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Bahn

08.06.2019

Bahn baut digitales Stellwerk: Strecke Augsburg-Donauwörth bis Montag gesperrt

Die Bahn kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig - eine davon ist die Digitalisierung. Die Technik auf einigen Strecken gilt als sehr veraltet. Die Digitalisierung der Strecken ist ein auf Jahrzehnte angelegtes Riesenprojekt.
Video: dpa

Am Samstag startete die Bahn ihr digitales Großprojekt. Die Strecke zwischen Augsburg und Donauwörth ist gesperrt. Busse fahren zwischen Gablingen und Donauwörth.

Die Bahn stellt ihren Betrieb nach und nach auf Digitaltechnik um und hat damit an diesem Wochenende begonnen. Zwischen Meitingen und Mertingen hat der bundeseigene Konzern die Bauarbeiten für das erste digitale Stellwerk auf einer Hauptverkehrsstrecke aufgenommen.

Wie ein Sprecher der Bahn bestätigt, hat das Bahnunternehmen für Pendler und Reisende zwischen Gablingen und Donauwörth in beiden Richtungen einen Schienenersatzverkehr eingerichtet. Einschließlich Montag transportieren Busse die Fahrgäste zwischen den beiden Bahnhöfen. Ab Dienstag sei die Streckensperrung wieder aufgehoben und die Züge verkehren nach Plan.

Die Digitalisierung der Strecken ist ein auf Jahrzehnte angelegtes Riesenprojekt. "Der digitalisierte Bahnbetrieb ist weit mehr als der Sprung von der Draisine auf die Elektrolok, wir wechseln in ein komplett neues System", sagte Kay Euler, Leiter des Programms Digitale Schiene Deutschland. "Das bietet uns in Deutschland die Chance, in der Zukunft als erste weltweit mit den neuen Technologien in einem komplexen Bahnsystem zu fahren." 

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Für die Bauarbeiten ist am Pfingstwochenende der Streckenabschnitt von Donauwörth nach Augsburg gesperrt - ein Teil des transeuropäischen Bahnkorridors Scan-Med von Skandinavien nach Italien. Hubschrauber flogen neue Signalmasten an. Außerdem werden bei der Umstellung auf Digitaltechnik die bisher üblichen Kupferkabel durch Glasfaserkabel ersetzt, die wesentlich mehr Daten transportieren können, technisch möglich wäre auch die Steuerung über Funk.

Digitalisierung kostet Bahn über 30 Milliarden Euro

Die Digitalisierung des Schienenbetriebs könnte nach einer Machbarkeitsstudie im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums bis 2040 abgeschlossen werden, die Gesamtkosten werden in dem Papier auf mehr als 30 Milliarden Euro beziffert. Der flächendeckende "Roll-Out" der neuen Technik soll nach Vorstellung der Bahn Mitte des nächsten Jahrzehnts beginnen. Die Digitaltechnik hat drei Hauptvorteile für die Eisenbahn: Es könnten in Verbindung mit dem im Aufbau befindlichen europäischen Zugsteuerungssystem ETCS erheblich mehr Züge fahren.

"Wir gehen davon aus, dass wir durch ETCS in Kombination mit digitalen Stellwerken eine durchschnittliche Kapazitätssteigerung von 20 Prozent erreichen können, bei einem höheren Level auf manchen Strecken sogar um bis zu 35 Prozent", sagte Euler. Der zweite Vorteil ist eine bessere Steuerung des Bahnbetriebs - die Bahn kann schneller auf Störungsmeldungen reagieren und Züge umleiten. Und der dritte Vorteil sind erhoffte Einsparungen, wenn Zehntausende Kilometer Kupferkabel überflüssig werden.

In manchen ländlichen Regionen ist Digitalisierung meilenweit entfernt

Bisher sind bei der Bahn unterschiedlichste Typen von Stellwerken im Einsatz. "Im Moment ist der Bahnbetrieb in vielen Punkten noch sehr manuell, von der Aufstellung des Fahrplans bis zur Steuerung", sagte Euler. "Bei unseren Stellwerken haben wir im Grunde eine komplette Sammlung der deutschen Technologiegeschichte von Kaisers Zeiten bis heute." In ländlichen Regionen sind sogar noch einige mechanische Stellwerke in Betrieb, die von Hand mit großen Hebeln bedient werden und über lange Stahlseile mit Weichen und Signalen verbunden sind. 

Bisher sind in der Haushaltsplanung des Bundes bis 2023 für drei Vorrangprojekte 570 Millionen Euro vorgesehen, aber noch nicht endgültig beschlossen. Neben dem digitalen Stellwerk in Meitingen zählen dazu die Digitalisierung der Schnellstrecke Frankfurt-Köln und des Bahnknotens Stuttgart.

Sanierungspaket bringt Zug-Reisenden Verspätungen

Ende Februar hat die Bahn für ganz Bayern ein Sanierungspaket für 1,6 Milliarden Euro präsentiert, das die Erneuerung von Strecken genauso enthält wie die Modernisierung von Bahnhöfen. Größtes Projekt in Schwaben ist zwar die Elektrifizierung München–Lindau, doch auch auf der Route Augsburg–Donauwörth–Treuchtlingen gibt es neben dem digitalen Stellwerk neue Gleise, Weichen, Brücken – und damit Baustellen, längere Fahrzeiten, Zugausfälle und Ersatzbusse.

Reisende und Pendler hatten bereits im Februar und März mit erheblichen Verspätungen und Ausfällen zu kämpfen. Auslöser war ein Bahnunfall mit drei entgleisten Güterwaggons nahe des Oberhauser Bahnhofs. Bis die Strecke Mitte März wieder uneingeschränkt befahrbar war, konnte sie nur eingleisig befahren werden.

Viel Zeit und Geduld mussten Bahnkunden bereits im Februar und März auf der Strecke zwischen Augsburg und Donauwörth aufbringen. Entgleiste Waggons wirbelten den Bahnverkehr durcheinander.
Bild: Silvio Wyszengrad (Archivbild)

Die Bahn baut derzeit bundesweit an vielen Orten. Am Dienstag soll außerdem knapp 30 Jahre nach der Eröffnung die Grundsanierung der ersten ICE-Strecke Hannover-Würzburg beginnen. Als erstes wird bis zum 14. Dezember die Strecke Hannover-Göttingen gesperrt. (dpa/AZ)

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