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Donauwörth

20.02.2021

Auf Spurensuche: Der Schäfflertanz in Donauwörth

So erlebt man die Schäffler alle sieben Jahre in Wemding wieder, wo dieses Brauchtum – normalerweise – noch immer gepflegt wird.
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So erlebt man die Schäffler alle sieben Jahre in Wemding wieder, wo dieses Brauchtum – normalerweise – noch immer gepflegt wird.
Bild: Stefan Sisulak

Plus Das Brauchtum des Schäfflertanzes geht laut Volkssage auf die Pest zurück. Auch in Donauwörth pflegte die Zunft der Fassmacher einst diesen Reigen.

München und der Schäfflertanz – das sind zwei Begriffe, die zusammen genannt werden. Den Schäfflertanz im Glockenspiel des Neuen Münchner Rathauses täglich um 11 Uhr vormittags lässt sich kaum ein Besucher der Landeshauptstadt entgehen. Nach der Volkssage geht dieser Schäfflertanz auf eine Initiative der Schäffler während der Pest 1517 zurück. Der 1751 in Donauwörth geborene Publizist, Aufklärer und Illuminat Lorenz Hübner spricht in seiner „Beschreibung der Kurbaierischen Haupt- und Residenzstadt München“ von einem Privileg: „Die Schäffler haben ein altes Privilegium, alle sieben Jahre einen sogenannten Schäfflertanz mit vom Buchs umwundenen Reifen, den großen Achter genannt, durch die Straßen der Stadt zu tanzen …“

Seit 1795 – der Schäfflertanz wird am Vorabend der Vermählung des 71-jährigen Kurfürsten Karl Theodor mit der 19-jährigen Erzherzogin Maria Leopoldine von Österreich-Este aufgeführt, die übrigens auf dem Antoni-Berg bei Steppberg ihre letzte Ruhestätte gefunden hat – bekommt der Schäfflertanz einen siebenjährigen Turnus.

Schäfflertanz in Donauwörth ist einer der ersten Ableger aus München

Bemerkenswert ist, dass der Schäfflertanz in Donauwörth einer der ersten Ableger des Münchner Schäfflertanzes ist. Das „Königlich-Baierische privilegierte Donauwörther Wochenblatt“ vom 23. Februar 1822, das im Stadtarchiv Donauwörth aufbewahrt wird, berichtet über die Uraufführung. Begeistert schreibt der Herausgeber der Zeitung, Johann Baptist Schön, unter der Rubrik „Faschingsunterhaltungen“ über den Schäfflertanz in Donauwörth Folgendes: „Am vergangenen Faßtnacht-Sonntage begann nach Mittag um 12 Uhr vor den Wohnungen unserer Herren Beamten, Magistratsmitglieder und anderer Honoratioren der sogenannte Schäfflertanz.“

Eine Entstehungslegende oder ein Gelübde für den Schäfflertanz gibt es in Donauwörth nicht. Im Wochenblatt ist zu lesen:

„Diese selbst in mehrern grossen Städten Deutschlands einheimische Belustigung verfehlte um so weniger ihren Zweck, als sie hier noch nie gesehen wurde und durch exakte Ausführung der Reiftänze, gymnastische Haltungen, und geräuschlose Ordnungsliebe den allgemeinen Beyfall mit Recht in Anspruch genommen hat …“

Der ehemalige Gasthof Zur Glocke in Donauwörth, das frühere Zunftlokal der Schäffler.
Bild: Stadtarchiv Donauwörth

Im Gegensatz zum Münchner Schäfflertanz, bei dem, wie Johann Andreas Schmeller 1802 in seinen Tagebüchern schreibt, „eine Rotte junger Binder (gemeint sind Schäffler) beim Getöse einer Trommel und Pfeife ein Wirrwarr untereinander machten, der einem Tanze gleichen sollte …“ herrscht in Donauwörth „geräuschlose Ordnungsliebe“. So hat sich nicht nur der Schäfflertanz, sondern „auch die geniale Auswahl unserer heutigen Maskeraden ... (ohne mit kleinstädtischen Elogen zu wuchern) in den Jahrbüchern des geselligen Frohsinns höchstlobwerth verewigt …“

Neben den Reiftänzen – Gruppentänzen mit geschmückten Halbreifen als Tanzgeräten, die als Verbindungsglieder von Mann zu Mann dienen – waren beim ersten Schäfflertanz in Donauwörth noch „gymnastische Haltungen“ zu sehen. Welche Musikkapelle die Tänzer und die „geniale Auswahl unserer heutigen Maskeraden“ begleitet hat, verrät der Herausgeber der Zeitung leider nicht.

