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Kultur

17.07.2019

Bald ein großes Museum für die Stadt Donauwörth?

Hier könnte das neue zentrale Museum in Donauwörth entstehen: An die Gebäudeteile des Puppenmuseums im ehemaligen Kapuzinerkloster in der Pflegstraße könnten neue Räume angebaut werden. Die gesamte Stadtgeschichte könnte hier untergebracht werden, so die Idee.
Bild: Thomas Hilgendorf

Donauwörths Museumslandschaft ist zerklüftet und laut Expertenmeinung nicht mehr zeitgemäß. Es gibt einen Lösungsansatz – der könnte jedoch teuer werden.

Wer Donauwörths Museumslandschaft erkunden will, der braucht einen guten Überblick – während das Dezentrale in vielen Bereichen wohltut, verhält es sich bei der Stadthistorie genau umgekehrt. Das betont jedenfalls der Gutachter Jörg Haller, der eine Machbarkeitsstudie für eine neue städtische Museumslandschaft ausgearbeitet hat. Er beklagt die Zerklüftung der hiesigen Museen, die nicht mehr zeitgemäß sei. Haller und Museumsleiter Thomas Heitele legten im Stadtrat jüngst ein erstes Konzept für ein zentrales Museum vor – das könnte allerdings teuer werden.

Standorte der Museen "bedingt" bis "nicht geeignet"

Jörg Haller sprach zweifelsohne Klartext bei seiner Präsentation der Studie vor dem Stadtrat. Sowohl museumspädagogisch als auch gebäudetechnisch seien die Donauwörther Einrichtungen längst nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Stadt- und Heimatmuseum hätten „bedingt“ bis „nicht geeignete“ Standorte. Auch die Depots für die städtischen Sammlungen seien ungeeignet. Und die Werner-Egk-Begegnungsstätte in der Pflegstraße beim Puppenmuseum werde „ihrem Namen nicht gerecht“. Insgesamt sei die Anordnung der Museen in Donauwörth „unübersichtlich“, zudem sei die Verteilung der Häuser im gesamten Innenstadtbereich betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll.

Die Zerklüftung schaffe letztlich eine „stadtinterne Binnenkonkurrenz“, was ein Blick auf die Eintrittszahlen belege. Den Häusern sei es ferner aufgrund der Gebäudesituation unmöglich, Sonderausstellungen zu zeigen – was aber wichtig wäre, um Publikum aus der Region nachhaltig an die Museen zu binden. Eine positive Ausnahme stelle mithin das Käthe-Kruse-Puppenmuseum in der Pflegstraße dar.

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Ausstellungen nicht mehr zeitgemäß

Auch die Ausstellungen selbst könnten, so Haller, die Erwartungen der Besucher kaum noch erfüllen: Die Ausstellungskonzepte, Präsentationsweisen, der Medieneinsatz und die Textgestaltung sowie das Design entsprächen „nicht mehr zeitgemäßen museologischen Standards“. Dadurch käme „das Potenzial der Donauwörther Museen nicht mehr zur Geltung“.

Kernpunkt einer Problemlösung sei indes ein neuer, zentraler Museumsstandort, an dem die Stadtgeschichte und das Käthe-Kruse-Puppenmuseum unter einem Dach zu finden sind. Hierzu müsste der Standort jedoch baulich erweitert werden. Allerdings böte die Anordnung der Gebäudeteile in der Pflegstraße die Möglichkeit dazu, sodass sich eine Gesamtfläche von über 2500 Quadratmetern für ein neues Zentralmuseum erreichen ließe.

"Mut zu visionären Lösungen"

Inhaltlich müssten in ansprechender Umgebung anschaulich „Geschichten präsentiert“ werden, Themenblöcke verständlich und attraktiv zusammengefasst werden: Als Beispiel nannte er die Themengebiete „Von der Reichsstadt zur Großen Kreisstadt“, „Wallfahrtsgeschichte“, „Alltag und Sozialgeschichte“, Mobilität“ und „Migration“.

Das Projekt hätte jedoch seinen Preis, wenn die alten Standorte zugunsten eines neuen am Puppenmuseum aufgegeben würden: In einer ersten Schätzung sprach Haller von möglichen Gesamtkosten von gut 11,4 Millionen Euro. Es seien aber vielfältige Förderungen des Freistaates Bayern zu erwarten, erklärte er weiter.

Haller riet den Räten, „Mut zu visionären Lösungen“ zu haben. Unterdessen zeigten sich diese mehrheitlich zurückhaltend, zumal einige Minuten früher in der Sitzung Umbaumaßnahmen von ebenfalls gut 11 Millionen Euro am Freibad beschlossen wurden.

Neukonzipierung bereits vor acht Jahren

Oberbürgermeister Armin Neudert erwähnte sodann nach Hallers Vortrag, dass „gerade auch ganz andere Projekte“ anstünden. Aber die informativen Ausführungen Hallers zur Neuausrichtung sollte zumindest „jeder einmal gehört haben“.

Einige Räte kritisierten auch, dass es vor gut acht Jahren bereits eine weitgehend ausgearbeitete Idee einer Neukonzipierung gegeben habe. Ferner sei auch die von Haller aufgegriffene Überlegung einer „gläsernen Manufaktur“ im Puppenmuseum vor einigen Jahren bereits diskutiert worden – geschehen sei seitdem aber kaum etwas, so der Tenor. Heinrich Korpiwa kritisierte, dass die Neuvorstellung Hallers nun in öffentlicher Sitzung geschehe.

Dem widersprach Barbara Kandler (CSU), die sich vehement hinter eine Neukonzipierung und deren Umsetzung stellte: „Das Projekt hat sehr wohl Priorität“, betonte sie. Weil in den vergangenen zehn Jahren wenig geschehen sei in Sachen Museum, könne das ja nicht für eine weitere Dekade so gelten.

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