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Rain

30.11.2016

Als der erste BH ins Lechgebiet kam

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5 Bilder
In den USA hat Mary Phleps diese BH-Form patentieren lassen, die auch zu uns kam.
Bild: Foto: Barbara Würmseher

Ausstellung Sanitätswesen, Kleidung, soziales Leben, Stadtentwicklung und vieles mehr. Das Heimatmuseum zeigt, wie das öffentliche Leben zwischen den Weltkriegen in und um Rain war. Heute um 19 Uhr findet die Vernissage statt

Zwei unscheinbare, handbeschriebene, nur jeweils 30 Seiten dünne Schulhefte schlummerten unbeachtet im Stadtarchiv Rain, bis der geschichtsinteressierte städtische Verwaltungsleiter Adalbert Riehl sie 1990 per Zufall entdeckte. Der einstige Stadtpfarrer Karl Rieger hatte darin Ereignisse festgehalten, Zeitungsausschnitte eingeklebt, Foto und Tabellen hinzugefügt. Nach ihm benannt, spricht man seit dem Fund von der so genannten Rieger-Chronik, die später ergänzt wurde von den Stadtpredigern August Mattes (ab 1925) und Ludwig Dorn (ab 1933).

Sie erlaubt uns heute Einblicke in Ereignisse und Blicke auf Persönlichkeiten ab dem 14. Juli 1914 – zwei Wochen vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. In jenen Tagen war die Rainer Bevölkerung gerade damit beschäftigt, auf dem Rathausplatz das Tillydenkmal aufzustellen und ignorierte dabei fast völlig das tödliche Attentat in Sarajewo auf das österreichisch-ungarische Thronfolgerpaar.

Wenn nun am heutigen Mittwoch, 30. November, um 19 Uhr die neue Ausstellung im Rainer Heimatmuseum eröffnet wird, gibt es eine Vielzahl an Dingen zu sehen, die auf Riegers Zeitzeugnisse – und die seiner Nachfolger – aufbauen. Unter dem Titel „Begeisterung, Sorge und Angst“ werden der Erste Weltkrieg, die Jahre danach und die Zeit des NS-Regimes beleuchtet. Ein Lebensalltag, der uns heute, viele Jahrzehnte später – fremd und altmodisch anmutet.

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Bei Kriegserklärung an Frankreich am 3. August 1914 notierte Pfarrer Rieger, die Menschen hätten meist schweigend und mit dem Ausdruck der Besorgnis an den Anschlagtafeln gestanden. Wichtig war allen, dass die ins Feld ziehenden Soldaten noch an den heiligen Sakramenten teilnahmen.

Andernorts wurden bald Nahrungsmittel knapp. In Rain spürte man dies zunächst wenig, nur Petroleum und Kupfer gingen aus. Kerzen waren teuer. Die Empfehlung, auf Spiritus umzustellen, half nicht immer: die Brauerei Bschorer stellte ihren Braubetrieb ein.

Wie ein roter Faden durchziehen Schilderungen der Wohltätigkeit die Tagebücher. Sie beziehen sich weniger auf die von oben angeordnete Aktionen, als vielmehr auf Sammlungen aus eigener Initiative – etwa die des Roten Kreuzes.

Einen bisher unbeachteten Aspekt, nänlich wie der Krieg im Kinderbuch thematisiert wird, zeigt ein Blick in die Bestände des Heimatmuseums. In Druckwerken von 1914 bis 1945 finden sich Schlagworte, die stark vom Krieg geprägt sind: Mut, Tapferkeit, Vaterlandsliebe, Kampf, Heldentum.

Während Männer und Frauen auf dem Land rund um Rain noch traditionsbewusst das Boarische Gwand trugen, zogen die Städterinnen bereits modischere Kleidung an. Bilder von der Grundsteinlegung der evangelischen Pfarrkirche lassen Damen in teils schwarzen, teils bunt geblümten und taillierten Kleider erkennen.

Ein Exponat der Ausstellung zeigt den ersten modernen Typ von Büstenhalter nach dem Korsett. Dessen Erfinderin Mary Phleps hatte sich ihn 1914 in den USA patentieren lassen. Vorn dort aus kam er in den 20er Jahren auch ins Lechgebiet. Ein weiteres kostbares Ausstellungsstück ist ein Brautkleid das kurz nach dem Ersten Weltkrieg geschneidert worden sein muss. Denn in Ermangelung eines besseren Stoffes wurde dazu Fallschirmseide verwendet.

Die Inflation von 1923 erreichte auch den Lech-Donau-Winkel. Kostete ein Ei am 6. Juni 1912 noch 7 Pfennige, zahlte man am 6. August 1923 schon 923 Papiermark (PM), am 17. September 1923 bereits 2,1 Millionen PM, am 5. November 1923 dann 22,7 Milliarden PM und am 15. November 1923 gar 320 Milliarden Papiermark.

Museumsleiterin Edith Findel und ihr Team haben diese und viele weitere Themenbereiche in einer sehenswerten Ausstellung zusammengetragen. Es geht um Kriegsberichterstattung, um helfende Händen vor Ort, Mangel und Hunger, schulische und militärische Ausbildung, Trauer und Krankheit, Veranstaltungen, Faschingstreiben und um vieles mehr. Sie lädt auf spannende Art dazu ein, in diese ferne Welt einzutauchen und sich mit dem Alltag unserer Vorfahren vertraut zu machen.

Info Die Ausstellung dauert bis zum 16. April. Sie ist geöffnet: Sonntag 14 bis 16 Uhr, Montag bis Donnerstag 14 bis 16 Uhr auf Anfrage. Kontakt unter Telefon 09090/7030 oder 09090/703340.

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