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Konzert

16.02.2018

Auf der Suche nach neuen Klängen

Faszinierendes Spiel dreier Stipendiaten des Deutschen Musikrats. Sie machten mit der Musik des 20. Jahrhunderts vertraut.
Bild: Ulrike Hampp-Weigand

Drei junge Musiker führten in Kompositionen des 20. Jahrhunderts ein

Drei junge Musiker, Stipendiaten des Deutschen Musikrates, waren in Mertingen zu Gast – und anregendes Konzerterleben war garantiert. Mit Werken, die nicht unbedingt in einem „dörflichen“ Konzert zu erwarten waren: Versprachen die Musiker doch einen Einblick in die vielfältigen Klangsprachen und musikalischen Strömungen ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts.

„Ins Freie“ versprachen sie ihr Publikum mitzunehmen, auf der Suche nach neuen Sinneseindrücken und Klangfarben. Die Besucher beim Konzert des aus dem Wertinger Klarinettisten Andreas Lipp und der Berliner Pianistin Katharina Groß gebildeten Duos Biloba, das mit der Cellistin Ildikó Szabó auch im Trio musizierten, erfreuten sich an dieser Suche nach neuen Klängen in den Werken französischer Komponisten, da um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert vor allem in Frankreich Neues gewagt wurde.

Claude Debussy, als Vertreter des Impressionismus vor allem interessiert an der Poesie der Klangfarben, zollten die Musiker Tribut mit einem seiner konzertanten Werke, seiner „Première Rhapsodie“ für Klarinette und Klavier. Mit leichter Hand und langem Atem verführte Andreas Lipps wunderbare Klarinette mit tänzerischer Lebhaftigkeit zu Urlaubsträumen im Midi, konzentriert begleitet von der den ganzen Abend beeindruckend spielenden Pianistin.

Alban Bergs „4 Stücke“ op. 5 setzten einen fast verstörenden Kontrast zur vorgehend flirrend- oszillierenden Musik: Miniaturen, deren musikalische Ideen auf wenige Takte verdichtet sind, ohne erkennbares Motiv, faszinierend in verlangsamenden, fallenden Tönen – in zwölf Takten gibt es 13 Angaben zu den Tempi, nur ausnahmsweise wird von beiden Instrumenten gleichzeitig derselbe Ton oder derselbe Rhythmus gespielt. Jedes dieser Stücke dauert gefühlt nur einen Augenblick, ist die bis ins Pianissimo gespielte Klarinette wieder verstummt, verzagt das mit dieser und der rechten und der linken Hand einen polyfonen Satz spielende Klavier. Das Publikum wusste das wohl zu goutieren!

Ein fröhlich beschwingter Francis Poulenc mit seiner „Sonate für Violoncello und Klavier“ FP 143, ein hinreißendes Cello, von einem enthusiasmierten Klavier kongenial begleitet, begeisterte dann. Beide Instrumente sprudelten über vor zauberhaften Themen, ein Allegro tempo di marcia sehr rhythmisch, eine sängerische Cavatine, ein Finale, das eine Suite für sich war – was Wunder, komponierte Poulenc doch daneben eine Oper – sein Reichtum an musikalischen Einfällen fand hier ein Ventil.

Nicht minder akzentuiert gespielt, musikantisch fast, das anschließende Auftragswerk des zeitgenössischen Komponisten Sven Daigger für Klarinettentrio „…und ab dafür“ – die musikalische Bandbreite einer Klarinette wurde ausgelotet, im Trio grummelten, umschmeichelten sich die Instrumente sehr melodisch, und immer wieder in heftigen Ausbrüchen kulminierend: spannend und höchst unterhaltsam!

Mit dem „Klaviertrio in d-Moll“ op. 120 in der Urfassung für Klarinettentrio von Gabriel Fauré – seinem einzigen Klaviertrio, „dem“ Klassiker des Triorepertoires in Frankreich neben den Trios von Maurice Ravel – klang der Abend mit diesem reduzierten Alterswerk in einfachsten Melodien, durchsichtigem, an Kirchenmusik erinnernden Klang, in wechselndem Gesang der Instrumente über einfachen Klavierakkorden wunderbar stimmig aus. Aufbruch in eine neue Zeit, neue Klänge. Die Begeisterung des beifallfreudigen Publikums belohnte das Ensemble mit einem Satz aus Robert Schumanns „Märchenerzählungen“ – zart, melodiös, romantisch: ein Gruß an den von Gabriel Fauré so sehr verehrten deutschen Komponisten der Romantik.

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