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28.08.2020

Asyl: Die Extremen links und rechts lagen falsch

Das Thema Asyl hat auch im Landkreis Donau-Ries Spuren hinterlassen.
Bild: Uli Deck/dpa (Symbolbild)

Plus Bei Betrachtung des Themas Asyl geht es immer um Menschen. Da ist kein Platz für Generalisierungen.

Es war das beherrschende Thema im Land – eigentlich bis kurz vor der Corona-Krise. Die Flüchtlingsbewegungen seit 2014/ 15 haben die Gemüter im Landkreis auch im Nachklang oftmals erregt, auch weil der große Zustrom freilich Auswirkungen auf die Region hatte. In vielfacher Hinsicht.

Das Ankerzentrum in Donauwörth war ein neuralgischer Punkt der regionalen Debatte, vorher waren es die fehlenden Unterkünfte bei steigenden Asylbewerberzahlen gewesen sowie Befürchtungen, die große Zahl an Flüchtlingen könne kaum integriert werden. Indessen muss man konstatieren: Weder die schlimmsten Befürchtungen auf der äußeren rechten Seite des politischen Spektrums, noch die euphorischen Prognosen auf der äußeren Linken sind bislang eingetreten.

Das vielschichtige Leben funktioniert eben nicht mit populistischen politischen Vereinfachungen oder dem Blick in die (gefärbte) Glaskugel. Weder absolute Horrorszenarien noch blühende Landschaften einer vermeintlich verbrüderten Weltgesellschaft lassen sich bis dato hinsichtlich dieser nach wie vor sensiblen Frage ausmachen. Die Extremen auf der linken wie rechten Seite lagen mit ihren Parolen letztlich wieder mal daneben, Gott sei Dank.

Kleine Unterkünfte machen Integration leichter

Derweil lässt sich feststellen, dass dort die Probleme bei der Integration wohl nachhaltig am geringsten waren, wo die Migranten in eher kleinen Unterkünften mehr Kontakt mit einheimischen Nachbarn und engagierten, sich kümmernden Helfern hatten und haben. Und natürlich auch, wenn seitens der Flüchtlinge das nachhaltige Interesse zum Einbringen in die Dorf- oder Stadtgesellschaft spürbar ist.

Ein Fakt sollte an dieser Stelle erwähnt werden: Es gibt große Vollzugsprobleme bei der Abschiebung ausreisepflichtiger Asylbewerber im Landkreis. 153 Asylbewerber müssten aktuell ausreisen, so die Ausländerbehörde in Donauwörth. Langwierige Verfahren, teils fehlende Bereitschaft bei der Mitwirkung zur Identitätsfeststellung, die Weigerung so mancher Herkunftsnation bei der Rückübernahme und Untertauchen sind Aspekte, welche der gewünschten Ordnung im System bislang entgegenstehen. Auch weil dieses in Deutschland (und der EU) nach wie vor nicht vollends ausgereift erscheint.

Dennoch bleibt eines festzuhalten: Bei der Betrachtung des Themas geht es immer um Menschen, absolute Generalisierungen oder letztgültige Urteile verbieten sich dabei eigentlich – im Übrigen auch mit Blick auf so absolut klingende Feststellungen aus dem Kanzleramt im Vorfeld, was wer wann schafft oder zu schaffen hat. Ein einfacher Weg war es nicht und wird es zunächst wohl auch nicht sein. Jede Seite muss Integration wollen und Probleme auch ohne Angst ansprechen dürfen – auch das ist eine mahnende Lehre aus 2015.

Lesen Sie hierzu auch:Asyl: Ruhe nach dem Sturm?


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