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13.07.2010

"Argumente zählen, nicht der Wille der Politiker"

Donauwörth Er hat es eigenem Bekunden nach zur Chefsache erklärt, aber passiert ist bisher (noch) nichts. Stattdessen streiten sich Augsburg und der Landkreis Donau-Ries munter weiter um den künftigen Standort eines Rettungshubschraubers. Obwohl Innenminister Joachim Herrmann und ein Fachgutachten für die Stationierung in Genderkingen sind, um damit vor allem auch das Nordries im Rettungsfall schnell erreichen zu können, pochen Augsburgs Politiker unverdrossen darauf, den zusätzlichen Hubi ebenfalls in der Fuggerstadt zu positionieren. So hat also Ministerpräsident Horst Seehofer höchstpersönlich die strittige Causa zur Chefsache gemacht.

Allerdings gab es bis gestern Mittag noch immer keinen Gesprächstermin in München mit den Standortmatadoren beider Städte und Landkreise, wie gestern ein Sprecher der Staatskanzlei gegenüber unserer Zeitung bestätigte.

Ganz kurzfristig wurde gestern Nachmittag dann doch noch ein Termin anberaumt: und zwar für den heutigen Mittwoch um 17 Uhr im Maximilianeum. Was Landrat Stefan Rößle fürchtet, ist, dass Augsburg mit einer ganzen Corona heute in München aufkreuzt, um für die Fuggerstadt bei Seehofer zu werben. So muss also auch Rößle seine Leute zusammentrommeln, um seinem Anliegen und dem des gesamten Landkreises Nachdruck zu verleihen. Dem Vernehmen nach wird Augsburg heute mit Oberbürgermeister Kurt Gribl, Landrat Martin Sailer, dem Landtagsabgeordneten Max Strehle und womöglich mit weiteren schwäbischen Abgeordneten vertreten sein. Auf Donauwörther Seite sind Landrat Stefan Rößle, Oberbürgermeister Armin Neudert und Landtagsfraktionschef Georg Schmid gesetzt.

Noch rechtzeitig zuvor haben die Verantwortlichen des Landkreises Donau-Ries, der Stadt Donauwörth, der Gemeinde Genderkingen, der Donau-Ries-Klinik Donauwörth, der Motorflugsportgruppe Donauwörth-Genderkingen und des Bayerischen Roten Kreuzes gemeinsam ein Umsetzungskonzept für die Stationierung eines Rettungshubschraubers aufgestellt.

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An einem Strang

Die Ausgangslage, heißt es darin, sei eindeutig: "Der nordschwäbische Bereich ist unterversorgt." Dies sei auch die Aussage des Fachgutachters, der einen Hubschrauberstandort im Bereich Donauwörth vorschlage. Denn nur so könnten auch der nordwestliche Landkreis, vor allem das Ries, und der südwestliche Kreis Ansbach abgedeckt werden.

Wie berichtet, haben sich der Kreistag Donau-Ries, der Stadtrat Donauwörth und die Gemeinde Genderkingen als direkt Betroffene einmütig zu diesem Projekt bekannt. Die Notärzteschaft und die Donau-Ries-Klinik Donauwörth haben Gesprächsbereitschaft auch mit dem Zentralklinikum Augsburg signalisiert, um gemeinsam die notärztliche Besetzung sicherzustellen. Das nicht ärztliche Personal könne durch das Rote Kreuz Nordschwaben gestellt werden. Der Betreiber des Flugplatzes stehe dem Projekt sehr aufgeschlossen gegenüber. Bereits jetzt sei dieser Flugplatz Versorgungsstützpunkt der bayerischen Polizei- und Rettungshubschrauber sowie Stützpunkt der Luftrettungsstaffel Bayern.

Gleichwertige Bedingungen

Das Prinzip der gleichwertigen Lebensbedingungen in allen Teilen des Landes werde komplett ignoriert, sollte der Hubschrauber in Augsburg stationiert werden, heißt es warnend vonseiten der Verantwortlichen, darunter Stefan Rößle, BRK-Vorsitzender Franz Oppel und Armin Neudert: "Es darf nicht sein, dass Menschen, die auf dem flachen Land wohnen, früher sterben oder schwere gesundheitliche Schäden davontragen, nur weil sie nicht rechtzeitig in einer Klinik medizinisch versorgt werden."

So haben sich die Städte Nördlingen, Oettingen, Wemding und die Gemeinde Fremdingen ebenfalls für den Standort Donauwörth/Genderkingen ausgesprochen.

Der CSU-Politiker Stefan Rößle kann am Vorabend des Gesprächs nur auf ein Einsehen des Ministerpräsidenten setzen: "Es bleibt zu hoffen, dass der Ministerpräsident richtig entscheidet und Fachargumente vor Politikerwillen berücksichtigt", sagte er gestern.

Doch es geht auch die Befürchtung in Donauwörth um, dass Seehofer die Angelegenheit nicht so schnell vom Eis bringen werde, um dann am Ende nicht selbst zu entscheiden, sondern dies lieber dem Kabinett überlässt (der Fall Überschwemmungsgebiet Schwaigen bei Tapfheim, den Seehofer auch zur Chefsache machte, ist ebenfalls noch ungeklärt).

Mit welchen Bandagen Augsburg kämpft, sehen die Donau-Rieser schon daran, dass sich das dortige Rote Kreuz vor den politischen Karren hat spannen lassen und eine Unterschriftenaktion in der Bürgerschaft startete.

Schlechtes Beispiel

Die Donau-Rieser wollen dem "schlechten Beispiel", wie es heißt, nicht folgen: So hat etwa auch der BRK-Kreisgeschäftsführer Erwin Rudolph abgewunken, als das Thema Unterschriftenaktion intern debattiert wurde mit dem Hinweis, auf dieses Niveau wolle man sich beim nordschwäbischen Roten Kreuz nicht begeben; schließlich gehe es dem BRK um Rettung von Menschen, nicht um Politik auf Kosten anderer. (vc)

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