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Mertingen

29.09.2019

Auf Zeitreise durch den 1050 Jahre alten Ort

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4 Bilder
Von der Kirche ging ein farbenprächtiger Umzug mit Fahnenabordnungen und Musik zur Alten Brauerei, in der dann die spannende Geschichte fachkundig erzählt wurde.
Bild: Foto: Szilvia Izso

Die Gemeinde feiert ihr Jubiläum mit Gottesdienst, Umzug und Festakt

Die Heißesheimerin Gudrun Sperger, brachte es im Festakt zur Feier der erstmaligen urkundlichen Erwähnung der Gemeinde Mertingen in dem von ihr sehr kurzweilig vorgetragenen Mundartgedicht auf den Punkt: Die Geschichte aus dem Jahr 969 mit dem Augsburger Bischof Uodalrich „..weil er g‘scheit regiert‘ hat er uns protokolliert“.

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Amüsant stellte dann auch Dr. Franz Xaver Ries, ehemaliger Lehrer in Mertingen, Archivar, hochgeschätzter Historiker und Literat, die Erlebnisse bei seiner Zeitreise ins frühmittelalterliche Mertingen vor. Sein Alter Ego besuchte auf der Turenberc – der fränkischen Burg mit zwei Höfen, auf dem vorderen südöstlichen Bergsporn über der Schmutter – den „am Ohr Gezogenen“ Zeugen Gotepold, Vogt und Meier des Adeligen Liuto. Personen aus der Stiftungsurkunde von Bischof Ulrich für ein Kanonissenstift bei St. Stephan in Augsburg, in das die namentlich nicht genannte Tochter des Liuto eintrat, und für die er 3 Höfe (huoba) „in Mardinga situm“ übertrug. Die Urkunde ist auf den 23. April 969 datiert.

Gotepold wusste auf der schmucken Burg mit hoch aufragendem Bergfried vieles zu erzählen – vor allem, wie er an der großen Schlacht um Augsburg, unter der Führung von Bischof Ulrich, gegen die Horden der das Land verheerenden Hunnen teilgenommen hatte, gar verletzt worden war. König Otto I (nachmalig der Große) hatte die Hunnen in der Schlacht auf dem Lechfeld dann so geschlagen, dass sie nie mehr deutsche Lande angriffen. Er hat auch erzählt, was er an Zehent (Naturalleistungen an Korn, den Früchten von Feld und Gärten) und an Fronleistungen von den Bauern des Dorfes forderte – er musste ja auch einen Teil abführen. Und er bot dem Besucher einen schmackhaften Imbiss mit Wild oder Fisch an, und besserem Wein aus dem Druisheimer Weinberg – besser als unten im Dorf.

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In der Dorfwirtschaft untergekommen

Der Zeitreisende war in der Nacht zuvor in der Dorfwirtschaft untergekommen, sodass er sehr anschaulich die dortigen Zustände beschrieb – ein langes, 18 mal 7 Meter großes Haus, schilfgedeckt, mit Wänden aus Weidengeflecht, mit Lehm, vermischt mit Kalk und Mist, verschmiert. Er schlief im großen Gemeinschaftsraum neben dem Saal, in dem mittig ein Feuer brannte, auf Strohmatratzen, nach einem wenig appetitlichen Mahl: Brühe mit ein paar Erbsen oder Kohlfetzen, vom meist zähen Fleisch war nichts mehr da (die Bauern schlachteten nur, wenn ein Tier zur Feldarbeit nicht mehr taugte). Das dünne Bier, der saure Leitheimer Wein waren auch keine Ambrosia. Und erst der durchdringende Gestank im Schlafraum, vom Rauch, Urin aus jeder Ecke, und ungewaschenen Körpern! Das Dorf selbst - ein großen Hof, der Maierbauernhof und viele kleine Sölden. Dunkel, und dreckig. Reisen war lebensgefährlich - man brauchte eindringliche Reisesegen, die er mehrfach zitierte.

Bilder aus dem Album

Im zweiten Teil – Bilder aus dem Album von Familie Schweihofer, bäuerliches Leben, dokumentierte er den unaufhaltsamen Fortschritt in der Landwirtschaft.

Fein war der musikalische Part – die „jungen Steicher“ fiedelten, der Chor junger Mertingerinnen unter Leitung von Theresa Ackermann sang bezaubernd das „Mertingen-Lied“ und eine schwäbische Volksweise, die Mertinger Musikanten intonierten „Hei grüaß di Gott, Ländle“, Bayern- und Deutschlandhymne. Eine sehr gelungene Veranstaltung zu einem sehr geschichtsträchtigen Ereignis: das eben ist die Geschichte Mertingens!

Vorausgegangen waren dem weltlichen Festakt ein ökumenischer Gottesdienst, der von Pater Alexander Thurutikatt und der Pastorin Elke Dollinger zelebriert wurde. Danach marschierte die Festgemeinde mit Fahnenabordnungen und Blasmusik zur Alten Brauerei. Es war ein eindrucksvolles Bild, das zeigte, wie sehr Mertingen seine Geschichte in die Gegenwart mitnimmt.

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