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Donauwörth

19.01.2019

Ankerzentrum: Streit unter „Freunden“ endet vor Gericht

Der Streit zwischen zwei Bewohnern des Donauwörther Ankerzentrums landete nun vor Gericht.
Bild: Manuel Wenzel

In Donauwörth geraten ein Afghane und ein Gambier aneinander. Vor Gericht geht es deutlich friedlicher zu. Das Opfer zeigt sogar Verständnis.

Dass es im Ankerzentrum in Donauwörth, wo Hunderte von Asylbewerbern aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen auf engem Raum leben, schnell zu Auseinandersetzungen kommen kann, ist hinlänglich bekannt. Am Nachmittag des 18. Juli 2018 gerieten in der Unterkunft ein Afghane, 25, und ein Gambier, 20, aneinander. Das Amtsgericht Nördlingen verurteilte nun den Mann vom Hindukusch wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. Wer befürchtet hatte, die beiden Kontrahenten würden auch im Gerichtssaal aggressiv auftreten, wurde eines Besseren belehrt.

„Wir haben kein Problem miteinander“, ließ der Angeklagte die Anwesenden, allen voran Richterin Katrin Wegele, über den Dolmetscher wissen, nachdem er den als Zeugen geladenen Gambier mit einem Lächeln begrüßt hatte, das der Afrikaner freundlich erwiderte. Auch sonst trat der Afghane in dem Prozess ruhig und höflich, ja beinahe schüchtern auf.

Angreifer ging angeblich mit der Gabel auf den Gambier los

An jenem Tag im Juli war die Stimmung hingegen gereizt. Die beiden jungen Männer waren im sogenannten Quarantäne-Gebäude auf dem Schellenberg in zwei Zimmern untergebracht, die nebeneinanderliegen. Angeblich machte der Gambier Lärm: „Er hat Tische hin und her geschoben.“

Der 25-Jährige – „ich war gerade beim Essen“ – ging mit der Gabel in der Hand zu seinem Nachbarn. Der lag auf seinem Bett – und wurde von dem Afghanen attackiert. Der 20-Jährige sagte, der Angreifer habe geschrien und ihn sogleich mit der Gabel stechen wollen. Er habe ihn aber abwehren können. Beim folgenden Gerangel bekam der Afrikaner dann auch noch einen Schlag gegen das Kinn. Der Gambier meldete den Vorfall dem Sicherheitspersonal. So kamen die Ermittlungen ins Rollen und der 25-Jährige landete vor Gericht.

Angeklagter gibt sich reumütig

Erst sechs Monate vorher hatte er einen Strafbefehl über 140 Tagessätze wegen sexueller Belästigung aufgebrummt bekommen. In der Verhandlung in Nördlingen gab er sich reumütig, entschuldigte sich und beteuerte, es wäre nicht einmal eine richtige Auseinandersetzung gewesen.

Versöhnlich gab sich auch der Gambier. Er habe dem Angreifer einfach die Gabel weggenommen. Und weiter: „Ich habe keine Probleme mit ihm. Er ist mein Freund.“ Der Afrikaner zeigte sogar Verständnis für den 25-Jährigen. Der habe seelische Probleme. Ein Betreuer bestätigte dies. Weil der Afghane Depressionen habe, sollte er eigentlich Medikamente nehmen, was er aber nicht regelmäßig tue. „Oft weiß ich nicht, was ich mache“, merkte der Angeklagte dazu an. Der appellierte an die Richterin: „Ich möchte nicht ins Gefängnis.“ Er habe auch nicht die Absicht gehabt, den Gambier zu verletzen.

Richterin Wegele verurteilte den 25-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten zur Bewährung. Auflage: Der Afghane muss zudem 80 Stunden gemeinnützige Hilfsdienste ableisten. Die Richterin erklärte, es sei von einer verminderten Schuldfähigkeit auszugehen. Dies verschiebe den Strafrahmen nach unten. Staatsanwältin Katharina Horn hatte es genauso gesehen.

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