Schäfflertanz in Donauwörth: Eine verborgene Tradition

Nach vier Jahren wird der Schäfflertanz wiederaufgeführt. Im Wochenblatt vom 4. Februar 1826 lädt die hiesige Schäfflerzunft mit „obrigkeitlichem Vorwissen am Faßnachts-Sonntag Mittags 12 Uhr zum Umzug (sogenannter Schäfflertanz) jeden Schaulustigen ein“.

Dazu gab es am Faschingssonntag Bälle in der Goldenen Krone, im Goldenen Hirschen, in der Goldenen Rose, im Weißen Löwen und in der Goldenen Traube.

Nach fünf Jahren fand am 15. Februar 1831 am Faschingssonntag der mittlerweile „herkömmliche Schäfflertanz“ wieder statt.

Zwei Löwen schlagen auf ein Fass: Zu sehen in der Kronengasse am Haus des einstigen Schäfflers Stadtmüller.
Bild: Stadtarchiv Donauwörth

In der Bürgerliste von 1834, die im Stadtarchiv Donauwörth liegt, sind sechs Handwerksbetriebe verzeichnet, die sich in der Kronengasse, der Rest in der Reichsstraße, Eichgasse und in der Hindenburgstraße befanden. Zur Schäfflerzunft gehörten unter anderem Ignaz Meir, Georg Kothmeier, Joseph Trabers Witwe, Joseph Müller, Peter Traber und Joseph Haunstetter.

Nach sieben Jahren am 25. Februar 1838 „werden die hiesigen Schäffler am Faßnachts-Sonntage den vor sieben Jahren zum letzten Mal aufgeführten Schäffler Tanz wieder feyern. Zwölf Tänzer und zwei Harlekins werden sich in verschiedenen Reiftänzen und Schwingungen auf dem Platze produzieren und ihren Auszug von der Herberge Mittags 12 Uhr beginnen.“

Rund um den Schäfflertanz in Donauwörth kann vieles nur vermutet werden

Ob es sich bei den zwölf Tänzern um ledige Gesellen der Schäfflerzunft handelt, wie es in München üblich war, und ob der Schäfflertanz vor dem Tanzhaus stattfand, können wir nur vermuten. Das Gasthaus Zur Glocke in der unteren Reichsstraße, heute Reichsstraße 7, eine der damals 41 Wirtschaften in Donauwörth, war die Zunftherberge der Schäffler. Interessant ist der Hinweis, dass zwei Harlekins oder zwei Hanswursten oder Kasperl den Zug begleiten. Sie hatten vermutlich eine kleine Holzfigur dabei, unter der sich schwarze Schminke befand, mit der die Harlekine die Nasen der Zuschauer schwärzten. Das sollte an den Tod erinnern, aber auch Glück bringen.

Beim Schäfflertanz in Wemding, den die Tänzer in schmucken Uniformen zelebrieren.
Bild: Stadtarchiv Donauwörth

Beim letzten Schäfflertanz in Donauwörth am Faschingssonntag, dem 2. Februar 1845, „werden vierzehn Schäffler und drei Harlequins sich in verschiedenen Reiftänzen und Schwingungen auf dem Platze produzieren …“. Nebenbei erfahren wir, dass wegen des auch am Faschingssonntagnachmittag in der Stadtpfarrkirche stattfindenden Gottesdienstes die „Produktionen des Tanzes“ unterbrochen werden mussten. In den folgenden Jahren gibt bis jetzt keine Hinweise mehr auf einen Schäfflertanz in Donauwörth.

1847 eröffnete Joseph Haunstetter in der Kronengasse 145 (heute Kronengasse 32) eine neue Schäfflerwerkstatt, die 1896 der aus Bopfingen kommende evangelische Schäffler Daniel Stadtmüller übernahm. An der Giebelseite dieses ehemaligen „Stadtmüller-Hauses“ sind heute – ähnlich wie beim Wappen des Fachvereins der Münchner Schäffler“ – zwei Löwen zu sehen, die auf ein Fass schlagen. Dieses Bild ist eine Erinnerung an eine vergessene Tradition in Donauwörth, die eben einstmals „in den Jahrbüchern des geselligen Frohsinns höchstlobwerth verewigt“ wurde …

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