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Genderkingen

18.08.2019

Airmeet: Adrenalin am Boden und in der Luft

Ein spektakuläres Feuerwerk und Kunstflieger überzeugten bei der Nachtflugshow am Samstag.
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Ein spektakuläres Feuerwerk und Kunstflieger überzeugten bei der Nachtflugshow am Samstag.
Bild: Foto: Jürgen Isl

Am Wochenende hoben in Genderkingen beim Airmeet rund 250 Modellflugzeuge ab. Es ist das größte Erignis seiner Art in Europa. Was die Menschen daran fasziniert

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Piloten ist nichts verboten. Ob diese Ohrwürmer den rund hundert Flugkapitänen am Sportflugplatz in Genderkingen auch durch den Kopf gegangen sind? Dort fand am Wochenende das Airmeet statt. Mit rund 250 Modellflugzeugen sind die Männer und Frauen quer durch Europa nach Nordschwaben gereist. Zum elften Mal veranstaltete die Firma Horizon das Flugevent: das größte seiner Art in Europa.

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Wohnwagen reihen sich auf dem Gelände aneinander, an den Modellflugzeugen prangen verschiedene Flaggen. Mal italienische, mal französische, mal deutsche. Rings um den Sportplatz sitzen verschiedene Menschen. Manche sind wahre Modellflugzeug-Enthusiasten, andere möchten sich einen ersten Eindruck verschaffen. Dafür eignet sich das Airmeet besonders gut, wie einer der Besucher bestätigt. Er ist mit seiner Frau aus Dillingen angereist und fliegt selbst gelegentlich einen Modell-Helikopter. „Es gibt sonst keine Veranstaltung in der Modell-Szene, die so ein buntes Programm bietet“, sagt er, der selbst auf verschiedenen Modell-Wettbewerben in Deutschland ist.

Mit fauchenden Turbinen

Franz Obenauf hat die schwarze Sonnenbrille tief ins Gesicht gezogen. Als einer der Modellflieger mit fauchenden Turbinen auf der Start- und Landebahn an ihm vorbeizischt, lächelt er. Obenauf ist mit der Modellfliegerei aufgewachsen. Keine Seltenheit, wenn man sich auf dem Sportflugplatz umhört. Die meisten sind familiär vorbelastet. Auch Obenaufs Vater hat schon an den Fliegern gewerkelt und sie durch die Lüfte fliegen lassen.

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Die meiste Zeit, sagt Obenauf, verbrächten die Modellpiloten aber gar nicht an Flugplätzen – sondern auf der Straße. 10000 bis 15000 Kilometer seien sie jährlich unterwegs, erklärt der Österreicher. Für die Veranstaltung in Donauwörth ist der Modellflugzeug-Club aus der Steiermark rund 600 Kilometer angereist. Im Gepäck: vier Warbirds. Dabei handelt es sich um Militärflugzeuge aus dem zweiten Weltkrieg. Die Propellermaschinen, die Obenauf und seine Kollegen dabei haben, sind in einem etwas kleineren Maßstab, aber originalgetreu aufgebaut.

Material und Technik haben sich verändert

Das ist einer der Aspekte, die Obenauf an den Modellflugzeugen besonders faszinieren. Er wolle die Technik aus der damaligen Zeit verstehen, sagt er. Um mit einem Modellflugzeug überhaupt durchstarten zu können, brauche man ohnehin ein wenig technisches Know-How. Dafür würden die meisten Maschine recht lange halten, einen größeren Unfall hätten sie im Club bisher noch nicht gehabt. „Wenn alles gut läuft macht man im Herbst den Service und startet im Frühjahr wieder“, sagt Oberauf. Seine Maschine beispielsweise sei jetzt elf Jahre alt und fliege immer noch ohne große Mängel.

Verändert habe sich das Material und die Technik in der Modellflugzeug-Szene aber durchaus, erklärt Michael Pistor. Er ist mit einem Vater-Sohn-Duo aus Thüringen angereist. Seine Aufgabe: Er ist der Mechaniker im Team oder wie Pistor selbst sagt, der „Schmiermaxe“. Früher seien die Flugzeuge größtenteils aus Balsaholz verarbeitet gewesen, sagt Pistor. Das zeichnet sich durch eine sehr geringe Dichte aus. Das sei nun anders. Fast alle Modellflugzeuge bestünden nun aus glasfaserverstärktem Kunststoff, umgangssprachlich auch als Fiberglas bekannt.

Die Bastelei, das Bauen und Entwickeln, das seien einige der Aspekte, die ihn an den Modellflugzeugen faszinieren. Doch immer wieder hört man aus verschiedenen Ecken, dass es nicht nur die Technik ist, weshalb sie tausende Kilometer im Jahr durch Europa reisen. Es gibt auch eine menschliche Komponente, wie Pistor bestätigt: „Das ist ein großer Wanderzirkus. Man trifft sich irgendwo in Deutschland oder an anderen Orten in Europa immer wieder“, berichtet Pistor lächelnd.

Fantastische Show-Einlagen

Und dann sind da noch diese fantastischen Show-Einlagen, die das Airmeet zu einer ganz besonderen Veranstaltung machen. Pirouetten, Drehungen und Überschläge. Das ist das Fachgebiet von Rainer Steinberger. Er fliegt mit einer Extra 300L, einem Kunst- und Sportflugzeug durch die Lüfte. Bis zu 350 km/h ist er mit der Maschine schnell. In seinem Cockpit wirken Kräfte des über sechsfachen des eigene Körpergewichts – und das bei Temperaturen von über fünfzig Grad im Cockpit.

Von diesen Temperaturen bleiben die Modellflieger am Boden verschont. Doch als am Sportflugplatz eine P-51 Mustang startet, bleibt kaum ein Mund geschlossen. Angetrieben durch einen 1649 PS starken 12-Zylinder-V-Motor hebt die Maschine in die Lüfte ab und erreicht Geschwindigkeiten bis zu 700 km/h.

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