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Unternehmensporträt

15.01.2015

Aus Leidenschaft zur Landwirtschaft

In Connys Spielwarenladen gibt es eine Teststrecke.
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In Connys Spielwarenladen gibt es eine Teststrecke.

Die Geschichte des kleinen Spielwarenladens von Conny und Walter Beck ist mehr als ungewöhnlich. Ein Hobby, handwerkliches Geschick und Fachwissen treffen sich

Knifflige Details sind seine Spezialität. Oft tüftelt er mehrere Tage an der Lösung eines Problems. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass die Vorhangstange im Esszimmer zweckentfremdet wird und als Materiallieferant herhalten muss. „Das war bei einem Auftrag für ein Weidefass mit Tränkebecken der Fall“, erzählt Walter Beck mit einem Schmunzeln. „Das Fahrgestell und das Fass an sich konnte ich aus den Teilen, die in meiner Werkstatt vorhandenen sind, zusammenbasteln. Aber das Tränkebecken war ein Problem.“

Wer jetzt nicht gleich weiß, dass es für Beck hier um ein besonderes Problem des Modellbaus von landwirtschaftlichen Geräten geht, der ist vermutlich keine Ausnahme. Walter Beck hat sich auf Eigen- und Umbauten für Sammler im Bereich Modellbau spezialisiert. Normalerweise würden für die Produktion von solchen Details im Modellbau 3-D-Drucker verwendet. Ein solcher sei für ihn bisher jedoch noch unerschwinglich, so Beck. Und so fiel sein Blick eines Tages beim Essen auf die Vorhangstange. Und schon stand dem Tränkebeckenbau nichts mehr im Weg.

Aus der Leidenschaft ist mittlerweile aber auch ein Geschäft geworden. Walter Becks Frau Conny betreibt ein Spielwarengeschäft auf dem Kreishof in der Nähe von Harburg. Nach der Babypause wollte sie wieder arbeiten. Ihr früherer Arbeitgeber bot ihr jedoch nur eine Tätigkeit im Drei-Schicht-Betrieb bei einer Sieben-Tage-Woche an. Dies lehnte die Mutter von drei Töchtern ab und entschloss sich stattdessen zur Gründung einer Ich-AG.

Ein Hofladen mit Lebensmitteln und verderblicher Ware kam wegen des vergleichsweise hohen Risikos nicht infrage. Es bot sich an, das Hobby ihres Mannes irgendwie einzubeziehen, und so entschied sich Conny Beck für den Verkauf von Spielwaren. Am 1. Januar 2004 war es so weit: Connys Spielwaren feierte Eröffnung.

In dem Marktsegment Fuß zu fassen, erwies sich anfangs als schwierig, erzählt sie. Des Öfteren kamen Bestellschreiben von Spielwarenherstellern mit dem Hinweis „Wir sind an ihnen als Kunde nicht interessiert“ zurück. Conny Beck ließ jedoch nicht locker. Langsam, aber stetig baute sie das Geschäft aus. Mittlerweile umfasst ihr Laden ein zweistöckiges Areal in einem Nebengebäude auf dem Hof – ein Eldorado für Modellbaufans.

Aber wie konnte sie sich bei der wachsenden Internetkonkurrenz so gut durchsetzen? Das A und O sei laut Beck die Beratung. Sammler lieben Gespräche und Fachsimpeleien unter Gleichgesinnten. Außerdem dürfe man bei ihr alles an-schauen, auspacken und ausprobieren. Sie habe sogar einen Kunden, der einmal im Jahr mit dem Motorrad aus Stuttgart angereist komme.

Als Riesenvorteil erweist sich der Reparaturservice, den sie dank ihres Mannes anbieten kann. „Klar, dass damit auch viel Arbeit verbunden ist“, sagt die Geschäftsfrau, „aber vieles ist zum Wegwerfen einfach zu schade.“ Beispielsweise kostet ein neuer Mini-Traktor 30 Euro und die abgebrochene Heckhydraulik drei Euro. Da mache es doch keinen Sinn, gleich den ganzen Traktor neu zu kaufen. Die meisten Kunden, vor allem die Kinder, hingen ja auch sehr an ihren bereits bespielten Modellen.

Besonderes Geschick zeigt Walter Beck nicht nur bei den Reparaturen. Auch Umbauten, wie beispielsweise Reifenverbreiterungen oder Frontladeranbauten, zählen zu seinem Metier. Vor allem aber sind seine Eigenbauten bei Sammlern gefragt. So kommt es öfters vor, dass ein Landwirt ein Fahrzeug auf seinem Hof nutzt und genau dieses auch als Modell in seiner Vitrine stehen sehen möchte. Gibt es das besagte Fahrzeug bisher nicht als Modell zu kaufen, kann sich der Sammler an Beck wenden. Meist werden die speziellen Wünsche auf einem Foto des Originalfahrzeugs dokumentiert und an Beck geschickt.

Auch die Firma Siku zeigt Interesse an seinen Arbeiten. Vor geraumer Zeit habe er das Modell eines Hängers mit zwei Achsen zu einem Drei-Achs-Hänger umgebaut. Als Unikat stellte Beck diesen Anhänger auf der Spielwarenmesse in Nürnberg aus. Ein Mitarbeiter der Firma fotografierte das Teil mehrmalig. Im Jahr darauf gab es das gleiche Modell serienmäßig aus dem Hause Siku.

Walter Beck nimmt an Serienmodellen oft Änderungen vor, damit Kinder originalgetreuer damit spielen können. Sein Wissen, wie es in der Realität funktioniert, beruht auf eigenen Erfahrungen. Schließlich bewirtschaften die Becks eine Landwirtschaft mit Zucht- und Mastschweinen. Das leidenschaftliche Interesse, kombiniert mit dem praktischen Fachwissen, macht Walter Beck zu einem unumstrittenen Experten. Deshalb laufen Verhandlungen mit der Firma Siku bezüglich einer Testreihe zur Spieltauglichkeit neuer Modelle.

Übrigens kann man die Modelle von Walter Beck auch auf der 6. Rieser Modellbörse begutachten, welche am 7. und 8. November 2015 in Harburg stattfinden wird.

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