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Kinderbetreuung

04.01.2019

Auch im Landkreis Donau-Ries fehlen Erzieher

Die Betreuung von Kindern in öffentlichen Einrichtungen ist schwierig geworden, weil Erzieherinnen oft händeringend gesucht werden.
Bild: Jens Büttner

Plus Seit diesem September ist es auch im Donau-Ries-Kreis für Träger schwierig, frei gewordene Stellen zu besetzen. Warum sich die Lage auf dem Land besonders kompliziert gestaltet.

Deutschland gehen die Erzieher aus und auch im Landkreis Donau-Ries ist das Problem angekommen. „Erzieher sind auch bei uns Mangelware“, sagt Claudia Wernhard, die im Landratsamt Donau-Ries in der Abteilung Jugend und Familie arbeitet. Sie hat den Überblick über alle 98 Einrichtungen der Kinderbetreuung im Landkreis. Und sie weiß sehr gut, dass es den Trägern der Kindertagesstätten vor allem seit diesem September sehr schwerfällt, frei gewordene Stellen zu besetzen.

Gleiches kann auch Andrea Vinzens von der Evangelisch-lutherischen Kirche berichten. Sie arbeitet in der Verwaltungsstelle in Nördlingen. 32 Kindergärten betreut sie als Geschäftsführerin des Bereichs Kita und Betreuung im Landkreis. „Wir haben seit November eine Stelle frei, aber wir haben 0,0 Interessenten“, erzählt sie ganz offen. Praktikantenplätze könnten nur mit Müh und Not gefüllt werden. „Wir nehmen, was wir kriegen können“, sagt Vinzens. Und sie macht auch keinen Hehl daraus, was passiert, wenn Arbeitsstellen in Zukunft langfristig unbesetzt bleiben. „Das müssen die Kolleginnen auffangen, aber am Ende heißt es, dass wir weniger Kinder aufnehmen können.“

Der Bund will den Ländern finanziell helfen mehr Erzieher zu finden

Und das ist eigentlich genau das Gegenteil von dem, was die Bundesregierung und der Freistaat Bayern erreichen wollen. Um Eltern nach der Elternzeit wieder zurück an den alten Arbeitsplatz zu bringen, sollen Kinder betreut werden können. Die Zeiten wurden in den vergangenen Jahren ausgebaut, der gesetzliche Anspruch auf einen Platz eingeführt. Ab April 2019 wird zudem jedes Kindergartenkind mit 100 Euro im Monat während der gesamten Kindergartenzeit finanziell unterstützt. „Der Ausbau an Betreuungsplätzen seit 2007 und 2008 war bereits enorm“, sagt Claudia Wernhard vom Landratsamt. „So schnell, wie neue Kräfte gebraucht werden, können die gar nicht ihre Ausbildung abschließen.“

Die dauert fünf Jahre, läuft in großen Teilen sogar ohne Bezahlung. Das will Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) mit dem bereits abgesegneten „Gute-Kita-Gesetz“ jetzt ändern. Nach aktuellen Berechnungen im Auftrag des Familienministeriums werden im Jahr 2025 bereits 191000 Erzieher für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter fehlen. Im Jahr 2030 werden es Giffey zufolge dann knapp 200000 sein. Der Bund will den Ländern deshalb von 2019 bis 2022 mit 300 Millionen Euro helfen, mehr Erzieher für eine bessere Betreuung in den Kitas zu finden. Ein wichtiger Baustein: Die Ausbildung soll vergütet werden.

Zuschuss der bayerischen Staatsregierung "zu kurz gedacht"

„Das ist sicher ein guter Weg“, sagt Andrea Vinzens. Sie hat selbst die Erfahrung gemacht, dass Interessenten in ihrem Haus bewusst die Ausbildung im kaufmännischen Bereich gewählt haben, weil diese vergütet ist. Doch Ideen der schwarz-orangenen Staatsregierung in Bayern, wie ein Zuschuss zum Kindergarten in Höhe von 100 Euro, findet sie „zu kurz gedacht“. In einer Region wie dem Landkreis Donau-Ries, in dem Kinderbetreuungsplätze relativ günstig sind, sei ein solcher Zuschuss quasi gleichbedeutend mit einem kostenlosen Betreuungsplatz. „Also buchen mehr Eltern Stunden für ihr Kind und vielleicht vorsichtshalber längere Zeiten. Damit bräuchten wir wieder mehr Personal. Das ist schlicht nicht zu handhaben“, sagt Vinzens.

Lesen Sie auch: Ausbildung zum Erzieher könnte bald attraktiver werden

Und noch ein anderes Problem verschärft die Lage in Kindergarten und Kita. Da fast alle Erzieher weiblich sind und diese einige Jahre nach Ausbildungsende meist selbst Familien gründen, fallen sie aus. Und das nicht wie in anderen Berufen acht Wochen vor Geburtstermin zum regulären Mutterschutz, sondern gleich zu Beginn der Schwangerschaft. Hier greift ein Beschäftigungsverbot. „Das heißt, die Kraft fällt ohne Ankündigung unmittelbar weg“, erklärt Claudia Wernhard. Wenn sie wieder zurück in den Beruf wollen, dann meist nur in Teilzeit. „Das wiederum ist ein Ergebnis der deutlich ausgedehnten Betreuungszeiten.“

Weg vom Image der Kindergartentante

Wernhard und auch Andrea Vinzens würden sich wünschen, dass der Beruf des Erziehers an sich mehr aufgewertet wird. „Vielleicht ist es dann auch für Männer mal eine Option“, sagt Wernhard. „Wir müssen weg vom Image der Kindergartentante“, sagt auch Vinzens. „Die Erziehung der Kinder in Einrichtungen ist eine verantwortungsvolle und anstrengende Aufgabe.“

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