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Donauwörth

03.09.2011

Ausgrabungen: Skelette von Nonnen aus dem 11. Jahrhundert?

Bei den archäologischen Grabungen auf dem Areal  der ehemaligen Ritterburg Mangoldstein in Donauwörth machte man sensationelle Funde: Man endeckte zwei Frauenskelette und Hinweise auf das ehamalige Kloster innerhakb der Burgmauern.
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Bei den archäologischen Grabungen auf dem Areal der ehemaligen Ritterburg Mangoldstein in Donauwörth machte man sensationelle Funde: Man endeckte zwei Frauenskelette und Hinweise auf das ehamalige Kloster innerhakb der Burgmauern.
Bild: Reißer, Gudrun

Archäologen machen im Burgareal auf Mangoldstein sensationelle Funde. Damit werden schriftliche Überlieferungen bestätigt.

Es ist eindeutig – das Wort „sensationeller Fund“ will Wolfgang Czysz partout nicht über die Lippen. Doch das, was jetzt bei den archäologischen Grabungen am Mangoldfelsen ans Tageslicht kam, ist sicherlich mehr als nur „toll und überaus erfreulich“ wie es der Wissenschaftler und Referatsleiter beim Landesamt für Denkmalpflege, Dienststelle Thierhaupten, im Gespräch mit unserer Redaktion formuliert. Die Funde zementieren nämlich etwas, das bisher nur aus Urkunden und Überlieferungen bekannt war: In der einstigen Burg der Edelfreien Mangolde von Werd befand sich tatsächlich ein Kloster. Konkret: ein Frauenkloster.

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Seit Ferienbeginn sind sie wieder schwer am arbeiten: die Archäologen, die auf dem ehemaligen Pausenhof der Mangoldschule im Spindeltal nach Zeugnissen der Vergangenheit suchen. Konkret wird nach Spuren aus der Zeit des Hochmittelalters gebuddelt. Denn nach dem Willen des Stadtrates wird auf dem Areal ein neuer Pausenhof für die Grundschule angelegt.

Das Projekt ist ein weiterer Abschnitt der Gesamtmaßnahme „Spindeltal“, das im Jahr 2002 in Bewegung gesetzt wurde, und das schon zahlreiche neue Erkenntnisse über die Vergangenheit zeitigte, seit im März 2009 mit der sachgemäßen Ausgrabung begonnen wurde. Funde davon werden derzeit in einer Sonderausstellung präsentiert.

Ausgrabungen: Skelette von Nonnen aus dem 11. Jahrhundert?

Mit ein Ziel bei der Neugestaltung des Pausenhofes sei die Schaffung einer „optischen Verbindung“ zum Mangoldfelsen hin, hatte Architekt Gerd Mann in der Juli-Sitzung des Stadtplanungsausschusses erläuterte. Die Grabungsfirma AGM ist dabei wieder im Auftrag der Denkmalfachbehörde im Einsatz. Prof. Dr. Wolfgang Czysz ist immer wieder vor Ort, um aktuell informiert zu sein.

Und was nun in den vergangenen Tagen alles freigelegt wurde, ist überaus bemerkenswert. „Jüngeren“ Datums sind dabei die Stützpfeiler an der Stadtmauer. Uralt dagegen die Felswand mitten im Gelände. Czsyz: „Man kann an ihr erkennen, dass sie einst offen lag und nicht unter der Erde.“ Es handle sich sicher um keine von Menschen gesetzte Linie, „sondern ist vermutlich durch den Einschlag des Riesmeteoriten entstanden.“

Helle Aufregung und gespannte Erwartung löste indes eine steinerne Treppe an der Ostseite des Burggeländes aus. Die führte, wie das weitere Abtragen des Erdreichs ergab, in einen „Keller“. Dort fand man sie dann: zwei gut erhaltene Skelette. Es sind Frauen, wie Museumsleiterin Gudrun Reißer ergänzt: „Es waren erwachsene Frauen, eine davon etwa 165 Zentimeter groß“.

