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19.06.2009

Augenwischerei und Verletzung der Privatsphäre

Donauwörth (glori) - Der Amoklauf von Winnenden soll nicht ohne Konsequenzen bleiben. Darin waren sich Politiker aller Parteien einig. Gut drei Monate nach der Tat entschied gestern der Bundestag über eine Verschärfung des Waffenrechts. Die Jäger im Landkreis Donau-Ries sind darüber alles andere als begeistert. "Wir lassen uns nicht mit potenziellen Kriminellen auf eine Stufe stellen", sagt der Kreisvorsitzende des Jagdverbandes Donauwörth, Waldemar Kalchgruber.

Durch die Neuregelung sollen nun Kontrollen in den heimischen Waffenschränken jederzeit und verdachtsunabhängig durchgeführt werden dürfen. "Das ist ein Eingriff in die Privatsphäre", schimpft Kalchgruber, "man fühlt sich als Waffenscheinbesitzer inzwischen schon fast wie ein Schwerverbrecher." Der Bayerische Jagdverband werde alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um diese Änderung zu verhindern, sagt der Kreischef.

Als "reine Augenwischerei" bezeichnet die Gauschützenmeisterin Rita Schnell das in ihren Augen vorschnelle Handeln der Politiker: "Der tragische Vorfall in Winnenden lag nicht an einer zu laschen Gesetzgebung. Der Vater des Amokläufers hat sich schlichtweg nicht an die Regelungen gehalten. Ich verstehe also nicht, warum jetzt eine Verschärfung her muss." Schnell hat allerdings eine Vermutung: "So kurz vor den Wahlen meinen die Politiker wohl etwas Positives zur Beruhigung der Öffentlichkeit tun zu müssen." Dass diese allerdings zum wiederholten Mal auf dem Rücken der Sportschützen ausgetragen wird, findet Schnell nicht richtig.

Der Fachbereichsleiter für Sicherheitsangelegenheiten im Landratsamt, Karl Lasch, sagt: "Menschliche Fehler kann das schärfste Gesetz nicht verhindern." Lasch ist unter anderem für die Überwachung der rund 4300 Waffenscheinbesitzer im Landkreis zuständig und fragt sich, wie die Neuregelung der Kontrollen personell umgesetzt werden soll: "Mit dem momentanen Personalbestand ist eine verstärkte Kontrolle nicht möglich." Außerdem sei eine Überprüfung immer nur eine Momentaufnahme: "Wenn ich heute sehe, dass der Waffenschrank ordnungsgemäß abgeschlossen ist, heißt das nicht, dass es morgen vielleicht vergessen wird."

Den Ansatz der Politiker hält Jäger Kalchgruber für "vollkommen verkehrt". Die Wurzel des Übels liege woanders, denn "wenn jemand - wie der Amokläufer in Finnland - sechs Jahre so ein Verbrechen plant, dann kommt er irgendwie auch an eine Waffe."

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