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Heimatgeschichte

14.06.2018

Als Mündling eine Polizeistation hatte

An dieser Stelle verschwindet auf Mündlinger Flur ein Bach in einer Doline – und kommt einige Kilometer weiter bei Ebermergen wieder zum Vorschein.
Bild: Martin Gehring

Eine Führung durch Fluren des Ortes mit vielen interessanten Geschichten

Rund 40 Interessierte haben die Mündlinger Flur erkundet. Bei der Aktion des Heimatvereins führte Josef Wenninger die Teilnehmer zu besonderen Punkten und erzählte Begebenheiten, die mehr oder weniger lange zurückliegen. Dazu gehörten Unglücke, Gräber und ein Erdloch, in dem ein Bach verschwindet.

Ausgangspunkt war das Mittelfeld im Osten des Dorfs. Dort führte ehemals ein bis zu drei Meter tiefer Hohl- und römischer Fahrweg nach Sulzdorf. Der Weg wurde 1967/68 im Zuge des Dorfausbaus mit Aushubmaterial aufgefüllt. Die Wegeführung ging von Mündling Richtung Westen über die „Villa Rustica“ bei der Olachmühle über Huisheim, Munningen zum Castell Oberdorf. Die Hohlwege im Wald wurden von den Soldaten der Donauwörther Kaserne an der Stadtmauer in den Jahren 1860 bis 1870 mehrmals für Übungszwecke genutzt. Ein alter Grenzstein ist noch Zeuge der Abzweigung von Sulzdorf nach Kaisheim

Zwischen Akazienbäumen errichtete Josef Koch im selben Jahr am Wegrand für seine 1963 tödlich verunglückte Frau eine Kapelle.

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Auf der alten Wegtrasse wurde für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin ein armdickes Telefonkabel verlegt, das bei Flurbereinigungsarbeiten berücksichtigt werden musste. Als in der Mündlinger Schule noch unterrichtet wurde, befanden sich hier außerhalb des Dorfes auch ein Turnplatz und Krautgärten.

Unterwegs vermittelte Wenninger reichlich überliefertes Wissen zu der Bedeutung von Flurnamen. In einem Flurplan von 1850 wird ein Areal als „Flachster“ bezeichnet, weil hier wohl Flachs gedörrt wurde. Die Teilnehmer erfuhren auch, dass zwölf Bauern von den Gemeindeteilen „Alte Bretter“ verpflichtet waren, dem jeweiligen Mesner zur Fastenzeit einen Fastenlaib zu überlassen. „Kairlich“ ist der älteste aufgezeichnete Flurname Mündlings und war eine allgemeine Weidefläche, die 1802 unter den 78 Rechtlern aufgeteilt wurde. Aus dem Hang von den „Wiegenbettern“ wurde Material für den Bahnbau und die Flurbereinigung entnommen.

Die Exkursion führte nach Osten Richtung Sulzdorf, zum sogenannten „Gerlesberg“. Wenninger verwies auch auf die Stelle, an der im Januar 1944 ein Militärflugzeug vom Typ Dornier 217, ein zweimotoriger Bomber, abgestürzt war. Das Unglück forderte drei Todesopfer. Der Soldaten- und Kameradenverein Mündling errichtete an dieser Stelle im Jahre 2004 einen Gedenkstein.

Die Tour führte weiter zu einer Wasserreserve aus dem Jahre 1906, der ersten Wasserleitung zum Bahnhof. Hier erfuhren die Teilnehmer, dass etwa 3000 italienische Gastarbeiter auf der Bahnstrecke von Donauwörth nach Treuchtlingen von 1903 bis 1906 beschäftigt waren. Am 1. Oktober 1906 war die Jungfernfahrt eines Zugs von Donauwörth nach Treuchtlingen. Mündling hatte damals sogar eine eigene Polizeistation.

Der Name Türkenwiese entstand aus dem Bestand des türkischen Klees, der Esperasette. Josef Wenninger berichtete, es sei mündlich überliefert, dass hier angeblich ein Hauptmann mit seinem Gaul begraben ist. In der Nähe wurden 1906 zwei Gräber entdeckt. Die Bestattungen können aus der spätrömischen oder allemannischen Zeit aus den Jahren 300 bis 500 nach Christus sein, so die Dokumentation im Landesamt. Über den Biberhof wusste Wenninger folgendes: Der frühere Name „Biburg“ war ein römischer Gutshof mit etwa 100 Tagwerk. Er war ein klösterlicher Lehenhof Kaisheims mit Fahrrecht nach Kaisheim. An Funden konnten auf dem Biberhof verzeichnet werden: Dinare, Gewänder und Fibeln. Aufgrund der Luftbildarchäologie sind die Umrisse des Hofes genau zu erkennen, die sich bis über die Bahnlinie erstreckten. Am sogenannten Apfelkeller hinterhalb des Himmelreichs Richtung Sulzdorf, fand 1829 ein Schweinehirte eine goldene Münze aus dem Jahre 329 unter Kaiser Dioclecian.

Weitere Station war die sogenannte Erdfalle (Doline), in der das Wasser unterirdisch abfließt und bei Ebermergen wieder austritt. (dz)

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