Prof. Cyzsz: „Es handelt sich eindeutig auch um reguläre Bestattungen – mit Blick nach Osten.“ Die Toten hatten keine Beigaben. Für christliche Bestattungen etwas völlig Normales, wie Czsyz und Reißer unisono erklären. Grund: „Weil ein guter Christenmensch im Paradies nichts Irdisches braucht ...“

Hier nun kommen die schriftlichen Überlieferungen ins Spiel: Denen zufolge weihte Papst Leo IX. auf seiner Rückreise von Mainz am 3. Dezember 1049 „Kloster und Kirche des Heiligen Kreuzes“ auf dem Felsen, das den Namen des Edelfreien Mangold von Werd trug (... monasterium sancte crucus ... dedicat ecclesiam ... in petra, que ex eius nomine dicitur Manegoltstein). Mangolds Tochter Gunderade wurde Äbtissin und der Namensgeber des Adelsgeschlechts selbst soll 1053 dort begraben worden sein.

Mangold II. (gest. 1074) verlegte das Kloster „auf die Ebene“ vor der Burg. Später wurden dann die Gebeine der ersten drei Mangolde und deren Familien aus der Burgkapelle in das neue (nunmehr dritte) Kloster, von dem nur noch die profanierte Veitskapelle in der Heilig-Kreuz-Straße besteht, überführt. Der Chronist Königsdorfer mutmaßt, dass es durch den Pilgerverkehr einfach zu laut geworden ist (die Grabstätten wurden im Schmalkaldischen Krieg 1566 zerstört).

Mit den jetzigen Funden wird sich vermutlich eine Frage klären, die Cyzsz in seinem, anlässlich der Grabung/Ausstellung erschienen Büchlein „Burg Mangoldstein in Donauwörth“ noch offen lassen musste: „Wo das Kloster innerhalb der engen Burgfläche lag und wie es aussah, wissen wir nicht ...“

Die Archäologen schauen, ob weitere Gräber vorhanden sind. „Das erfordert die Pietät, bevor die Bagger kommen.“ Unzweifelhaft stehe bereits fest, dass Burg und „Kloster“ zusammengehören, denn deren Mauern gehen in die gleiche Richtung, während die Stadtmauer einen anderen Winkel hat. „Wir können davon ausgehen, dass das Burgareal einst über die Stadtmauer hinaus Richtung Kaibach reichte.“

Die Skelette werden nun wissenschaftlich untersucht. In der anthropologischen Staatssammlung in München setzt man dafür neueste Technologien ein. So kann man anhand der Zähne bestimmen, wo die Toten in ihren Kindheitstagen gelebt haben. Natürlich auch Alter, Geschlecht, Krankheiten etc. Dr. Wolfgang Cyzsz: „Wahrscheinlich werden durch die Klärung dieser Fragen neue aufgeworfen.“ Eines ist indessen gesichert, so Museumsleiterin Gudrun Reißer: „Alle Funde sind verwahrt. Für mögliche Grabräuber ist nichts zu holen.“

Eisenreifen schliffen die Pflasteroberfläche ab

Wolfgang Cyzsz hat nebenbei einen Wunsch an die Stadt: „Es wäre toll, wenn man die Steintreppe, die hinunter zum Klosterkirchlein führt, für die Donauwörther/innen sichtbar erhalten könnte.“ Schön wäre es außerdem, könnte man die gefundenen Pflastersteine aus dem 18./19. Jahrhundert (wir berichteten) irgendwie wieder verwenden. Der Wissenschaftler erklärt das Ungewöhnliche an diesen Steinen so: „Solche kann man heute nicht mehr bekommen, weil es keine Eisenreifen – von Kutschen oder Ochsenkarren – mehr gibt, die die Oberfläche abschleifen.“

OB Armin Neudert, der wieder aus dem Urlaub zurück ist, hat sich gestern von Stadtbaumeister Kay Wannick über die Ereignisse informieren lassen. „Es sind wirklich tolle Funde und ich bin gespannt, was sich daraus alles noch an Details für Burg- wie Stadtgeschichte ergibt. Jedenfalls ist heute schon klar, das Geld, das wir ausgegeben hatten, ist sinnvoll angelegt“, sagte der Oberbürgermeister.

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