbarn ärgern sich über die Verwaltung, dass diese trotz mehrfacher Meldung während des Baus nichts unternommen hat. Einige Schreiben gingen ins Rathaus, ein Brief wies bereits im Juni 2017 darauf hin, dass am Eingang vier Klingelschilder angebracht sind. „Passiert ist aber gar nichts. Man hat einfach aktiv weggeschaut“, sagt Guido Lumpe. Er wohnt schräg gegenüber und spricht für die Nachbarschaft. Alle mussten sich an den strikten Bebauungsplan im Wohnpark Riedlingen halten. „Heute ärgere ich mich. Denn scheinbar gilt die Devise: Lass dir das Erlaubte genehmigen und dann baue, was du willst.“ Das sagt er auch mit Blick auf einen frisch hochgezogenen Neubau. Keiner durfte bisher ein zweigeschossiges Haus bauen, jetzt hat ein Bauherr auch das bei der Stadt durchbekommen. Für Lumpe und die Nachbarn ist diese Inkonsequenz nicht verständlich. Ihnen stößt das Vorgehen der Stadtverwaltung auch deshalb auf, denn sie hätten sich bewusst für das Neubaugebiet in Riedlingen entschieden, weil ihnen die Struktur der Häuser zusagte. „Sonst hätten wir auch in den Härpferpark ziehen können“, sagt Lumpe.

Michael Boss ist "nicht amüsiert"

Die Tatsache, dass das Haus im Orchideenweg 16 erneut auf der Tagesordnung steht, ärgert auch die Stadträte. „Wir haben zweimal abgelehnt – warum wird das jetzt wieder vorgelegt?“, sagt Brigitte Kundinger-Schmidt (SPD). Die Verwaltung müsste die Entscheidung der Stadträte akzeptieren und hätte entsprechend handeln müssen. Gleiche Meinung teilt auch Albert Riedelsheimer von den Grünen. Auch Michael Bosse, OB-Kandidat für die Freien Wähler, ist „nicht amüsiert“, dass das Thema wieder auf den Tisch kommt. „Das Gremium hat seine Meinung zweimal eindeutig kundgetan und die Anträge abgelehnt. Warum diese Beschlüsse nicht vollzogen werden, ist mehr als verwunderlich.“ Er wirke auf ihn so, als werde die Sache so lange vorgelegt, bis sich das Ergebnis ändert. „Das kann nicht sein“, so Bosse.

Auch Manfred Hofer (EBD) hat eine glasklare Meinung: „Dem Bauherr ist ein Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung genehmigt. Das wird sich nicht ändern. Er hat gewusst, dass er mehr Wohnungen nicht bekommt.“ Hofer geht davon aus, dass der Bauausschuss am Donnerstag nicht seine bisherige Meinung ändert.

Der Bauherr beruft sich auf das Nachbarhaus

Mit dem nun dritten Antrag in gleicher Sache beruft sich der Bauherr jetzt auf ein Nachbarhaus, in dem ebenfalls drei Wohneinheiten realisiert und wohl auch nachträglich genehmigt worden sind. Da die Stadtverwaltung hier eine Befreiung durchgewunken hat, fordert der Bauherr das gleiche Recht für sich. Dieser Nachbar hatte ursprünglich sechs Wohnungen geplant und musste auf Anweisung der Stadt zurückbauen. Genehmigt wurden zwei Wohneinheiten und eine Einliegerwohnung. „Da haben wir einen Fehler gemacht“, sagt Franz Ost (CSU). „Aber das heißt nicht, dass wir das jetzt wiederholen.“

Der Bauherr des Orchideenwegs 16 hofft nun mit seiner neuen Argumentation auf eine Genehmigung seitens des Gremiums. Eine Ablehnung sei eine „willkürliche Ermessensentscheidung der Stadt Donauwörth“ und er behalte sich dann rechtliche Schritte vor. „Das kann er ruhig androhen“, sagt Ost. „Die Meinung des Bauausschusses wird das nicht ändern.“

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